Gronau

Do., 26.08.2010

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„Cathleen“ hält Wehr in Atem

Auto oder Amphibienfahrzeug? Im Kreisverkehr Enscheder Straße/Buterlandstraße versuchte mancher, mit Schwung durch die Fluten zu kommen.Fotos: (Klaus Wiedau)

Gronau - Martin Kuchmecki flucht nicht mal mehr. Schweigend schippen er und seine Familie die Wassermassen aus dem Raum, der wenige Stunden zuvor noch sein Büro war. Binnen kürzester Zeit hat Wasser darin ganze Arbeit geleistet: Das Laminat und die Möbel sind ein Fall für den Bauhof. Direkt neben dem Elternhaus von Udo Lindenberg in der Gartenstraße liegt das kleine, erst vor Kurzem eröffnete Fensterbau-Unternehmen buchstäblich im Wasser. Aber es hat nicht nur Kuchmecki erwischt. Der Keller des Lindenberg-Hauses ist voll, der Garten gleicht einem See. Mit Sandsäcken versuchen die Anwohner, sich gegen die Wassermassen zu schützen. Und so wie in der Gartenstraße sieht es am späten Donnerstagnachmittag an vielen Stellen der Stadt aus.

Kübelweise sorgt Tief „Cathleen“ für Regen. Die Wassermassen halten Einwohner und Feuerwehr in Atem: Ab elf Uhr gehen die ersten Alarmierungen wegen überfluteter Keller bei der Wehr ein - und reißen nicht mehr ab. Am Nachmittag ziehen Dietmar Schomburg und Klaus Gerick in der Feuer- und Rettungswache die Einsatz-Meldungen der Leitstelle in Borken beinahe im Sekundentakt aus dem Faxgerät. Über die Zentrale und über den Einsatzleitwagen vor der Feuerwache wird das Abarbeiten der Meldungen koordiniert. Einzelne Einsatzstellen nimmt Einsatzleiter Günther Meyer selbst in Augenschein, bevor er die Kräfte dafür einteilt. Aber: Das Ablaufen des Wassers in den randvollen Kanälen kann auch er nicht beschleunigen. Rund 60 Einsatzmeldungen sind es bis 19.30 Uhr, ein Ende nicht absehbar. Reichlich Arbeit für beide Löschzüge.

Vielerorts herrscht richtiggehend „Land unter“. Zum Beispiel im Bögehold, wo das Wasser viele Keller rund 60 Zentimeter hoch flutet. Im großen Mehrfamilienhaus dort läuft die Tiefgarage voll. Auch die Keller von Polizeiwache und Amtsgericht sind betroffen. Weil die Einsatzkräfte nicht überall gleichzeitig hin ausrücken können, greifen viele Bürger notgedrungen selbst zu Eimern und anderen Behältern und schaufeln das Wasser mühsam aus den heimischen vier Wänden.

Da die Abwasserkanäle die Mengen nicht schnell genug abfließen lassen, stehen bald ganze Straßenzüge unter Wasser. Am Kreisverkehr Buterlandstraße/Enscheder Straße etwa schieben Autofahrer, die sich ins Wasser trauten, wahre Bugwellen vor sich her. Mit am meisten betroffen vom Wasser ist nach Angaben der Feuerwehr der gesamte Bereich des Gronauer Nordfeldes: Bögehold, Enscheder Straße, Eisenbahnweg und angrenzende Straßenzüge.

Klein und friedlich ist normalerweise der Bösingbach an der Klosterstraße in Epe. Donnerstagabend lässt er seine Muskeln spielen, schwillt an, tritt über die Ufer und sucht sich neue Wege außerhalb seines Bettes. Davon betroffen ist unter anderem die Firma Altex an der Gronauer Straße, wo das Wasser nach Angaben der Feuerwehr aus dem hier unterirdisch verlaufenden Bach in die Produktions- und Lagerhallen läuft. „Land unter“ heißt es aber auch in anderen Eper Straßen.


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