Mo., 21.09.2015

Projekt „Urban Art“ Der Faktor Regen

Nadja Schöllhammer (Mitte) zeigt in der Galerie F6 ihre – noch im Entstehungsprozess befindliche – Installation. Bis Oktober wird die Künstlerin daran arbeiten.

Nadja Schöllhammer (Mitte) zeigt in der Galerie F6 ihre – noch im Entstehungsprozess befindliche – Installation. Bis Oktober wird die Künstlerin daran arbeiten. Foto: Sigrid Winkler-Borck

Schöppingen - 

Ob Fluch oder Segen: Regen war in den vergangenen Wochen das Thema im Künstlerdorf. Dort hatten für einige Wochen die am Projekt „Urban Art – Stadtbesetzung“ teilnehmenden Künstler ihr Hauptquartier.

Von Sigrid Winkler-Borck

Markus Butkereit beispielsweise überließ dem Regen sogar einen Teil der Arbeit; und der gab sein Bestes. Nur die Vorarbeit leistete der aus dem „Bombing“-Bereich der Graffiti-Szene kommende Butkereit selbst. Er verstopfte die Regenrohre des Trafohäuschens am Künstlerdorf und füllte Farbpigmente in die Regenrinne. Mit dem dann überlaufenden Wasser pladderte die rosarote Farbe an den hohen Wänden herunter.

Eher poetisch dagegen wirkt das Glocary-Projekt von Simona da Pozzo an der Bushaltestelle am Alten Rathaus. Dort steht nur klein und in weiß „GLOCARY“ auf dem Boden. Erst wenn leicht einsetzender Regen die Pflasterung benetzt, wird kurz der eigentliche von ihr dort geschriebene Text sichtbar. Mit einem ordentlichen Schwall Wasser aus der Gießkanne lässt sich der Text allerdings nicht lesbar machen. Das erlebten am Samstag einige Besucher der Veranstaltung zum Projektende der „ Stadtbesetzung “.

Lieber ganz auf Regen hätte die Japanerin Yuki Shiroi verzichtet. Sie musste jedoch immer wieder Zwangspausen einlegen und wurde deshalb nicht ganz fertig. Die große, graue Wand an der Festwiese am Künstlerdorf bemalt sie wohl auch in den nächsten Tagen noch weiter mit symmetrisch ausgerichteten Ornamenten und Tierfiguren, die an die Kunst indigener Völker Südamerikas erinnern.

Ganz unbeeindruckt von allen Wettereskapaden arbeitet Nadja Schöllhammer bis Ende Oktober in der Galerie F6. Aus im öffentlichen Raum gefundenen Plakaten, sonstigen Fundpapieren, verschiedenen Klebern und Farbe entsteht ihre Installation, die als „work in progress“ am Samstag in ersten Teilen zu sehen war.

Zu den vielen Facetten der Urban Art gehören auch die eher unauffälligen Eingriffe von Käthe Wenzel in den öffentlichen Raum. So hat sie am Künstlerdorf unter einem Hinweisschild auf ein „Kunstobjekt“ ein weiteres Schild mit der Aufschrift „Utopia“ angebracht. Wem es auffällt, der wird sich vielleicht irritiert fragen: Beginnt etwa hinter der Hecke „Utopia“?

Mit Irritationen anderer Art arbeitet der Künstler Brandstifter. Er hat sich während des Wahlkampfs um das Bürgermeisteramt zu Kandidat Jürgen Holste gestellt und saure Gurken verteilt, während Holste die Gunst der Wähler mit Bratwurst zu gewinnen versuchte.

Knapp zwei Monate lang arbeiteten sehr unterschiedliche Künstler an der Stadtbesetzung nicht nur Schöppingens . Am vom Kultursekretariat Gütersloh und vom Künstlerdorf initiierten Projekt „Urban Art – Stadtbesetzung“ waren neun weitere Orte in NRW beteiligt. „Von Schöppingen aus waren die Künstler weitgehend ungesteuert und ungefiltert aus unterwegs“, sagt der Künstlerdorf-Geschäftsführer Dr. Josef Spiegel. Insgesamt fällt sein Fazit zu diesem Projekt, das die gesamte Bandbreite der Urban Art zeigt, sehr positiv aus. Fotos und Videos von den Urban-Art-Aktionen in den anderen Orten waren am Samstag in der Tenne des Künstlerdorfs zu sehen. Dort setzte Brandstifter mit seiner konzertanten Lesung „Lost & Found“ auch den Schlusspunkt.

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