Auf goldenem Boden

Di., 07.02.2012

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Schuhhaus Rahms feiert sein 380-jähriges Bestehen

Auf goldenem Boden : Schuhhaus Rahms feiert sein 380-jähriges Bestehen

Die alten Maschinen in der Werkstatt von Schuhmacher Johannes Rahms erfüllen noch immer ihre Funktion. Foto:

Schöppingen - 

Johannes und Petra Rahms feiern in diesem Jahr das 380-jährige Bestehen ihres Unternehmens. Den Anfang machte Jodokus Rahms, das war 1632.


Eine Familie, ein Handwerk. In der Vechtegemeinde wird der Name Rahms automatisch mit dem Schuhmacher-Handwerk verbunden. Bis ins Jahr 1632 lässt sich die Familientradition zurückverfolgen. In diesem Jahr feiern Johannes und Petra Rahms das 380-jährige Bestehen des Unternehmens.

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Den Anfang machte Jodokus Rahms. Das war 1632. „Mindestens“, betont Johannes Rahms, den alle nur Hans nennen. Denn in dem Jahr gründete sich die Schöppinger Schuhmacher-Gilde. Es ist der erste urkundliche Beleg über die Schuhmacher in Schöppingen. Die Gilde ist zwar nicht so alt wie die Zünfte in Magdeburg (1157) und Bremen (1274), aber zu den ältesten ihres Handwerks zählt sie dennoch. Immer verknüpft mit dem Namen Rahms.

Auch ein in Schöppingen bekannter Brauch geht auf die Schuhmacher zurück. Immer am Nikolaus-Vorabend trafen diese sich zur Besprechung. „Daraus hat sich der Nikolaus-Brauch entwickelt“, sagt der 63-Jährige. Heute noch hält Johannes Rahms die Tradition aufrecht. Immer am 5. Dezember läutet er um 14.45 Uhr die Kirchenglocke. Der Beginn des Nikolaus-Festes. Wie in den Generationen zuvor. Im vergangenen Jahr übernahm das ausnahmsweise Küster Andreas Kortüm. „Wir waren verreist“, sagt Johannes Rahms fast entschuldigend.

Seine kleine Ein-Zimmer-Werkstatt im elterlichen Haus an der Lindenstraße gleicht einem Museum. Und das liegt nicht daran, dass er noch ein Foto der Fußball-Nationalmannschaft mit Helmut Haller, Franz Beckenbauer und Horst-Dieter Höttges aus den 1960er- oder 1970er-Jahren an der Wand kleben hat. Die Walze ist 250 Jahre alt. Dagegen sind die Kicker noch Jünglinge. Hans Rahms kramt ein Lederstück hervor. „Das wurde in Wasser gelegt, bis es weich war, und dann durchgezogen“, erzählt er und schiebt es durch die Walze. Anschließend konnte es verarbeitet werden.

Neben der 100 Jahre alten Spindelpresse steht eine Ausputzmaschine – Rafflenbeul 1965. „Vor Benutzung dieser Maschine Oel (eine Dose mit Oel ist beigefügt) in die Ringschmierlager füllen“ steht auf dem schwarzen Schild. Hans Rahms scheint das ordnungsgemäß befolgt zu haben. Die Maschine läuft wie am Schnürchen.

Genauso wie die Adler-Nähmaschinen, Baujahr 1920. Zwei Stück stehen nebeneinander. Eine für feines, die andere für grobes Garn. Sogar der alte braune Arbeitstisch aus dem 17. Jahrhundert erfüllt noch als Ablage eine Funktion. Doch trotz der alten Maschinen: Hans Rahms führt ein hochmodernes Geschäft. Anfang des vergangenen Jahrhunderts gab es in Schöppingen noch neun Schuhmacher. Familie Rahms hat sich als einzige behauptet.

1953 verlagerte Opa Anton das Geschäft von der Lindenstraße zur Amtsstraße. „Ich weiß noch, dass wir uns damals für den Umzug einen Gummikarren geliehen haben“, erinnert sich der 63-Jährige. Das Schumacher-Handwerk war nur ein Standbein, die Landwirtschaft das zweite. „Wir haben nur Zucker und Salz gekauft, den Rest selbst angebaut.“ Das änderte sich, als seine Oma 1958 starb. Anton Rahms hörte als Teilzeit-Bauer auf. Die Belastung war zu groß. Opa Anton starb am 6. März 1958, gegen 13 Uhr. „Auch mein Vater Josef ist am 6. März gegen 13 Uhr gestorben“, erzählt Hans Rahms. Nur 33 Jahre später.

Zwischenzeitlich eröffneten Rahms 1974 das zweite Geschäft an der Hauptstraße. In dem befindet sich heute das Schuhgeschäft, an der Amtsstraße werden Lederwaren und Sportschuhe verkauft. Schon 1958 besaß der Laden mit vier Schaufenstern ungewöhnlich viel Präsentationsfläche. Sicher ein Grund für den Erfolg. Ein weiteres Erfolgskriterium ist das Erkennen von wichtigen Neuerungen: „Schon in den 50er-Jahren hat Onkel Franz medizinische Fußpflege angeboten“, sagt Hans Rahms.

Das Werkeln in dem kleinen Zimmer versprüht dagegen eher einen Hauch von Nostalgie. Für den 63-Jährigen ist es Kundenservice. Die Schöppinger wissen das zu schätzen. Egal ob Zelte, Druckknöpfe oder gar Reitsättel: Hans Rahms repariert fast alles. Wie lange noch, das weiß er nicht. „Ich kann nicht rumsitzen“, sagt der zweifache Vater schmunzelnd. Mit Tochter Laura steht schon eine mögliche Nachfolgerin parat. Derzeit arbeitet die 22-Jährige in Münster. Das 400-jährige Bestehen des Familienunternehmens scheint gesichert.


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