Do., 31.12.2015

Metzger Herbert Wolbeck „Ein Beruf wie jeder andere“

Schlachttag. Inzwischen hängt das letzte von sechs Rindern am Haken. Da haben (v. l.) Tobias Hannekotte, Herbert Wolbeck und Bastian Beyer alle Hände voll zu tun.

Schlachttag. Inzwischen hängt das letzte von sechs Rindern am Haken. Da haben (v. l.) Tobias Hannekotte, Herbert Wolbeck und Bastian Beyer alle Hände voll zu tun. Foto: Martin Mensing

Heek-Nienborg - 

„Ich liebe Tiere“ – diesen Status hat Herbert Wolbeck in seinem WhatsApp-Profil. Er hat tagtäglich mit Tieren unterschiedlichster Art zu tun. In zweiter Generation betreibt der 48-jährige an der Schöppinger Straße in Nienborg eine Landfleischerei mit einem Partyservice.

Von Martin Mensing

Am Hofeingang wacht Jagdhund „Sandy“ in seinem Zwinger. Hinter der Garage hält Wolbecks Tochter Franca ein paar Kaninchen. Im Jagdraum zieren unzählige ausgetopfte Wildtiere die Wände. Dazwischen liegen auch Reste von einem hölzernen Vogel, die Trophäe des Schützenkönigs von 2010.

Derweil geht Herbert Wolbeck mit seinen Auszubildenden Tobias Hannekotte und Bastian Beyer im Schlachthaus der täglichen Arbeit nach. An jedem Dienstagmorgen beginnen sie ihre Arbeit sehr früh, dann wird geschlachtet. In der Woche vor dem Weihnachtsfest haben sie um drei Uhr begonnen. Um halb zehn ist das Kühlhaus schon sehr gut gefüllt, als die drei in voller Arbeitsmontur mit Hose, Hemd, Plastikstiefel, Plastikschürze und Kopfbedeckung beginnen, das sechste und damit letzte Rind an diesem Tag zu schlachten. Jeder Handgriff sitzt bei den drei Handwerkern, bis auch dieses Rind am Haken ins Kühlhaus gehängt wird. In den nächsten Tagen wird das Fleisch weiterverarbeitet.

„Sowohl im Fleischereibetrieb als auch im Grill- und Partyservice überzeugen wir mit bester Fleischqualität“, sagt Herbert Wolbeck. Der Betrieb entspricht den strengen EU-Schlacht- und Hygienerichtlinien – die Voraussetzung dafür, selbst schlachten zu dürfen. Das ist in Deutschland sehr selten geworden. Fleisch aus eigener Herstellung ist nach Ansicht des 48-Jährigen qualitativ besser aus als großen Schlachthöfen. „Den Bedarf in unserer Fleischtheke und unserem Partyservice beziehen wir von einem Landwirt, der seine eigenen Ferkel aufzieht, mästet und dann an uns verkauft“, sagt Herbert Wolbeck. Der Transportweg betrage 1,8 Kilometer und die Tier würden dabei keinerlei Strapazen ausgesetzt. Damit hat er die Möglichkeit, auf die Qualität des Fleisches Einfluss zu nehmen. Für die Qualität sprechen der EG-Fleischuntersuchungsstempel des Tierarztes auf den frisch geschlachteten Rindern und die im Kühlhaus liegenden Rinderpässe, die Auskunft über die Herkunft der Tiere geben.

Im Altkreis Ahaus gehört Herbert Wolbeck zu den letzten seiner Zunft, der sein Fleisch nicht aus dem Großhandel oder dem Schlachthof bezieht, sondern in seinem Betrieb noch selber schlachtet und die eigenen Fleisch- und Wurstprodukte wie Rind, Schwein, Geflügel und Wild im Fleischerfachgeschäft verkauft. Auch führt er, wie an diesem Dienstagmorgen, Privatschlachtungen für Mäster und Landwirte für den Eigenverbrauch durch. Dabei ist es nicht so, dass er mit besonderer Leidenschaft Tiere tötet. Das gehört zu diesem Handwerk einfach dazu. Er sagt ganz nüchtern: „Metzger, ein Beruf wie jeder andere.“

Insgesamt hat die Branche Nachwuchsprobleme. Auszubildende für das Metzgereihandwerk gibt es kaum. Seit einigen Wochen sucht das Unternehmen eine Fleischerfachverkäuferin.

Seit fast drei Jahren ist Tobias Hannekotte im Betrieb. „Meine liebe zum Fleisch und Tieren liegt wohl in der Familie. Ich komme vom Bauernhof“, sagt der 26-jährige Ochtruper. Auch sein Opa und sein Uropa waren Metzger, da lag es für ihn nahe, auch diesen Beruf zu erlernen. „Eine große Beziehung zu den Tieren, die wir schlachten und verarbeiten, baue ich nicht auf. Das sind Nutztiere, die für den Verzehr gezüchtet werden“, sagt Tobias Hannekotte und ergänzt, dass Menschen zum Beispiel das Vitamin B 12 benötigen, das nur in tierischen Produkten vorhanden ist.

Sehr viel Spaß an seiner Arbeit hat ebenso Bastian Beyer. Nach einem Praktikum in einer Metzgerei stellte der 18-jährige Eperaner fest, dass das für ihn der richtige Beruf ist. Auch in ihrer Freizeit haben alle drei Metzger mit Tieren zu tun. Sie besitzen alle einen Hund, Tobias Hannekotte sogar zwei.

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