Pilotprojekt: Plastikverzicht an der Fleisch- und Wursttheke
Würstchen ohne viel Drumherum

Gronau -

Plastik im Essen – das will niemand. Aber auch Plastikverpackungen bei Lebensmitteln sind für viele Verbraucher zunehmend ein Ärgernis. In einer Edeka-Filiale in Norddeutschland läuft darum ein Pilotprojekt, bei dem Kunden für ihre Einkäufe an der Wurst- und Fleischtheke Mehrwegbehälter bekommen können.

Montag, 13.08.2018, 08:59 Uhr

Harry Geersen (l.) und das Händler-Ehepaar Anke und Thomas Effing würden gerne weniger Plastik einsetzen, wenn sie Fleisch- und Wurstwaren anbieten. In der Praxis ist das aber nicht so einfach. „Da ist auch der Gesetzgeber gefragt“, findet Thomas Effing.
Harry Geersen (l.) und das Händler-Ehepaar Anke und Thomas Effing würden gerne weniger Plastik einsetzen, wenn sie Fleisch- und Wurstwaren anbieten. In der Praxis ist das aber nicht so einfach. „Da ist auch der Gesetzgeber gefragt“, findet Thomas Effing. Foto: Christiane Nitsche

„Mit einer eigenen Dose ist das undenkbar“, erklärt Thomas Effing von der Gronauer Edeka-Filiale. Schon rein rechtlich gehe das nicht – vor allem aus Gründen der Hygiene. Harry Geersen, der bei Edeka in Gronau als Ladenmetzger die Wurst- und Fleischabteilung betreut, bestätigt das. „Wir dürfen hier ja keine Verpackungen annehmen.“

Während er mit Effing vor der Fleischtheke darüber berät, wie der plastikfreie Verkauf von Geräuchertem neben Mariniertem, von Geflügel neben rohem Rindfleisch und von Aufschnitt neben Grillwaren überhaupt machbar wäre, spießt eine Mitarbeiterin dicke Bauchspeckscheiben mit einer Edelstahlgabel auf. Ohne das Fleisch berührt zu haben, wandert es so in eine transparente Plastiktüte, die abgewogen und in eine weitere Tüte gepackt wird.

Aber Fleisch müsste eigentlich immer in einer Plastiktüte sein. Das ist hygienischer und für uns vom Ablauf her auch einfacher.

Thomas Effing von der Gronauer Edeka-Filiale

Hier sieht Effing Möglichkeiten: „Die zweite und dritte Tüte – da ist Potenzial“, sagt er. „Mir wäre am liebsten, die Kunden kämen mit einer eigenen Kühltasche, in die sie die Beutel packen können.“ Ganz ohne Plastik kann er sich den hygienisch einwandfreien Verkauf von Fleisch und Wurst aber nicht vorstellen. „Man kann es minimieren“, findet er. „Aber Fleisch müsste eigentlich immer in einer Plastiktüte sein. Das ist hygienischer und für uns vom Ablauf her auch einfacher.“

Positive Erfahrungen mit Pfandbehältern

Die Filiale in Büsum gibt Dosen mit Pfand aus, nimmt die benutzen Behälter zurück, reinigt und desinfiziert sie, bevor sie wieder ausgegeben werden. Der Idee stehe er durchaus positiv gegenüber, so Effing. „Vom Umweltgedanken her finde ich das gut.“ Da ist er mit Metzger Geersen einer Meinung. Allerdings sei der Aufwand hoch, denn es müsse für ein geschlossenes System mit eigenen Behältern, Übergabestation und einer Spezialspülmaschine zur Reinigung und Desinfizierung der Behälter gesorgt werden. Und dann sei da noch die Gretchenfrage: „Ob der Kunde das annimmt?“

Erste positive Erfahrungen mit Pfandbehältern hat die Metzgerei Segbert in Epe bereits gemacht. „Wir bieten Einweckgläser an“, erklärt Iris Segbert, die gemeinsam mit ihrem Mann Willi seit rund 30 Jahren Wurst- und Fleischwaren aus der eigenen Metzgerei verkauft. „Der Umwelt zuliebe“ fände sie die Nutzung von Mehrwegverpackungen für Frischwurst und Fleisch auch gut. Aber nicht nur deswegen: „Das ist ja auch ein Stück Kundenbindung“, hat sie festgestellt. Allerdings sei das Ganze nur als rein geschlossenes System denkbar. „Ich würde nicht einsehen, dass ich von überall her die Behälter annehmen muss.“

Suche nach umweltschonenden Materialien

Bei K+K wird das Thema seit geraumer Zeit diskutiert, wie Betriebsleiter Josef Averbeck vom unternehmenseigenen Fleischwarenlieferant „Drilander“ betont. „Es wird sich da etwas tun“, verspricht er. Was genau, könne er noch nicht sagen. Derzeit liefen Gespräche mit Lieferanten darüber, „ob man vom Plastik wegkommt“. In jedem Fall sei man auf der Suche nach einem System „mit Materialien, die umweltschonend sind.“ Allerdings müsse das auch mit dem Veterinäramt abgestimmt werden. Ob dabei am Ende weniger oder gar kein Plastik zum Einsatz kommt, sei noch ungewiss. Er rechne aber noch im Herbst mit einer Entscheidung.

Tatsächlich hätten Kunden bereits nachgefragt – genau wie bei Edeka Effing. „Manche denken, dass sie morgen schon mit der eigenen Tupperdose kommen können“, sagt Thomas Effing. „Aber davon sind wir noch meilenweit entfernt.“ Draußen auf dem Parkplatz packt eine Kundin ihre Einkäufe in den Kofferraum: Obst, Gemüse, Grillfleisch. „Man kommt schon ans Nachdenken“, sagt sie. „Meine Äpfel kann ich ja lose abwiegen, wenn ich will. Aber die Würstchen bekomme ich so oder so in Plastik verpackt – von der Industrie oder vom Metzger.“ Dann lacht sie. „Da haben es Vegetarier leichter, oder?“

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