Do., 25.02.2016

Karneval in Rio Tolle Wagen, heiße Rhythmen

Schöppingen - 

Es regnet keine Kamelle vom Himmel, die Zuschauer kommen unverkleidet und statt Schlagermusik gibt‘s lateinamerikanische Rhythmen: Mit dem närrischen Treiben in der münsterländischen Heimat hat der Karneval in Rio de Janeiro nicht viel zu tun. „Das ist schon was ganz anderes“, berichtet Annika Kortüm. Die 19-jährige Schöppingerin, die als Missionarin auf Zeit in Brasilien lebt (wir berichteten), hat das legendäre Fest in diesem Jahr selbst miterlebt.

Von Anne Alichmann

Schon in den ersten Tagen ihres Aufenthalts hatten sie die Karten bestellt: Bei der Parade der Champions wollten Annika Kortüm und ihre deutschen Mitstreiterinnen unbedingt dabei sein. Der Umzug findet eine Woche nach dem eigentlichen Karneval statt: „Dann treten die sechs Gewinner noch einmal auf“, erklärt die Schöppingerin.

Denn der Karneval in Rio der Janeiro ist im Wesentlichen ein Wettstreit: In vier Nächten vor Beginn der Fastenzeit messen sich die Sambaschulen des Landes. Jede von ihnen präsentiert sich in einer jeweils zweistündigen Parade durch das Sambódromo. Mit Festwagen und Fußgruppen ziehen die Tänzer durch die rund 700 Meter lange Arena und werden dabei von Zehntausenden von Zuschauern bejubelt. Wer die überzeugendste Show abgeliefert hat, verkündet die Jury an Aschermittwoch – und die sechs Champions zeigen sich am folgenden Wochenende noch einmal.

„Wir waren extra früh da, um gute Plätze zu bekommen“, berichtet Annika Kortüm. Bevor der erste Wagen durch die Arena rollte, gab es noch eine kleine Einführung. Und dann ging das Spektakel los. „Jede Sambaschule hatte ihren eigenen Auftritt, der über eine Stunde gedauert hat“, erzählt die 19-Jährige.

Die prächtigen Kostüme und die aufwendig gestalteten Wagen beeindruckten die Schöppingerin und ihre Freundinnen. „Das war alles sehr kreativ gestaltet und voller Details.“ Auch die akrobatischen Einlagen ließen sie staunen. Bei manchen Wagen hätten sie sich gefragt, wie die Tänzer es auf ihre Position in schwindelerregender Höhe geschafft haben, erzählt Annika Kortüm. Von der Antwort konnten sich die jungen Frauen am Rande der Veranstaltung live überzeugen: „Per Kran!“ Bis in die frühen Morgenstunden dauerte die Parade – „aber langweilig wurde es nie. Es gab so viel zu gucken.“

Als die jungen Frauen aus Deutschland sich dann auf den Weg ins Hotel machten, erlebten sie noch eine besondere Überraschung: Sie trafen einen Teilnehmer der Parade, der das aufwendige Kostüm noch bei sich hatte. „Wir haben ihn einfach gefragt, ob wir es mal anprobieren dürfen“, berichtet Annika Kortüm. Durften sie natürlich.

Der Höhepunkt ihres Wochenendausflugs nach Rio war damit zu Ende – aber karnevalistische Eindrücke sammelten die Mädchen noch weitere. An einem Tag folgten sie bei ihrer Tour durch die Stadt der Musik, die sie von Weitem hörten – und landeten mitten im brasilianischen Straßenkarneval. „Das war etwas mehr so wie bei uns“, sagt Annika Kortüm. „Da sind viele junge Leute, die einfach tanzen und feiern.“ Manche sogar im Kostüm.

Karneval in Rio – ein tolles Erlebnis, an das sich die Schöppingerin noch lange erinnern wird. „Nur schade, dass ich selbst nicht Samba tanzen kann“, sagt sie. „Dann hätte es noch mehr Spaß gemacht.“

Im jecken Trubel in ihrem Heimatort braucht‘s keine Kenntnisse in lateinamerikanischen Tänzen. „Ich freue mich schon auf den Karneval nächstes Jahr“, gibt Annika Kortüm zu. Bis dahin ist es ja aber noch eine Weile – und bis zu ihrer Heimkehr nach Deutschland auch. Zwei Monate verbringt die Schöppingerin noch in Brasilien und arbeitet in einem Seniorenheim mit. Einerseits freue sie sich auf Zuhause, andererseits falle es ihr jetzt schon schwer, Abschied zu nehmen, berichtet sie. „Man weiß ja nicht, ob man noch einmal die Chance bekommt, irgendwann zurückzukommen.“

Darüber nachzudenken, dafür hat sie aber in den nächsten Wochen vermutlich nicht viel Zeit: Bis Ostern ist es nicht mehr lange – „und da gibt es hier viel zu tun“.

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