Di., 10.10.2017

Jazzkonzert im Alten Rathaus Nordisch kühl und schön schräg

Klangmaler, ihrerseits in farbiges Licht getaucht: (v.l.) Sunna Gunnlaugs, Þorgrímur Jónsson und Scott McLemore.

Klangmaler, ihrerseits in farbiges Licht getaucht: (v.l.) Sunna Gunnlaugs, Þorgrímur Jónsson und Scott McLemore. Foto: Martin Borck

Schöppingen - 

Klavier, Kontrabass, Schlagzeug – mehr braucht es nicht, um im Jazz eine Fülle von Klangvariationen mit höchstmöglicher Transparenz zu erzeugen.

Von Martin Borck

Sei es Oscar Peterson mit seiner brillant funkelnden Pracht oder Keith Jarrett mit seiner traumwandlerischen Kreativität – die wichtigsten Jazz-Pianisten glänzten besonders in Trio-Formationen. Zwischen all den Giganten eine Nische zu finden, die stilistisch noch nicht besetzt ist, gilt als schwierig. Der isländischen Pianistin Sunna Gunnlaugs gelingt das insofern, als sie sensibel mit Klangfarben experimentiert. Harmonien entwickelt, die leicht schräg-dissonant wirken und gerade deshalb einen ungeheuren Reiz entfalten. Die Zuhörer im ausverkauften Saal des Alten Rathauses in Schöppingen erlebten am Sonntagabend ihr Trio, zu dem Þorgrímur Jónsson (Kontrabass) und Scott McLemore (Schlagzeug) gehören.

Technische Virtuosität wird der Musikerin weniger abverlangt. Sie agiert eher verhalten. Ihr Spiel hat das, was man allgemein mit der kühlen, nordischen Klangpoetik verbindet, die viele skandinavische Musiker vermitteln. Dass die Landschaft ihrer Heimat sie zu manch einer Komposition inspiriert hat, gibt sie gerne zu. Bei einer Fahrt auf Island regte sie ein besonderen Lichteffekt zum wundervollen „Islandic Blues“ an.

Welchen Effekt ihr Ansatz des harmonischen Verfremdens auslöst, lässt sich am besten bei Arrangements bekannter Titel ausmachen: Das ursprünglich mexikanische Volkslied „Cielito Lindo“ (von dem Gunnlaugs als Kind dachte, es sei isländisch, weil es zu der Melodie auch einen Text in ihrer Muttersprache gibt) wurde zu einem Exempel ihres Stils: die Phrasen zergliedern, die Motive verfremden, die so entstandenen Versatzstücke bearbeiten und ideenreich ausufern lassen. Immer wieder mündete das in dichte, swingende Klanggeflechte.

Ohne Jónsson und McLemore wäre das Konzert jedoch nur halb so intensiv gewesen. McLemore verlieh dem Spiel eine permanente Spannung, die einen gewissen Kontrast zum eher introvertierten Spiel der Pianistin darstellte. Ständig in Bewegung, setzte er sanft Akzente auf Becken und Trommeln. Jonssóns Bassspiel war die dritte Komponente in diesem Zusammenspiel gleichberechtigter Partner. Seine sonor-klingenden Einwürfe waren das Salz in der Suppe, gaben der Musik Tiefe.

Viele Eigenkompositionen der drei Musiker zeugten von ihrer großen Kreativität. Die Zuhörer erlebten ein wundervolles Konzert in der Wohnzimmeratmosphäre des Konzertraums, bei dem die Zeit nur so verflog.

Martin Borck

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