Mo., 19.08.2013

Bundesjazzorchester beendete Probephase mit einem Konzert in der LMA Florian Ross‘ musikalischer Kosmos

Das Bundesjazzorchester unter Leitung von Florian Ross

Das Bundesjazzorchester unter Leitung von Florian Ross Foto: Martin Borck

Heek-Nienborg - 

Die musikalischen Welten, die Florian Ross schafft, sind einer ständigen Metamorphose unterworfen. Die Klänge seiner Kompositionen und Arrangements fließen unaufhörlich. Sie geraten in Strudel, verformen sich mal abrupt, mal allmählich. Und stets wird dieser Kosmos durchströmt von einem fordernden Sog, der den Sound weitertreibt – bis sich am Ende alle musikalischen Strukturen auflösen. Ins Nichts? Nein: Die Ross‘sche Musik hinterlässt Eindruck bei den Zuhörern, wie sich beim Konzert des Bundesjazzorchesters am Samstagabend in der Landesmusikakademie zeigte.

Von Martin Borck

Gleich sieben Kompositionen von Ross standen auf dem Programm, das den passenden Titel „Color Chart“ trug. Eine Woche lang hatten die jungen Musiker unter Ross‘ Leitung die Stücke in Nienborg einstudiert. Oder – um im Bild zu bleiben – sie waren mit dem Ross‘schen Universum verschmolzen. Denn wie das Orchester die Titel interpretierte, das hatte wahrlich Klasse, genau wie das musikalische Material selbst.

Die Motive, mit denen viele der Titel beginnen, wirken zunächst fast unscheinbar: da spielen – wie bei „ Sightation “ – Piano und Bass einige Takte an, gemeinsam mit dem Schlagzeug erzeugen sie dann einen angenehmen Flow. Und darüber entfaltet sich fast explosiv eine ungeheure Themen- und Klangvielfalt. Diese ist wiederum so klug arrangiert, dass alle Prozesse völlig natürlich und wie selbstverständlich ablaufen.

„Cycling“ hatte einen nervösen, an den Hardbop der 50er-Jahre erinnernden Auftakt; diese unruhige Grundhaltung zog sich wie ein roter Faden durch die Komposition.

Duke Ellingtons „In a mellow tone“ arrangierte Ross ein wenig gegen den Strich – oder lag es allein an dem frech-wilden Solo der Saxofonistin Anna-Lena Schnabel, dass das Stück eine besonders expressive Note erhielt?

Solistisch taten sich die meisten der 25 jungen Leute hervor; der gemeinsame erzeugte Sound des gesamten Ensembles jedoch war es, der die besondere Klasse ausmachte. Oder, wie Ross es ausdrückte: „Ich bin immer wieder überrascht, wie gut die spielen.“ Um dann mit einem Augenzwinkern hinzuzufügen: „Dabei sind die in einem schwierigen Alter...“

Ganz andere musikalische Ecken des Musikuniversums wurden mit „Noite“ von Carlos Azevedo und „Outsider“ (Walt Weiskopf) erkundet. Rockig wurde es bei „Doors closed“. Ein Jugendwerk des damals 22-jährigen Ross kam mit „Clapham Junction“ zur Aufführung – auch hier war eine Nähe zum (Jazz-)Rock zu spüren.

Mehr als anderthalb Stunden unterhielten die Musiker ihre Zuhörer auf höchstem Niveau. Der herzliche Applaus war denn auch mehr als verdient.

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