Das Image der Landwirtschaft
Bauer sucht Vertrauen

Heek/Nienborg -

Sie fühlen sich nicht wertgeschätzt und ungerecht behandelt, von den Medien, von den Naturschutzverbänden, von der gesamten Öffentlichkeit. Der Berufsstand der Landwirte hat mit einem Imageproblem zu kämpfen. Und das nicht erst seit der RTL-Kuppelsendung „Bauer sucht Frau“.

Samstag, 24.01.2015, 07:01 Uhr

Die Landwirte fühlen sich von der Öffentlichkeit in ein schlechtes Licht gerückt.
Die Landwirte fühlen sich von der Öffentlichkeit in ein schlechtes Licht gerückt. Foto: Heinrich Schwarze Blanke

Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen längst nicht nur bei den Landwirten selbst. Zwischen den Winterversammlungen in Heek in der vergangenen und in Epe in der kommenden Woche, ist die Diskussion um das Bild des modernen Landwirts in der Öffentlichkeit angekommen. Wollen die Bauern gestärkt daraus hervorgehen, wäre es ein falsches Signal, Fehler ausschließlich bei anderen zu suchen. Eine kritische Selbstreflexion verleiht den Argumenten der Landwirte sicherlich mehr Nachdruck.

Das Kernproblem ist allerdings eines, für das die Landwirte tatsächlich relativ wenig können: die Industrialisierung der Landwirtschaft. Die stetig zunehmende Nachfrage nach günstigen Lebensmitteln zwingt sie dazu, immer schneller, kostensparender und in größeren Mengen zu produzieren. Wer nicht mitzieht, erhält dafür im Zweifel zwar Anerkennung, wird aber über kurz oder lang von der Konkurrenz geschluckt. Mit dem romantischen Bauernhofbild aus Bilderbüchern mit freilaufenden Tieren, die über den Hof und die umliegenden Wiesen streunen, sind die knappen Gewinnmargen nicht in Einklang zu bringen. Doch genau dieses Bild ist in den Köpfen der Konsumenten als jahrhundertelang geltendes Ideal fest verankert.

Die meisten von uns haben am liebsten jeden Mittag Schweinbraten, Schnitzel oder Frikadellen auf dem Teller. Abends noch ein paar Scheiben Schinken oder Salami auf das Brot und zu besonderen Anlässen darf‘s auch am frühen Morgen ein Mettbrötchen sein. Nur kosten sollte es möglichst wenig – und das Schwein auch noch glücklich sein.

Auch ich greife des Öfteren beim Discounter in die Kühltheke, anstatt beim Metzger um die Ecke einzukaufen. Für Lebensmittel geben die Deutschen im Verhältnis zum Nettogehalt so wenig Geld aus wie in kaum einer anderen westlichen Industrienation. Dass die Tiefstpreise eine artgerechte Haltung nahezu ausschließen, nehmen die Verbraucher damit bedenkenlos in Kauf. Gleichzeitig lösen Bilder von eingepferchten Kühen, Hühnern oder Schweinen Beklemmungen und ein schlechtes Gewissen aus. Die Landwirte dafür verantwortlich zu machen, ist jedoch zu kurz gedacht. Schließlich zwingt mich weder jemand dazu, jeden Tag Fleisch zu essen, noch das abgepackte Billigfleisch zu kaufen. Die Bauern reagieren diesbezüglich nur auf einen Markt, der von Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Allerdings liegt es auch an der Informationspolitik der Landwirte selbst, dass die moderne Form der industrialisierten Landwirtschaft auf wenig Akzeptanz bei den Verbrauchern stößt. Der Tag des offenen Hofes sowie Führungen für Kindergärten oder Schulklassen sind Schritte in die richtige Richtung, jedoch nur ein Anfang. Wollen die Landwirte ihr Image verbessern, muss aktive Lobbyarbeit nicht mehr nur da betrieben werden, wo es um die großen Geldtöpfe geht. Die Aufklärung des Verbrauchers über Tierhaltung, Antibiotikaeinsatz und die praktische Anwendung der vielen, strengen EU-Gesetze sind die Grundlage für Verständnis und Akzeptanz. Genauso wie ein beidseitiger fruchtbarer Austausch mit den Medien. Auch unbequeme Dinge wie das Schreddern von männlichen Küken oder das Kupieren von Ferkelschwänzen dürfen keine bäuerlichen Tabuthemen sein.

Großen Unmut hegen die hiesigen Landwirte besonders gegen einige Umweltverbände und selbsternannte Naturschützer, die ihnen immer wieder (über-)kritisch auf die Finger schauen. Und die Bauern haben recht, wenn sie sich darüber beschweren, dass dieselben Leute einerseits den Atomausstieg fordern und andererseits gegen Biogasanlagen, Windräder und die damit verbundene Vermaisung oder Verspargelung der Landschaft wettern.

Andererseits decken diese Umweltverbände auch immer wieder Missstände auf, deren Bekanntwerden im Sinne der Öffentlichkeit ist. Diese als Einzelfälle unter dem Deckmantel des Schweigens verschwinden lassen zu wollen, trägt nicht unbedingt zur Vertrauensbildung in die Landwirtschaft bei. Stattdessen müssen die Landwirte aktiver daran arbeiten, die schwarzen Schafe der eigenen Branche auszumerzen und lernen, offener mit Problemen und Kritik umzugehen. Die Winterversammlung der Landwirte aus Heek und Nienborg hat jedoch gezeigt, dass die Landwirte noch einen langen Weg vor sich haben.

 

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