Mi., 23.09.2015

Wiedertäuferreich Als der Treck nach Münster aufbrach

Schöppingen - 

Es ist „eine fast vergessene und unterdrückte Geschichte“: Der Heimatverein und die Gemeinde wollen an das Wiedertäuferreich in Münster erinnern – schließlich spielten auch Bürger der Vechtegemeinde im „neuen Jerusalem“ eine Rolle. Eine Stele am Alten Rathaus soll künftig darauf hinweisen.

Von Anne Alichmann

Zweieinhalb Meter soll die Säule hoch sein und aus vier Sandsteinwürfeln bestehen. Darauf: Motive, die sowohl Köpfe der Bewegung zeigen als auch Szenen aus der Geschichte der Wiedertäufer. Die skizzieren die Heimatfreunde in ihrer Einladung zur öffentliche Präsentation der Säule.

Demnach lebt zu Beginn des 16. Jahrhunderts der Organist und Stadtschreiber Engelbert Krechting mit seiner Frau und zehn Kindern in Schöppingen . Sein Sohn Hinrich steht in den Diensten des Fürstbischofs zu Münster . Als er diesem seinen Gehorsam verweigert, wird er zur Fahndung ausgeschrieben. Vor dem Hintergrund der drohenden Verfolgung zieht er am 14. Februar 1534 mit einem Treck nach Münster. Dort schließen sich die Schöppinger den Wiedertäufern an. Als Jan van Leiden zum Führer der radikalisierten Bewegung wird, steigt Hinrich zum Kanzler auf. Das Täuferreich fällt, und Hinrich kann sich freien Abzug erkämpfen. Er lebt fortan in Ostfriesland.

Seinem Bruder Berndt ergeht es anders: Als Hauslehrer beim Fürsten Bentheim Steinfurt aus dem Dienst entlassen, zieht auch er nach Münster – und wird einer der Räte von Jan van Leiden. Zusammen mit dem Wiedertäuferkönig und dem Statthalter Berndt Knipperdolling wird er gefoltert und hingerichtet. Die Kadaver der drei Rädelsführer werden in Käfige gebunden und am Lambertiturm aufgehängt.

Bruder Johann Krechting kommt wie seine Mutter beim Fall des Täuferreichs ums Leben. Seine Kinder kehren nach Schöppingen zurück, das Vermögen der Familie wird konfisziert. Mithilfe eines Onkels erhalten die Waisenkinder aber einen Teil zurück. Im Jahr 1583 ist die Familie rehabilitiert – mit einem Darlehen ihrerseits wird das Rathaus in Schöppingen errichtet.

„Die Wiedertäufer haben in den Klöstern und Kirchen einen Bildersturm entfacht“, schreibt der Heimatverein in seiner Einladung, „sie haben die Zwangstaufe und das Gemeinschaftseigentum gepredigt, die Vielweiberei eingeführt und Kirchtürme niedergerissen.“ Von der „Ideologie der Sekte“ will sich der Verein denn auch deutlich distanzieren. Die Säule soll ein „Mahnmal“ sein, wie Lothar Tietmeyer betont, „kein Denkmal“.

Die Sandsteinsäule wird am 18. Oktober um 11 Uhr in einer Feierstunde am Alten Rathaus präsentiert. Dazu sind nicht nur zahlreiche Ehrengäste eingeladen, auch alle Interessierten sind willkommen.

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