Di., 21.03.2017

Orgelkonzert in der St.-Brictius-Kirche Schöppingen Jeder Ton spiegelt den Leidensweg wider

Prof. Wolfgang Bretschneider (l.) spielte auf Einladung von Pfarrer em. Wolfgang Böcker in Schöppingen.

Prof. Wolfgang Bretschneider (l.) spielte auf Einladung von Pfarrer em. Wolfgang Böcker in Schöppingen. Foto: Sabine Sitte

Schöppingen - 

Zu einem ungewöhnlichen Orgelkonzert zur Passionszeit hatte der Freundeskreis Schöppinger Konzerte am Sonntagabend in die St.-Brictius-Kirche geladen: Die musikalische Darstellung des Kreuzweges Jesu Christi nach Marcel Dupré, begleitet von der literarischen Interpretation in Texten Paul Claudels.

Im spannenden Wechsel von Musik und Worten ergänzten sich Prof. Wolfgang Bretschneider und Pfarrer em. Wolfgang Böcker zu einer eindrucksvollen Aufstellung.

Manche Momente prägen für den Rest eines Lebens: Für Wolfgang Bretschneider war eine Radiosendung 1954 ein einschneidendes Erlebnis. Als Elfjähriger erlernte er das Orgelspielen und mit 13 Jahren hörte er zum ersten Mal das Orgelkonzert von Marcel Dupré „Le Chemin de la Croix“. Seitdem begleitet ihn der vertonte Kreuzweg des französischen Komponisten. Stück für Stück, Passage für Passage hat sich Bretschneider damals der Komposition angenähert. Fünf Jahre später, 1959, konnte er das Stück das erste Mal öffentlich darbieten und seitdem sei es in seinem Leben und „von Ostern nicht mehr wegzudenken“, sagt der Professor für Kirchenmusikgeschichte.

Nun präsentiert er das Konzert zur Passionszeit in der St.-Brictius-Kirche. Im Wechsel mit Pastor Böcker erzählen beide die Geschichte des Kreuzweges Jesu Christi: von seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus, über den Weg hinauf zur Anhöhe Golgotha, die Kreuzigung bis zum Begräbnis.

Das musikalische Werk Duprés ist in seiner Form einzigartig und in 14 Stationen aufgeteilt. Die symphonische Musik ist bestrebt, ein ganzes Orchester auf der Orgel abzubilden. Unbedingt gelingt es dem Komponisten, den Leidensweg Christi in seiner zunächst improvisierten, später niedergeschriebenen Version darzustellen.

Station eins: Ein heller Ton erschallt als Signal, bedrohlich marschieren die dumpfen Klänge herbei und formieren sich zu einem Wort „Barabbas, Barabbas!“ Der Mann, den die Menge statt Jesu freisprach. Scheinbar willkürlich greifen die Finger in die Tasten der Orgel, die Klänge schwellen an, bis es in den Ohren schmerzt. Ein prägnanter Akkord – Dieses Urteil ist ungerecht! – und weiter tobt der akustische Mob gegen den Verurteilten Jesu Christi: Er soll sein Kreuz, auf das er später genagelt wird, gen Golgotha tragen.

Wolfgang Böcker berichtet über die zweite Station: „Hart und schwer und starr war das Gewicht des Kreuzes.“ Dunkel und tragend in lautem Dauerton erklingt dazu die Orgel. So geht es immer weiter und weiter. Markante Leitmotive ziehen sich durch das gesamte Stück. Das Kreuzmotiv, das Leiden Jesu, die trauernde Mutter sind ständige Begleiter in den Passagen und ergänzen das höhnische Gelächter der unerbittlichen Menge, das klagende Weinen der Frauen, das einsame Sterben des Gottessohn.

Mit einem Klagemarsch in e-Moll zieht der Tross der Trauernden mit dem Leichnam zum Felsengrab, wandelt sich in ein helles e-Dur und mit leichtem Klang läuten die Glocken. Ein letzter Akkord, dem der Grundton fehlt, verheißt: Jesus wird auferstehen.

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