Sa., 14.07.2012

Besuch in der Pflegeberatungsstelle „Fachkräftemangel ist katastrophal“

Besuch in der Pflegeberatungsstelle : „Fachkräftemangel ist katastrophal“

Waren beim Ortstermin dabei (v. l.): Uwe Bröcker (Caritasverband Ahaus-Vreden), Foto: pd

Heek/Kreis Borken - 

„Wenn man für die Zukunft in der Betreuung von hilfe- und pflegebedürftigen Menschen gut aufgestellt sein will, müssen jetzt die Weichen gestellt werden“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer bei einem Besuch der Pflegeberatungsstelle des Caritasverbandes Ahaus-Vreden in Heek.

Die Politikerin ist derzeit im Rahmen ihrer Sommertour zum Thema „Pflege in der Zukunft“ unterwegs. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der SPD-Ortsgruppe Heek/Nienborg, Manfred Kuiper, traf sie sich jüngst im Büro der Beratungsstelle mit dem Leiter Mike Saalmann und Uwe Bröcker vom Caritasverband.

„Die klassische ambulante Pflege gibt es nicht mehr“, erläuterte Saalmann seinen Besuchern. Die Tendenz gehe hin zu Pflegewohngruppen. Bewohner leben als Mieter in einer eigenen, gemeinsam genutzten Wohnung zusammen, und das nicht in Pflegeheimen oder stationären Einrichtungen. Die Betreuung und Pflege wird durch ambulante Pflegedienste gewährleistet. Dieses Konzept sei zwar noch völlig neu, aber der Caritasverband unterhalte schon seit einigen Jahren eine Demenzwohngruppe. Dieses Projekt würde von den Betroffenen und Angehörigen so gut angenommen, dass man bereits eine Warteliste führe, wird Saalmann in einer Mitteilung der SPD wiedergegeben.

Pflegebedürftige, die in einer solchen ambulant betreuten Wohngemeinschaft leben, bekommen demnächst einen Zuschlag von pauschal 200 Euro für Hilfskräfte monatlich. Diese Förderung sieht Ingrid Arndt-Brauer als eine der wenigen positiven Entwicklungen bei der von der schwarz-gelben Regierung beschlossenen Pflegereform.

Arndt-Brauer bemängelt, dass mit der Reform kein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt werde. Dabei gehe es darum, wer welche Leistungen aus der Pflegeversicherung bekomme. Der geltende Begriff ziele auf körperliche Gebrechen ab, geistige und psychische Beeinträchtigungen wie Demenz würden in den bestehenden Pflegestufen nicht berücksichtigt.

Den von Arndt-Brauer angesprochenen Fachkräftemangel in der Pflege bezeichnete Bröcker als katas­trophal. Der Beruf des Altenpflegers sei wegen der familienfeindlichen Arbeitszeiten und der fehlenden Akzeptanz in der Gesellschaft unattraktiv für junge Leute. Der Personalbestand könne sich bei dieser Entwicklung auch nicht verjüngen. „Das Durchschnittsalter älterer Mitarbeiter liegt in zehn bis zwanzig Jahren bei 50“, verdeutlichte Bröcker. Damit das Fachwissen der qualifizierteren Fachkräfte erhalten bleibt, sieht Bröcker die Zukunft unter anderem in der Bezugspflege. Das heißt in der Praxis, dass die älteren Fachkräfte ihr Wissen zur Verfügung stellen und durch Hilfskräfte in der Pflege entlastet werden, heißt es in der Mitteilung.

Google-Anzeigen

Leserkommentare

 

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend


Mehr zum Thema

WN-Jobs Anzeigen

Ihr Jobportal für unbefristete und befristete Stellenangebote aus dem Münsterland

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/922256?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F27962%2F697193%2F1164180%2F1013053%2F