Do., 17.09.2015

Firma Axa Ein Koloss geht auf Reisen

Echte Präzisionsarbeit ist das Verladen des Stahlkolosses.

Echte Präzisionsarbeit ist das Verladen des Stahlkolosses. Foto: Sabine Sitte

Schöppingen - 

Der Koloss aus Stahl ist 64 Tonnen schwer und 15 Meter lang. Bestückt mit ausgeklügelter Mechanik und sensibler Steuerung hat das Maschinenbett noch einen langen Weg vor sich. Etwa 1800 Kilometer und drei Nächte wird das gigantische Teilstück unterwegs sein. Doch noch ist es nicht reisefertig. Bis zur Abfahrt hat das Axa-Verladeteam noch eine Menge Arbeit vor sich.

Von Sabine Sitte

„Regen ist unser größter Feind“, sagt Jörg Roters, der als Disponent den Ablauf-Faden samt Transportakte in den Händen hält und skeptisch in den Himmel schaut. Über dem Firmengelände schiebt sich eine einzelne, tiefschwarze Gewitterwolke zusammen. Nässe bedeutet Rost. Noch steht das Maschinenbett in der trockenen Halle; die stählernen, fein geschliffenen Oberflächen sind dick mit Fett eingeschmiert und mit Ölpapier abgedeckt. Darunter verbirgt sich Präzisionsarbeit. Etwa sieben Monate haben die Axa-Mitarbeiter am sogenannten Portalbearbeitungszentrum gefertigt, das nun in mehrere Teilstücke zerlegt ist und auf den Abtransport in fünf Lkw zum Kunden wartet. Eine Stahlbaufirma in Österreich kann damit zukünftig bis zu zehn Meter lange und über vier Meter breite Werkstücke bearbeiten. Bestandteile für Brückenkonstruktionen oder Achterbahnen haben solche Ausmaße.

„Das ist schon ein dicker Brocken, der heute hier durch geht“, wissen die Männer, die sich um die Ausbringung kümmern. Etwa drei Maschinen werden pro Woche bei Axa verladen; auch schon mal ähnlich lang oder breit, aber noch nie in einer solchen enormen Dimension.

Das Maschinenbett wird als Grundgestell als erstes verladen und auf die Reise gehen, denn sein Weg ist der weiteste. Wegen seiner Gesamtlänge von etwa 24 Metern und beinahe fünf Metern Breite braucht der Transport eine Sondergenehmigung. Gefahren werden darf nur auf einer vorgeschriebenen Wegstrecke und zwischen 22 und 6 Uhr. Der Weg in die Nähe von Wien führt den Zwölfachser umständlich erst über Berlin und Passau. Fahrer Karan Florian nimmt es gelassen. Schwierig seien spontane Nachtbaustellen, aber „im Großen und Goanzen passt’s scho mit der Zeit“, sagt er in breitem Dialekt. Für ihn ist das Maschinenteil zwar kein Klacks, aber längst nicht das größte seiner Karriere.

In der Halle haben die Kollegen den Stahlkoloss mittels Luftkissen ein Stück nach oben gehievt und Rollbretter untergelegt. Von hinten schiebt Jürgen Lammerskötter im Schlepper, vorn zieht Markus Schneider im Gabelstapler das tonnenschwere Teil im Zeitlupentempo nach draußen. Das Hallentor ist nur merklich breiter als das Gestell. Die Männer rangieren per Handykontakt. „Halt!“ oder „Ein Stück nach links!“ rufen die Kollegen in den Flanken, wenn höchstens noch ein dünner Stapel Papier zwischen Wand und Maschine passen würde. Eine Herausforderung sind die Getriebeblöcke links und rechts, die versetzt angebracht über das Höchstmaß hinausragen. Nach einer Stunde ist die logistische Meisterleistung ohne Kratzer vollbracht. Ein Kran hebt das enorme Guss-Stück in die Höhe und Karan Florian rangiert den achtachsigen Auflieger so passgenau wie möglich darunter. Wieder ist Präzisionsarbeit angesagt. Ein ungleich verteiltes Gewicht könnte die Ladung zum Rutschen oder Kippen bringen. Mit Zollstöcken arbeiten die Männer an allen vier Ecken und rufen sich Maße zu. Immer wieder richten sie die schwebende Last aus, die über dem Lkw hängt.

Endlich ist das Maschinenteil auf den Auflieger gebettet. Ähnlich Christo, dem Verpackungskünstler, schlagen die fünf Kollegen in Windeseile dicke schwarze Folie über und um die kostbare Fracht. Enorme Haken und Ketten sichern die Ladung zusätzlich.

Für die letzten Handgriffe arbeiten die Männer in strömendem Regen, der nun mit heftigen Böen über den Platz fegt: Sie ziehen eine blaue Transportplane über den Auflieger und schnüren das Firmenbanner fest. Der Koloss ist reisefertig.

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