Reisende Theatergruppe spielt am und im Zug
„Das letzte Kleinod“ zeigt Stück um Exil von Wilhelm II.

Bad Bentheim -

Eher zufällig ist die reisende Theatergruppe aus der Nähe von Bremerhaven in Bad Bentheim gelandet. Noch bis zum 14. Juli präsentiert sie das Stück „Wilhelmina“ über das Exil von Kaiser Wilhelm II.

Mittwoch, 11.07.2018, 19:16 Uhr

Die Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ zeigt „Wilhelmina“ in historischen Eisenbahnwaggons am Bad Bentheimer Bahnhof-Süd.
Die Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ zeigt „Wilhelmina“ in historischen Eisenbahnwaggons am Bad Bentheimer Bahnhof-Süd. Foto: Julia Kawka

Theatervorstellungen der besonderen Art sind noch bis zum 14. Juli in Bad Bentheim zu sehen. Die Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ aus Geestenseth bei Bremerhaven gastiert mit ihrem Theaterzug in der Burgstadt. Dieser wird am Bahnhof-Süd stehen und dort dem Publikum ein dokumentarisches Stück über das Exil von Kaiser Wilhelm II. mit dem Titel „Wilhelmina“ präsentieren.

Im November 1918 geht der Erste Weltkrieg zu Ende, der Soldatenaufstand bricht aus und Kaiser Wilhelm II. (1859 – 1941) begibt sich mit seinem Zug auf die Flucht. An dem kleinen niederländischen Grenzbahnhof Eijsden wartet er auf Asyl. Die niederländische Königin Wilhelmina zögert zunächst, ihn ins Land zu lassen – von den Alliierten wird er als Kriegsverbrecher bezeichnet. Schließlich darf er doch einreisen und bleibt mehr als zwei Jahrzehnte im niederländischen Exil.

Das Besondere an den Vorstellungen ist nicht nur, dass sie in Zugwaggons stattfinden – interessant sind auch der Bezug des Stückes zu Bad Bentheim und der Zufall, der das fahrende Theater in die Burgstadt geführt hat. Aber der Reihe nach: Die Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ besitzt elf alte Eisenbahnwaggons und hat ihre Produktionsstätte in Geestenseth in einem denkmalgeschützten Bahnhof von 1899. „Dort proben wir und dort geben wir auch Vorstellungen“, sagt Juliane Lenssen, Produzentin des Stückes.

Mit den Waggons, zu denen auch vier Schlafwagen und ein Speisewagen mit eigenem Koch gehören, fährt die Gruppe auf der Schiene durch die Lande. Wie auch die Strecke, die einst Kaiser Wilhelm II. nahm, liegen die Aufführungsorte für dieses Projekt zwischen Potsdam und Utrecht in den Niederlanden. An den Spielorten übernachten die Schauspieler in ihren Waggons. „Eine eigene Lok und einen Lokführer haben wir aber nicht. Wir sprechen immer die Bahngesellschaften an“, sagt Juliane Lenssen. So ist auch der Kontakt in die Grafschaft entstanden. Die Deutsche Bahn verwies sie an die Bentheimer Eisenbahn, die den Bahnhof-Süd zur Verfügung stellte.

Bei der Stadt stieß das Vorhaben auf begeisterte Zustimmung. Auf der Burg Bentheim residierte schließlich einst die Schwester der niederländischen Königin Wilhelmina. Und der Bahnhof ist auch als „Kaiser-Bahnhof“ bekannt, der zu Ehren des Vaters von Kaiser Wilhelm II. erbaut worden ist. Der 140 Meter lange Zug wird nun bis zum 17. Juli am Bahnhof-Süd stehen.

Für das Theaterstück hat Regisseur und Autor Jens-Erwin Siemsen mit in Deutschland und in den Niederlanden lebenden Zeitzeugen und ihren Nachfahren gesprochen. Unter anderem gab es sogar ein Gespräch mit dem Patenkind von Kaiserin Hermine. Auch die Enkelin des niederländischen Grafen Bentinck, bei dem der Kaiser mehrere Monate logiert hatte, konnte interviewt werden.

„Das Stück setzt sich mit viel Humor und Musik mit diesem bizarren und wenig bekannten Kapitel deutsch-niederländischer Geschichte auseinander“, kündigt das Theater an. Die ersten Szenen werden vor dem Zug gespielt, dann wird das Publikum in Gruppen durch die Waggons geführt, in es weitergeht.

Aufgeführt wird „Wilhelmina“ am Donnerstag, Freitag (13. Juli) und Samstag (14. Juli) jeweils um 20 Uhr, am Bahnhof-Süd. Parkplätze stehen am Badepark, Zum Ferienpark 1, zur Verfügung. Nach Angaben von Bürgermeister Volker Pannen wird ein Pendelverkehr eingerichtet. „Wenn die Nachfrage groß ist, würden wir eine zusätzliche Vorführung um 18 Uhr anbieten“, kündigt Juliane Lenssen an. Für den heutigen Donenrstag ist eine Sondervorstellung in niederländischer Sprache vorgesehen.

Eintrittskarten im Vorverkauf bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen zum Preis von 26,40 Euro, ermäßigt für 19,80 Euro. Kinder unter 14 Jahren zahlen 13,20 Euro. Weitere Karten gibt es an der Abendkasse. 

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