Sa., 12.08.2017

Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff hat drei von sechs Jahren im Amt hinter sich Start in die zweite Halbzeit

Franz-Josef Weilinghoff fühlt sich wohl in seinem Amt als parteiloser Bürgermeister. Ob er 2020 wieder kandidieren will, lässt er aber vorerst offen.

Franz-Josef Weilinghoff fühlt sich wohl in seinem Amt als parteiloser Bürgermeister. Ob er 2020 wieder kandidieren will, lässt er aber vorerst offen.

Heek - 

Das überrascht dann doch: „Ich verstehe mich als politischen Neuling“, sagt Franz-Josef Weilinghoff, „auch nach drei Jahren noch“. 2014 wurde der Verwaltungsbetriebswirt aus Epe zum ersten parteilosen Bürgermeister Heeks gewählt, nach einem aufsehenerregenden Wahlkampf, unterstützt von der SPD gegen eine alteingesessene CDU-Mehrheit und den Amtsinhaber aus deren Reihen – und gegen alle Erwartungen. Am 31. Oktober 2020 endet seine erste Amtszeit. Halbzeit also.

Von Christiane Nitsche

Wie eine Verwaltung arbeitet, wusste Weilinghoff aus fast 25 Jahren bei der Stadt Gronau. „Ich profitiere sehr von meinen Erfahrungen aus der Verwaltung“, sagt er. Doch die direkte politische Auseinandersetzung – das ist etwas anderes. Er habe anfangs schon deutliche Vorbehalte bemerkt. „Das hat mich aber auch nicht überrascht“, sagt er.

Sicher stimme er nicht immer mit allem überein, „was man im Dorf so kennt“. Auch heute noch gebe es Stimmen, die von „der Rote“ sprechen, wenn sie den Bürgermeister meinen. Er wolle aber auch nicht „den Weltverbesserer“ spielen, der von außen kommt.

Weilinghoff legt großen Wert auf seine politische Unabhängigkeit. „Ich merke schon, dass das Thema Parteilosigkeit im Amt sehr gut angenommen wird“, sagt Weilinghoff. 80 oder 90 parteilose Bürgermeister gebe es inzwischen in Nordrhein-Westfalen. „Aber“, und auch das gehört für ihn dazu: „Das macht es für uns nicht gerade leichter.“ Ein Bürgermeister mit eigener Partei im Rücken tue sich oft weniger schwer. „Wenn ich komplett gegen den Strom schwimme, schwimme ich allein“, sagt er. „Damit muss man lernen umzugehen.“

Er habe das Glück, dass er ein gutes Team in der Verwaltung habe – und „einen kleinen, knackigen Rat mit nur zwei Parteien“. Das kennt er aus Gronau mit bis zu acht Parteien anders. „Es läuft erschreckend gut“, sagt er mit Blick auf die große Zahl von gewichtigen Projekten, an denen die Verwaltung arbeitet. „Allein für Sanierung und Ausbau der Kreuzschule könnten Sie einen kompletten Mitarbeiter abstellen.“ Ob Wohnbau, Verkehr, Flüchtlinge: „Wir sind überall ganz gut im Fluss“, findet der Bürgermeister. Auch die Wirtschaftszahlen stimmen. „Wir haben hier praktisch Vollbeschäftigung.“

Bauchschmerzen habe ihm zunächst das Thema Windkraft gemacht. „Da war anfangs vollkommen unklar, wie wir das meistern können“, erinnert er sich. „Ich habe immer Sorge gehabt, ob das klappt.“ Aber auch hier habe sich gemeinsames Ziehen am Strang bewährt. „Wir haben immer an diesem Ziel weitergearbeitet, obwohl es nicht immer einfach war.“

Dass er als Bürgermeister kein Alleinentscheider sei, gehöre aber auch zu den ernüchternden Erkenntnissen der ersten Zeit. „Vieles kann man doch nur begleiten.“

Das aber tut er mit stetiger Begeisterung. „Ich habe noch nicht einen langweiligen Tag erlebt, es kommen ständig neue Themen auf den Tisch – das macht es auch aus“, so sein Fazit.

Außerdem beschere ihm das Amt Begegnungen, die er ohne nie hätte machen können. „Dass Schäuble kommt, finde ich ganz toll“, sagt er. „Da hätte man vorher im Traum nicht dran gedacht, dass man mit so jemand in Kontakt kommt.“

Er hoffe, dass sich der Bundesfinanzminister ins Goldene Buch der Gemeinde einträgt. Und vielleicht ergebe sich ja auch Gelegenheit, den Minister auf ein Thema anzusprechen, dass ihm unter den Nägeln brennt: die Grundsteuer.

Dabei geht es Heek trotz angespannter Haushaltslage gut. „Es ist erstaunlich, wie oft wir hier ganz vorne sind“, stellt Weilinghoff fest. Beim Thema Breitbandausbau etwa. Auch sonst sieht er die großen Projekte gut in der Spur: die neue Anbindung des Gewerbeparks an B 70 und A 31 etwa. „Da wollen wir 2018 loslegen.“ Oder die Ochtruper Straße: „Da geht es jetzt los.“

Thema Stiegenpark und Marktplatz: „Da will ich bis 2020 Veränderungen sehen.“ Nach der Sommerpause erwarte er die neuen Entwürfe. Die Hülsta-Immobilie: „Wir wollen mit dem hinteren Teil beginnen, aber da kann ich zur Zeitschiene nichts sagen.“ Strönfeldsee: „Da war ich zuerst etwas blauäugig“, gesteht er ein. „Einen Strand bis 2019 wird es nicht geben. Aber da bleibe ich dran.“ Schniewindsche Fabrik? „Das ist abgehakt. Die Leute sehen jetzt, dass da etwas passiert.“

Bleibt der Ausblick auf 2020. „Wahlkampf ist eine spannende Zeit, sicher auch ein zweites Mal.“ Aber ob er zur Wiederwahl antrete, könne er noch nicht sagen. „Da strampeln zwei Jungs in mir“, bekennt er. Eine Wiederwahl würde die Frage aller Fragen für einen Politiker beantworten: „Wird meine Arbeit gewürdigt?“

Außerdem werde sicher nicht alles bis 2020 entschieden sein, was auf seiner Agenda ist. Auch, ob er wieder über die SPD-Liste kandidieren würde, steht für Franz-Josef Weilinghoff längst nicht fest. „Das ist völlig offen“, sagt er. „Ich möchte mir da auch die Freiheit nicht nehmen lassen.“ – Zeit zum Nachdenken hat er noch: „Drei Jahre ist eine lange Zeit.“

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