Mo., 07.11.2016

Anke-Helfrich-Trio im Alten Rathaus Beschwingt und inspiriert

Anke Helfrich, Dietar Fuhr und Jens Düppe im Alten Rathaus.

Anke Helfrich, Dietar Fuhr und Jens Düppe im Alten Rathaus. Foto: Martin Borck

Schöppingen - 

O ja: Die Ideen des genialen Vorbilds Thelonious Monk blitzen immer wieder durch in den Kompositionen von Anke Helfrich. Die herben, melancholisch-gebrochenen Akkorde, die immer noch außerordentlich wirkenden Harmonien – die Musikerin erwies ihrem Idol bei ihrem Konzert im Alten Rathaus mehrfach Reverenz. Doch Monk ist nicht der einzige Jazzmusiker, der die Musikerin beeinflusst hat. Les McCann gehört zu ihren Vorbildern, Herbie Hancock verehrt sie ebenfalls. Aus deren Musik zieht sie die Inspiration für ihre eigenen Kompositionen. Stücke, die vor allem aber von eigenen Ideen und individuellen Erfahrungen geprägt sind und dadurch einen eigenen Stil erhalten.

Von Martin Borck

Mit Dietmar Fuhr am Kontrabass und Jens Düppe am Schlagzeug hatte Anke Helfrich zwei kongeniale Partner mit nach Schöppingen gebracht. Die Chemie im Trio stimmte, man kommunizierte auf höchstem Niveau, beschwingt und inspiriert. Helfrich kostete die Klangmöglichkeiten des Flügels förmlich aus. Mit einer Grandezza, die selbst technisch anspruchsvolle Passagen leicht erschienen ließen.

Einige Jahre ihrer Kindheit lebte Helfrich in Südafrika – der Kampf gegen die Apartheid und die Verfechter der Menschenrechte Nelson Mandela und Martin Luther King beschäftigen die Musikerin. Anlass für sie, das Lieblingsgedicht Mandelas, „Invictus“, zu vertonen, begleitet vom treibend-hektischem Schlagzeug, den Sprachrhythmus des Gedichts aufnehmend. Noch eindrucksvoller die Bearbeitung der „I have a Dream“-Rede von Martin Luther King: Das berühmteste Plädoyer für die Rechte der Schwarzen erklingt, und die Musiker akzentuieren die gewaltige Dramatik der gesprochenen Worte. Dadurch ergibt sich ein ganz neuer Zugang zum rhetorischen Aufbau der Rede. Das hat was.

Nervös-energiegeladenen Titel wie „Upper Westside“ setzt das Trio immer wieder großartige Balladen aus der Feder Helfrichs entgegen. „Sehnsucht“ etwa, eine musikalische Erzählung, eingeleitet von Dietmar Fuhr, der den gestrichenen Saiten des Basses schöne Flageoletttöne entlockt. Oder „Sacrada familia“, eine Widmung Helf­richs an die eigene Familie.

Schrille Dissonanzen in „Upper Westside“, eruptiv-nervöses Spiel (mit wunderbaren Tempovariationen) bei „Rise and Shine“ sind zu Musik geronnene Eindrücke der Moderne.

Immer wieder beginnt das Trio aber auch zu swingen und zu grooven, was den Stimmungslevel der Zuhörer auf immer neue Höhen schraubt. „Aspettami“ vermittelt beispielsweise eine von Italien inspirierte Leichtigkeit.

Bei alledem sind die Musiker nahbar und gut aufgelegt. Helfrich erzählt und scherzt und lobt die Organisatoren des Konzerts für deren Fürsorge und Empathie. Mit zwei Zugaben danken die Musiker schließlich für den lebhaften Zuspruch des Publikums.

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