Interview mit dem Vorsitzenden des Heimatvereins Epe, Wilhelm Kemper
Auch die Gegenwart und Zukunft begleiten

Epe -

Der Heimatverein Epe feiert seinen 25. Geburtstag. Aus diesem Anlass wird es am 31. August einen „Bunten Abend“ im Festzelt an der Von-Keppel-Straße geben, unter anderem mit einem Auftritt der Protagonisten von „Max kommt“. Bereits am 24. August wird das Lesebuch „Eper Schulgeschichte(n)“ vorgestellt. Am 1. September wird die Regierungspräsidentin Dorothee Feller zu dem offiziellen Festakt in Epe erwartet. Außerdem wird das von Michael Franke geschaffene Denkmal „Lernende“ offiziell übergeben und es wird ein Dorffest an der Von-Keppel-Straße mit Musik und vielen Attraktionen gefeiert. Aus Anlass des Jubiläums sprach Redakteur Martin Borck mit dem Vorsitzenden des Eper Heimatvereins, Wilhelm Kemper.

Sonntag, 12.08.2018, 08:00 Uhr

Wilhelm Kemper, Vorsitzender des Eper Heimatvereins, vor dem Heimathaus.
Wilhelm Kemper, Vorsitzender des Eper Heimatvereins, vor dem Heimathaus. Foto: Martin Borck

Wie kam es eigentlich zur Gründung des Heimatvereins Epe?

Wilhelm Kemper: Zur 800-Jahr-Feier der Pfarrei St. Agatha 1988 hatte ein Arbeitskreis mit heimatinteressierten Eperanern das Festbuch mit Beiträgen zur Geschichte von Epe vorbereitet. Dazu hatte die Gruppe viele Textdokumente, Urkunden und Fotos zusammengetragen. Aus diesem Kreis kam die Idee, einen eigenen Heimatverein zu gründen. Bis dahin gab es den Heimatverein Gronau, bei dem auch einige Eperaner aktiv waren und der sich nach der kommunalen Neugliederung in Heimatverein Gronau/Epe umbenannt hatte. Bis die Idee eines eigenen Vereins umgesetzt wurde, dauerte es aber noch einige Jahre. Am 22. April 1993 fand bei Leefken die Gründungsveranstaltung statt. Übrigens im Einvernehmen mit dem Heimatverein Gronau.

Der Eper Heimatverein hatte sofort großen Zulauf. Der Verein wuchs schnell auf fast 800 Mitglieder. Wie kam es dazu?

Kemper: Es bestand offenbar ein großes Bedürfnis und Interesse unter den Heimatfreunden an einem eigenen Heimatverein. Epe war immer eine soziale Einheit, anders als der Schmelztiegel Gronau. Es gab eine bodenständige Bevölkerung – sie ist es zum Teil auch heute noch –, die gut zusammenhält. Das alles sind Faktoren, die eine Rolle spielten. Außerdem hatte der Verein mit Fritz Niehoff einen Geschäftsführer, der mit allen erlaubten Mitteln Mitglieder geworben hat. Wohin er auch ging – er hatte immer Aufnahmeanträge dabei.

Derzeit ist der Begriff Heimat allgegenwärtig. Es gibt sogar in NRW ein Heimat-Ministerium. Doch Heimatvereine hatten lange Zeit ein verstaubtes Image.

Kemper: Es war früher sogar noch schlimmer: Heimatvereinen haftete teilweise etwas Rückwärtsgewandtes an. Doch das hat sich glücklicherweise geändert. Heimat wird als ein Gegenpol zur aktuellen Phase der Globalisierung mit ihren Herausforderungen empfunden. Da steigt die Wertschätzung der unmittelbaren Umgebung.

Kann der Heimatverein auch neu Zugezogene, Migranten und Flüchtlinge integrieren?

Kemper: Ja, das kann ein Heimatverein leisten. Aber es muss auch Bereitschaft von der Gegenseite da sein. Ohne Sprachkenntnisse ist das schwierig, und die Menschen müssen eine langfristige Perspektive im Ort haben. Erst kürzlich stand ein Artikel zu dem Thema im Blatt des Westfälischen Heimatbund mit der Aufforderung, neue Mitbürger für die Vereine zu gewinnen. Es gibt Beispiele: Ein aus Guinea stammender Mann ist sogar Vorstandsmitglied im Asbecker Heimatverein. Die Beschäftigung mit Neubürgern ermöglicht es, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, auch zu vergleichen, was Heimat in anderen Ländern bedeutet.

Wie sieht es mit der Altersstruktur im Verein aus?

