Familienbetriebe erzählen
Nach der Währungsreform drehten sich in Gronau wieder die Karussells

Gronau -

Seit 70 Jahren sind die Familienbetriebe Krabbe und Heitmann Dauergäste auf der Gronauer Kirmes – und betonen die guten Rahmenbedingungen für den Jahrmarkt auf dem Platz vor der Bürgerhalle. Davor war die Veranstaltung gleich mehrfach im Stadtgebiet umgezogen.  

Samstag, 26.05.2018, 18:00 Uhr

Bei ihnen geht auch die nächste Runde vorwärts: Die Schaustellerbetriebe von Wilhelm (l.) und Willi Krabbe (r.) aus Gronau sowie Philipp Heitmann (Mitte) aus Münster sind seit 1948 Stammgäste der Gronauer Kirmes.
Bei ihnen geht auch die nächste Runde vorwärts: Die Schaustellerbetriebe von Wilhelm (l.) und Willi Krabbe (r.) aus Gronau sowie Philipp Heitmann (Mitte) aus Münster sind seit 1948 Stammgäste der Gronauer Kirmes. Foto: Guido Kratzke

Seit Mitte der Woche hat der Platz vor der Bürgerhalle in Gronau wieder sein Ausnahmegesicht: In den Randbereichen stehen Wohnwagen, mit kleinen Holzzäunen werden sogar private Vorgärten vor den rollenden Heimen eingefasst. Doch hauptsächlich ist es wuselig. Aus der einen Ecke klingt Musik aus den Lautsprecherboxen, schräg gegenüber werden Kisten geschoben, aus denen später bunt strahlende Scheinwerfer herausgeholt werden. Und es fließt angesichts der frühsommerlichen Temperaturen durchaus Schweiß, wenn die großen Fahrgeschäfte aufgebaut werden.

„In Gronau haben wir eigentlich optimale Voraussetzungen auf dem Kirmesplatz“, lobt Philipp Heitmann die Dinkelstadt. Als der Platz vor der Bürgerhalle geplant wurde, da saßen die Schausteller mit im Boot. „Wasser und Strom liegen optimal, die Besucher müssen nicht auf Stolperfallen aufpassen – und wir haben einen Rundlauf“, betont der Schausteller, dessen Familie seit acht Generationen, genau genommen seit dem Jahr 1733, auf Jahrmärkten in der Region zu Gast ist. Und in Gronau ist sie jetzt seit 70 Jahren wieder dabei.

Genau so lange nimmt auch der Gronauer Schaustellerbetrieb Krabbe die Chance zum Heimspiel wahr. „Nach der Währungsreform ging es damals direkt los“, erinnert sich der mittlerweile 81-jährige Firmensenior Wilhelm Krabbe, der immer noch vom Kirmes-Virus infiziert ist.

Der erste Festplatz nach dem Krieg war der ehemalige Schlossplatz. Über Flächen an der Feldstiege, dem Schützenhof oder am Hallenbad ging es an verschiedene Standorte in der Innenstadt – zuletzt zwischen IZG und dem rock´n´popmuseum bis zur mittlerweile etablierten Jahrmarktfläche an der Spinnereistraße.

„Unsere Eltern hatten es früher leichter“, erklärt Willi Krabbe und verweist darauf, dass an seinem Musikexpress beispielsweise jährlich die Ausleger mit Ultraschall quasi geröntgt werden und nicht nur die Sicherheitsauflagen zum kontinuierlichen Modernisieren auffordern. Auch die Technik entwickelt sich schließlich weiter.

„In unserem Autoscooter verfügt jeder Wagen mittlerweile über einen Direktantrieb, es gibt zwei Gurte, Lenkrad und Kopfstützen sind stärker gepolstert“, verweist Heitmann auf ein paar veränderte Elemente. „Jetzt ist er nicht nur spritziger, er kann auch wieder rückwärts fahren.“ Nach Gronau kommen sie aber nicht nur gerne wegen des Platzes. „Die Kirmes ist stabil“, betont Heitmann und verweist auf zahlreiche Aktivitäten wie die Freifahrt-Aktion zur Eröffnung, der Familientag oder auch das von den Schaustellern finanzierte Höhenfeuerwerk am Samstagabend nach Einbruch der Dunkelheit. „Die Brücke ist dann schwarz voller Menschen.“ Ohnehin sei die Kirmes eine der besucherstärksten Veranstaltungen im Gronauer Jahreskalender. „Besonders sonntags kommen viele Besucher aus den Niederlanden“, beschreibt Heitmann seine Beobachtungen. Bei denen kommen traditionell neue Fahrgeschäfte wie in diesem Jahr das Flugkarussell Dr. Jeckyll & Mr. Hide besonders gut an. „Und natürlich als Angebote wieder der Mandelstrand oder Bratwürste, die sie in dieser Form in Holland nicht kennen.“ Bei aller Zufriedenheit haben die Schausteller dennoch einen Wunsch: Sie hätten für die Zukunft gerne wieder einen festen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung – denn auch der gehört zum Erfolgsrezept.

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