Sa., 02.01.2016

Ehemalige Schulrektorin Helene Wenking erinnert sich an die Namensfindung für die Hauptschule Eine Person, die als Vorbild dient

Die Leisnerstraße erinnert an den katholischen Priester Karl Leisner, der nach seiner Kritik an Adolf Hitler im Konzentrationslager landete und später an den Folgen einer Tuberkulose-Erkrankung starb.

Die Leisnerstraße erinnert an den katholischen Priester Karl Leisner, der nach seiner Kritik an Adolf Hitler im Konzentrationslager landete und später an den Folgen einer Tuberkulose-Erkrankung starb. Foto: Rupert Joemann

Schöppingen - 

Eine Schule sollte einen Namen haben, der Programm für die Schule ist. Das findet Helene Wenking. Die heute 89-Jährige war von 1964 bis 1990 Rektor der Schöppinger Volks- und Hauptschule. In ihre Rektorenzeit fiel auch die Namensgebung in Kardinal-von-Galen-Schule.

Von Rupert Joemann

Als Wenking 1957 nach Schöppingen kam, hieß die Schule noch Katholische Volksschule. Grund- und Hauptschule gehörten damals zusammen, von der ersten bis zur achten Klasse.

Helene Wenking übernahm 1964 die Schulleitung. Im gleichen Jahr „zogen vier Klassen zum Berg“, erzählt sie. An den Standort, an dem heute die Sekundarschule Horstmar-Schöppingen untergebracht ist. Erst 1969 kam die vollständige Trennung, und die Grundschule erhielt eine eigene Leitung.

„Schulen hatten damals keine besonderen Namen“, sagt Helene Wenking. Die Schöppinger nannten die neue Schule anfangs Bergschule. „Weil der Neubau am Berg lag“, sagt die rüstige Pensionärin. Dabei sei es aber eher um ein Unterscheidungskriterium vor allem während der Bauphase gegangen als um einen eigenständigen Namen.

Der kam erst 1989. „Zu dem Zeitpunkt bestand die Hauptschule 20 Jahre. Ich dachte, das müssten wir eigentlich feiern.“ Die Schülervertretung hatte der Rektorin auch den Wunsch geäußert, den Begriff Hauptschule aus dem Namen zu nehmen. Die Schüler glaubten, bei Bewerbungen könnte sich der Name Hauptschule negativ auswirken.

Schüler und Lehrer durften Namenswünsche äußern. „Bergschule stand dabei ganz oben. Das war mir aber nicht genug. Ich wollte mehr“, sagt Wenking. Sie wollte einen Namen der Vorbild und Inhalt verkörpert.

„Ich habe zuerst an Karl Leisner gedacht“, gibt die 89-Jährige zu. Der katholische Priester war 1945 an den krankheitsbedingten Folgen seines Aufenthalts im Konzentrationslager Dachau gestorben. Leisner war der einzige Priester, der in einem KZ die Priesterweihe empfangen hatte.

Doch Helene Wenking merkte schnell, dass sich der Name Karl Leisner in Schöppingen wohl nicht durchsetzen ließe. „Der Name Karl Leisner war nicht bekannt genug.“

Fortan setzte die Rektorin auf Clemens August Kardinal Graf von Galen, den Löwen von Münster. „Von Galen ist Programm. Wir hatten zu Hause auch ein Exemplar seiner Predigten. Er war gegen die Euthanasie“, erzählt Wenking. Sie ist sich sicher, dass der damalige Bischof von Münster von den Nazis nur verschont wurde, weil er einen sehr starken Rückhalt im katholischen Münsterland hatte.

Bei der Abstimmung im Gemeinderat gab es keine Probleme. „Ich glaube, das war ohne Gegenstimme“, sagt Wenking.

Später setzte sich Helene Wenking dafür ein, dass wenigstens eine Straße in Schöppingen an Karl Leisner erinnert.

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