Kemper: Die Heimatvereine haben es schwer, jüngere Leute zu gewinnen. Das liegt nicht mal an Desinteresse. Sie sind einfach in Beruf und Familie sehr stark in Anspruch genommen sind. Das Interesse, sich mit der Geschichte der eigenen Familie zu beschäftigen, kommt meistens erst bei Menschen auf, die die 50 überschritten haben. Dadurch, dass wir die Reihe „Epe aktuell“ eingeführt haben, können wir aber auch jüngere Leute interessieren. Wir holen Fachleute als Referenten zu öffentlichen Veranstaltungen. Zum Beispiel vor zwei Jahren zum Thema „Schulentwicklung in Epe“: Wird aus der Sekundarschule eine Gesamtschule oder nicht? Mit dieser Veranstaltung, zu der die Erste Beigeordnete Sandra Cichon eingeladen war, haben wir viele jüngere Eltern erreicht. Außerdem sind wir im Internet präsent, sind dabei unsere Webseite zu modernisieren und wollen uns eventuell in sozialen Medien präsentieren. Manchmal kommen auch Jugendliche, die für eine Projektarbeit für die Schule bei uns recherchieren oder auch mal ein Student. Wir binden so weit wie möglich Jugendliche ein. Zum Beispiel beim Auswahlverfahren für das Schuldenkmal. Dazu hatten wir Schulklassen eingeladen. Nach den Besuchen gab es durchaus Reaktionen. Wenn ein Kind zum Beispiel einen Ordner mit Informationen zur eigenen Familie entdeckt hatte. „Da muss ich noch mal hingehen“, hieß es dann zu Hause. Wir laden auch Grundschulklassen ein.

Ist Heimatkunde noch Thema im Schulunterricht?

Kemper: Ja, im Sachkundeunterricht gibt es eine Art geografische Komponente, eine Einführung ins Kartenlesen. Das beginnt bei der Schulumgebung, dann kommt der Ortsplan. In diesem Zusammenhang wird auch etwas über die Geschichte des Ortes vermittelt. Es werden Ortsrundgänge durchgeführt, wo man sich einige markante Punkte anschaut.

Wofür interessieren sich Kinder dabei am meisten?

Kemper: Alte Geräte. Das kann mal eine Kaffeemühle sein oder auch die alten landwirtschaftlichen Geräte. Wenn man ihnen die alten Ortsbilder und Straßenzüge erläutert fragen sie oft: „So hat Epe mal ausgesehen?“ Sie erfahren zum Beispiel, dass die erste Schule in Epe, von der wir wissen, 1573 an der Stelle war, wo jetzt die „Eper Perle“ steht. Das interessiert sie, weil das ihre Erfahrungswelt berührt. Was seltsamerweise gar nicht mehr ankommt, sind die alten Kinderspiele. Knickern, Kreisel, Jojo – das interessiert kaum noch jemanden.

Inwieweit ist Heimat und damit der Heimatverein identitätsstiftend?

Kemper: Die Zugehörigkeit zu einer Familie, zu einer gewachsenen Ortsgemeinschaft und zu einer Landschaft vermittelt schon eine Identität. Was wir im Verein an Dokumenten haben, bezieht sich größtenteils auf die Vergangenheit. Zu uns kommen viele Leute auf der Suche nach der Geschichte ihrer Familie. Sie wollen wissen, woher sie stammen. Wir haben eine starke Genealogie-Abteilung, die sehr aktiv ist und Stammbäume erstellt. Insofern ist das schon identitätsstiftend. Genauso zeigen Menschen Interesse, daran, wie Epe sich entwickelt.

Rührt daher das aktuelle Engagement für den Erhalt des Ortsbildes?

Kemper: Dem Heimatverein ging es zunächst darum, Bewusstsein zu schaffen. Unser Vorstoß für eine Gestaltungssatzung in Epe und der Vorschlag, dass Bebauungspläne vielleicht auch im Außenbereich aufgestellt werden, ist auf positive Resonanz sowohl bei der Verwaltung als auch bei den politischen Parteien gestoßen. Dass es unterschiedliche Blickwinkel gibt und unsere Position nicht bei allen auf Gegenliebe stößt, kann ich verstehen. Ich bin offen für die Argumente der Gegenseite. Wir wollen den Investoren auch keine Steine in den Weg legen. Wir sind dafür, dass in Epe gebaut wird. Wir brauchen schließlich Wohnraum. Aber dabei soll man auf das Ortsbild achten, so dass nicht alles Bestehende verschwindet und wir nur noch rechteckigen Gebäude mit Flachdächern hier stehen haben. Man hätte sich schon früher darum kümmern müssen. Viele früher ortsbildprägende Gebäude sind abgerissen worden: die schönen Giebelhäuser am Klüenhook, das Hotel Lammerding, das Amtshaus, das Ackerbürgerhaus.

