Do., 26.05.2016

Ausstellung „Beruf und Berufung“ Gekreuzter Ehering ziert Messkelch

Einen Messkelch von Dietrich Freiherr von Nagel sowie eine Soutane von Franz Vennemann präsentiert Matthias Frye den Besuchern.

Einen Messkelch von Dietrich Freiherr von Nagel sowie eine Soutane von Franz Vennemann präsentiert Matthias Frye den Besuchern. Foto: Rupert Joemann

Eggerode - 

Matthias Frye öffnet die Vitrinentür. Vorsichtig holt er einen Messkelch heraus. Auf dem Sockel ist ein in zwei Hälften geteilter Ehering eingearbeitet. Die Hälften sind zu einem Kreuz angeordnet.

Von Rupert Joemann

Matthias Frye öffnet die Vitrinentür. Vorsichtig holt er einen Messkelch heraus. Auf dem Sockel ist ein in zwei Hälften geteilter Ehering eingearbeitet. Die Hälften sind zu einem Kreuz angeordnet. Es ist der Kelch von Pfarrer Dietrich Freiherr von Nagel, dem Cousin von Clemens August Kardinal von Galen. Der zweite Ring liegt auf einem weichen Stoffstück daneben. Die Ringe gehörten von Nagels Eltern.

Der 36-jährige Frye verschafft mit der Ausstellung „Beruf und Berufung“ einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der katholischen Kirche Schöppingens . Oder genauer gesagt in die Historie der Priester. Die Ausstellung ist noch an den kommenden beiden Sonntagen (29. Mai und 5. Juni) von 11 bis 18 Uhr in der Eggeroder Heimatstube zu sehen.

Der Messkelch ist einer der vielen Höhepunkte. Jedes Exponat erzählt eine eigene Geschichte. Die Kelche sind von den Geistlichen entweder bei ihrer Primiz oder einem Priesterjubiläum verwendet worden. Die kostbaren Kelche werden nur an den Ausstellungstagen aus dem Tresor geholt. Für den Pressetermin macht Matthias Frye eine Ausnahme. „Die Ausstellungsstücke sollten alle einen Bezug zu den Priestern haben“, betont er.

Wichtig war ihm, dass alle drei Teile der heutigen Pfarrgemeinde St. Brictius vertreten sind – St. Brictius Schöppingen, St. Marien Eggerode und St. Antonius Gemen. „Es sollten sich alle wiederfinden“, sagt Matthias Frye. Das ist ihm gelungen. Eine Ausstellung auch, um das Zusammenwachsen der fusionierten Gemeinde zu stärken.

Bei der Auswahl der Stücke hat ihm Pfarrer em. Wolfgang Böcker geholfen. Die Recherche zur Geschichte der Priester hat Matthias Frye alleine übernommen. Behilflich war dem Eggeroder dabei das Bistumsarchiv Münster. 44 aus Schöppingen, Eggerode und Gemen stammende Priester finden sich in der chronologisch aufgeführten Liste. Die Liste reicht bis ins Jahr 1396 zurück. Damals wurde der Schöppinger Heinrich von Ahaus zum Priester geweiht. „Er war ein unehelicher Sohn von Ludolf von Ahaus und einer Schöppingerin“, erzählt Matthias Frye. Da er nicht erbberechtigt war, entschied sich von Ahaus fürs Priesteramt.

Auf die Idee zu der Ausstellung kam Matthias Frye anlässlich der Priesterweihe und der damit einhergehenden Heimatprimiz seines Bruders Sebastian. Rund ein Jahr lang dauerten die Recherchen und Vorarbeiten. „Das Thema, wie viele Priester es in Schöppingen gegeben hat, war gar nicht bekannt. Es war ein schwarzes Loch.“ Der studierte Religions- und Geschichtslehrer, der mittlerweile an der St.-Elisabeth-Förderschule in Burgsteinfurt unterrichtet, hat es in akribischer Weise aufgearbeitet. Es ist ein Thema, an dem „ich selber Spaß habe. Das ist mein Hobby“, sagt Frye.

Zu den einzelnen Priestern hat er fein säuberlich eigene Zettel mit den wichtigsten Lebensdaten erstellt. Bei den Recherchen haben dem 36-Jährigen, der Mitglied im Heimatverein Eggerode ist, seine sehr guten Kenntnisse der Heimatgeschichte geholfen.

So findet sich auch ein Versehkreuz, das die Geistlichen zur letzten Ölung der Gläubigen mitnehmen, von Christoph Fabry in der sehenswerten und informativen Ausstellung. Die Eggeroder Winters sind Nachfahren der Familie Fabry. „Als Hobby-Ahnenforscher kenne ich die Stellen, wo man gezielt nachfragen kann“, sagt Matthias Frye mit einem Grinsen im Gesicht.

Der Eggeroder erhielt auch Bücher aus dem Nachlass von Pastor Bernhard Kemper. Der wurde während des Kulturkampfes zu Beginn des Kaiserreichs wegen staatskritischer Aussagen des Landes verwiesen. Damals gehörte ein Mitglied der Familie Tegeler dem Kirchenvorstand an. Kemper übergab Tegeler seine Bücher. Dieser vererbte sie weiter, sodass Frye jetzt darin Einblick nehmen durfte.

Auch eine Kopie der Gemener St.-Antonius-Figur ist zu sehen. Die schenkten die Gemener ihrem Pastor Heinrich Strickmann zum Abschied. Nach dessen Tod gelangte die Holzfigur in Gemen in Privatbesitz.

Es finden sich aber auch ungewöhnliche Dinge in der Ausstellung. Zumindest solche, die man nicht bei einem Geistlichen, sondern bei Adeligen vermutet. So gibt es Besteck, in dem die Initialen der beiden Eggeroder Pfarrer Theodor Beining und Vikar Bernhard Fabry eingraviert sind. Es ist halt ein faszinierender Blick in die Geschichte der katholischen Kirche Schöppingens.

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