Fr., 02.12.2016

Serie zum Advent Werkzeug hat sich kaum verändert

Mit der Kelle arbeitet Andreas Bruns auch beim Verblenden dieses Fachwerkhauses.

Mit der Kelle arbeitet Andreas Bruns auch beim Verblenden dieses Fachwerkhauses. Foto: Rupert Joemann

Schöppingen - 

Die Begeisterung für sein Handwerk ist Andreas Bruns anzusehen, vor allem in diesen Tagen. Derzeit verklinkert der Maurermeister in Schöppingen ein neues Fachwerkhaus.

Von Rupert Joemann

„Das ist eine ganz andere, traditionelle Arbeit. Bei den meisten Neubauten werden großformatige Steine geklebt“, erklärt der 47-Jährige. Dazu komme zwar noch das Verklinkern, aber auch mehr auf großen Flächen. Bei seinem derzeitigen Auftrag muss er die Steine genau zwischen die vielen Holzbalken setzen.

Früher, so der Selbstständige Bruns, seien sogar die Kellerwände gemauert worden. Sechs Leute – vier Maurer und zwei Helfer – seien da üblicherweise an einem Haus rund vier Monate beschäftigt gewesen. Heute arbeiten zwei Mann etwa sechs Wochen.

Dabei haben sie auch nur Hammer und Kelle zur Verfügung. „Das war auch schon vor 2000 Jahren so, das Werkzeug ist heute kaum anders“, erzählt Bruns, der für die CDU im Schöppinger Gemeinderat sitzt.

Und auch das Material „hat sich nicht so wahnsinnig verändert“. Schon die alten Ägypter hätten mit Lehm und Stroh Ziegel gebrannt und mit Lehm gemauert. „Lehm ist ein bisschen im Kommen. Er ist gut für Allergiker, allerdings ein teurer Spaß“, sagt der Fachmann.

Auch die Römer hatten spezielles Wissen. So brannten sie Kalk und verarbeiteten ihn mit Sand zu Mörtel. „Die Aquädukte der Römer sind klassisch gemauert und die stehen immer noch“, sagt der ehemalige Handball-Torwart des SV Eggerode.

Heute werden Gebäude schneller abgerissen, „weil das sanieren oft teurer ist als neu zu bauen“. In den 1960/70er-Jahren sei Energie kein Thema gewesen, so Andreas Bruns. Das sei jetzt angesichts der steigenden Heizkosten ganz anders.

Ein Baustoff, den es zu Zeiten Christi Geburt und lange danach noch nicht gab: Beton. „Den gibt es erst etwa 130 Jahre“, sagt Bruns. Der Schöppinger besitzt ein Buch aus dem Jahr 1910 für die Maurerausbildung. „Da wird Beton erwähnt, aber noch nicht als üblicher Standard.“

Zement war in den 50er-Jahren sehr teuer und wurde deshalb sparsam eingesetzt. Das habe sich nach der maschinellen Herstellung geändert, „als es aufgrund günstiger Preise Zement in den 60er- und 70er-Jahren in rauen Mengen gab“. Doch da habe sich gezeigt, dass zu viel Zement auch Schäden an der Bausubstanz verursachen kann. Mittlerweile, so Andreas Bruns, werde Zement dann eingesetzt, wenn er nötig sei, aber dann richtig dosiert.

Eine Handwerkstyp ist inzwischen vom Bau verschwunden: der Gerüstzimmermann. „Den gab es noch bis in die 50er-Jahre“, erzählt Bruns. Statt heutiger Eisengerüste wurden früher die Gerüste mit Holz passgenau für die Baustelle hergestellt. „Das war noch Kunst“, so der Maurermeister. Grundsätzlich, so der 47-Jährige, habe sich über all die Jahre gezeigt, dass die Menschen durch neue Techniken und Materialien in der Lage seien, jede Bauaufgabe, die sich ihnen stelle, auch zu lösen.

Für die Zukunft befürchtet Bruns, der von 1984 bis 87 seine Ausbildung absolvierte, dass das klassische Maurerhandwerk immer mehr verloren geht. Und damit auch das Wissen. „Es kommen doch kaum noch Lehrlinge nach“, blickt er skeptisch in die Zukunft. Die Fachkräfte würden weniger, dafür gebe es mehr angelernte Kräfte.

„Die Industrie hat noch immer Wege gefunden, Material herzustellen, mit dem auch Angelernte umgehen können“, kennt er die Reaktion darauf. Früher habe das Handwerk, nicht nur der Maurerberuf, noch einen guten Ruf gehabt. Die Aussichten vermiesen Andreas Bruns aber nicht die Laune. Dafür macht ihm der Beruf einfach zu viel Spaß.

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