Mi., 09.11.2016

Schöppinger Konzerte Jüdische Musik trifft mitten ins Herz

Auf eine musikalische Reise durch das Judentum nahmen Peter Kuhz und Esther Lorenz die Zuhörer in der St.-Bricitus-Kirche mit.

Auf eine musikalische Reise durch das Judentum nahmen Peter Kuhz und Esther Lorenz die Zuhörer in der St.-Bricitus-Kirche mit. Foto: Sabine Sitte

Schöppingen - 

Schalom! Der jüdische Gruß wünscht dem Gegenüber Unversehrtheit, Gesundheit und Frieden. Mit einem „Schalom!“ begann am Dienstagabend auch die musikalische Reise durch das Judentum in der St.-Brictius-Kirche.

Unter dem Motto „Du gehörst dazu“ hatten die Pfarrgemeinde und der Freundeskreis Schöppinger Konzerte zu einem besonderen Konzert anlässlich der Brictius-Woche eingeladen: Mit berührenden Liedern und spannender Geschichte entführten Esther Lorenz und Peter Kuhz ihr Publikum in die jüdische Kultur.

„Eine gewisse Tragik und die leichte Schwermut verleiht den Liedern ihre Tiefe“, sagt Lorenz anschließend. „Alles Leid dieses Volkes und die Vertreibungen spiegeln sich in ihnen wider.“

Stille beherrscht das Kircheninnere zu Beginn. Gespannt, beinahe atemlos, erwartet das Publikum den ersten Ton. Das leise Zupfen der Gitarrensaiten Peter Kuhz’ durchbricht den Bann, die ersten zarten Töne schwingen sanft hinauf. Die Augen geschlossen, singt Esther Lorenz ihr Lied.

Die Sprache so fremd – hebräisch – und berührend: Klar und melodisch, verträumt und sehnsüchtig klingt die Melodie. Die Sängerin erzählt: Vom Ursprung der Sprache im alten Israel und seiner heutigen modernen Form, dem Iwrith.

Von den beiden jüdischen Kulturstämmen, die sich im Mittelalter in Europa niedergelassen haben: die Aschkenasim und die Sepharden. Letztere vertrieben schon einmal 1492 aus Spanien , ihrem Lebensumfeld, bis in das heutige Palästina. Geblieben sind Lieder und Melodien in einer Mischung aus hebräisch-aramäisch-spanischen Worten und temperamentvollen Rhythmen, die orientalisches Flair und die Leidenschaft des Flamencos widerspiegeln.

Das Repertoire führt durch alle Lebensstationen: „. . . mein Haar ist mit Tau bedeckt, aus meinen Locken tropft die Nacht . . .“ klingt das „Lied der Lieder“ und ist ein gern gesungener Hochzeitsgast.

Ob den Dialog zweier Liebender, die freudige Erwartung einer werdenden Mutter oder das Wiegenlied für ein Kind: Berührend melancholisch oder kraftvoll beschwingt erzählen die Lieder vom menschlichen Alltag in einer uns fremden Kultur.

Und doch: So fremd fühlt es sich nicht an, wenn Esther Lorenz’ hoher Gesang die Trauer und den Schmerz einer betrogenen Ehefrau a cappella in die Weite des riesigen Kirchenschiffes trägt. Wenn eine Melodie sehnsuchtsvoll über die virtuellen Weiten der Wüste Juda streift oder gleich einem fröhlichen Volkslied eine historische Sehenswürdigkeit nahe der Hafenstadt Haifa huldigt.

Mit vertonten Texten aus der Tora, der hebräischen Bibel, und dem Chassidismus, einer friedlichen jüdischen Bewegung, zieht Peter Kuhz auf der Gitarre das Publikum in seinen Bann: Erst langsam, verhalten, dann schneller und schneller drehen sich die imaginären Tanzenden.

Das Publikum dankt den Künstlern mit einem Kompliment: „Es ging mitten ins Herz.“

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