Allez, Les Bleus !
Auf dem Bio-Hof von Johannes Hillmann ziehen bald besondere Hühner ein

Schöppingen -

Den Hühnern des einzigen Bio-Bauern in der Vechtegemeinde geht es offenbar gut. Dennoch ist Johannes Hillmann mit der Situation noch nicht zufrieden.

Samstag, 04.02.2012, 11:02 Uhr

Allez, Les Bleus ! : Auf dem Bio-Hof von Johannes Hillmann ziehen bald besondere Hühner ein
Johannes Hillmann hat eins von seinen Hybridhühner aufgenommen und spricht mit Hobby-Imker Ludger Gärtner über die Tiere. Foto: Frank Zimmermann

Den 50 Hühnern auf dem Hof von Johannes Hillmann geht es offensichtlich gut: Eine Gruppe läuft über eine Wiese, einige Tiere scharren in der Scheune, wieder andere bleiben an diesem Wintermorgen lieber im Stall. Hillmann hält das Federvieh nach „Naturland“-Bio-Richtlinien. Trotzdem ist er mit der Situation noch nicht zufrieden: Der „Hähnchenmord“ treibt ihn um.

Weil die Hähnchen der sogenannten Hybridhühner nicht für die Mast taugen, werden sie schon als Küken aussortiert und getötet. Diese Praxis geht Hillmann gegen den Strich. Deshalb will er auf eine andere Rasse umsatteln und hat dafür 40 Les Bleus bestellt. Die aus Frankreich stammenden Les-Bleus-Hennen legen zwar etwas weniger Eier als die Hybridhühner, dafür sind die Hähnchen aber auch für die Mast geeignet.

Vor rund fünf Jahren ist Johannes Hillmann in die biologische Landwirtschaft eingestiegen. Damals suchte er Tiere, die das Grün auf seiner Streuobstwiese kurz halten. So kam er in Kontakt mit Maria Büning , die in Laer einen „Arche- und Naturlandhof“ führt. Aus dem Kontakt entwickelte sich eine Zusammenarbeit: Hillmann hält seitdem 60 Sauen der Rasse Buntes Bentheimer. Deren Ferkel – rund 900 pro Jahr – kommen nach etwa drei Monaten zur Mast auf den Hof Büning.

Was die konventionelle Landwirtschaft angeht, hat Hillmann so seine Bedenken: Monokulturen auf den Feldern, zig Tausende Tiere in einer Mastanlage, die in ihrem kurzen Leben nie das Tageslicht sehen, eine fest etablierte Wachstumslogik. „Ich weiß nicht, ob das alles richtig ist.“

Schritt für Schritt will er deshalb seinen Bio-Betrieb ausbauen. Mittelfristig soll auch ein Hofladen dazukommen. Schon jetzt verkauft er in seiner Küche Eier und Walnüsse, im Sommer kommen Obst und die Les-Bleus-Hähnchen dazu.

Doch auch wenn es nach ländlicher Romantik klingt, Johannes Hillmann ist Realist: „Wir machen das alles nicht nur aus Idealismus, wir müssen auch davon leben können“, sagt er und meint mit „wir“ seine Lebensgefährtin und seine Mutter, die mit auf dem Hof leben.

Wo sich Realismus und Idealismus verbinden lassen, tut Hillmann das aber aus Überzeugung. Deshalb ficht ihn – den einzigen Bio-Bauern in der Vechtegemeinde – auch das Gefühl nicht an, dass er von anderen Schöppinger Landwirten manchmal belächelt wird. Im Gegenteil, Hillmann zeigt Verständnis für die Kollegen: „Ich verstehe jeden Landwirt, der versucht, auf seinem Hof klarzukommen.“ In der Pflicht sieht er viel mehr die Konsumenten: „Jeder Verbraucher kann mit seinem Geld täglich entscheiden, was der Landwirt produziert. Dabei darf er aber nicht nur auf den Preis schielen.“

► Bio-Hof Hillmann, Heven 1, Schöppingen, ' 0 25 55/99 79 28.

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