Der Heimatverein hat durch dieses Engagement durchaus gesellschaftliche Relevanz.

Kemper: Ja. Und das stößt auf positive Rückmeldungen. Jetzt sind wir so weit, dass eine Bestandsanalyse durchgeführt und eine Gestaltungssatzung vorbereitet wird: Welche Gebäude prägen den Eper Ortskern, was lohnt sich zu erhalten? Die gesellschaftliche Relevanz sehe ich schon, auch aufgrund der großen Mitgliederzahl und der Initiativen, die wie ergriffen haben. Wir nehmen den Aspekt aus unserer Satzung ernst: dass der Heimatverein nicht nur für die Vergangenheit von Epe zuständig ist, sondern auch die Gegenwart und Zukunft in Epe begleiten soll. Das Sammeln und Bewahren historischer Dokumente ist nach wie vor wichtig. Aber der Aspekt des Heute und Morgen ist in der letzten Zeit deutlich stärker geworden. Der Heimatverein bildet eine Klammer von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft.

Was waren die Höhepunkte der vergangenen 25 Jahre Heimatverein?

Kemper: Zunächst einmal war wichtig, dass sich der Verein überhaupt etabliert hat. Es musste ein Programmangebot entwickelt werden. Gleichzeitig wurde die Sammlung ausgebaut. Zunächst war der Verein im Dachgeschoss der Jahnturnhalle untergebracht. Doch das wurde bald zu klein. Dann hat uns die Stadt einen teil der früheren Annette-Schule angeboten. Der Heimatverein hat es in Eigenleistung hergerichtet. Das war und ist ein sehr wichtiges Projekt. Erst vor zwei Jahren haben wir das Dachgeschoss renoviert. Jetzt haben wir Platz genug, um das unterzubringen, was wir brauchen. Dass der Verein sich mit der Stadt auf einen neuen Finanzierungsvertrag geeinigt hat, war ein weiterer Erfolg. In den 90er-Jahren waren die Veröffentlichungen von Willi Schultewolter, „Epe in der Vergangenheit“, sehr erfolgreich. Sie beschrieben das kulturelle und gesellschaftliche Leben von Epe. Weiterhin gehören das Archiv der Eper Schützenvereine, das in diesem Monat erscheinende Schulgeschichtenbuch und das Denkmal, das aus Anlass des Jubiläums enthüllt wird, zu den Erfolgen. Die Initialzündung für den Förderkreis Alte Synagoge kam auch aus den Reihen des Heimatvereins, von Hans Dieter Meyer.

Welche Schwerpunkte setzt der Verein bei seiner künftigen Arbeit?

Kemper: Die Arbeit an dem Schulgeschichten-Buch hat das Redaktionsteam zwar unheimliche Anstrengungen gekostet, aber auch Spaß gemacht. Es sind von daher weitere, Epe betreffende Veröffentlichungen vorgesehen. Ansonsten werden wir die Entwicklung des Orts mitgestalten und uns um jüngere Mitglieder bemühen müssen und um die Einbindung von Neubürgern.

Wie sieht der Kontakt zu anderen Vereinen aus?

Kemper: Der ist uns sehr wichtig. In letzter Zeit auch grenzüberschreitend. Wir haben zu dem kleinen Verein in Glanerbrug gute Kontakte, mit dem in Losser sind wir dabei, Verbindung aufzunehmen. Es gibt Kontakte zur Historischen Vereniging in Epe/Gelderland. Zum Jubiläum haben wir auch den Bürgermeister von Epe eingeladen.

Jetzt vor den Jubiläumsveranstaltungen gibt es sicherlich noch eine Menge zusätzlich zu tun.

Kemper: O ja. Ohne die vielen sehr aktiven und engagierten Mitglieder im Vorstand und im Verein wäre das gar nicht zu schaffen. Ich bin seit drei Jahren Vorsitzender, das macht mir viel Freude. Dabei fühle ich mich als einer unter Gleichen. Wenn etwas zu tun ist, haben wir immer Leute, die bereit sind anzupacken. Auch ohne finanzielle Unterstützung der Sponsoren ginge es nicht. Diesen Einsatz finde ich toll. Da sieht man: Der Heimatverein Epe besteht wahrlich nicht nur aus Karteileichen.

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