In der St.-Brictius-Kirche
Neujahrskonzert: Zart und kraftvoll zugleich

Schöppingen -

Tradition verpflichtet – und wenn es der Anspruch ist, das erwartungsvolle Publikum immer wieder mit etwas Neuem begeistern zu wollen. Den Organisatoren des alljährlichen Neujahrskonzerts in der St.-Brictius-Kirche ist der Coup gelungen.

Montag, 08.01.2018, 18:01 Uhr

Die Mezzosopranistin Lisa Wedekind sorgte beim Neujahrskonzert in der St.-Brictius-Kirche für Gänsehautmomente. Begleitet wurde sie von den Trompetern Peter Mönkediek und Peter Roth sowie Organist Markus Lehnert.
Die Mezzosopranistin Lisa Wedekind sorgte beim Neujahrskonzert in der St.-Brictius-Kirche für Gänsehautmomente. Begleitet wurde sie von den Trompetern Peter Mönkediek und Peter Roth sowie Organist Markus Lehnert. Foto: Sabine Sitte

Dabei bleibt ungeklärt, ob nun Mezzosopranistin Lisa Wedekind , das attraktive Programm oder die Live-Aufzeichnung des WDR für ein übervolles Haus gesorgt haben. Der Freundeskreis Schöppinger Konzerte ist am Sonntagabend mit einem enormen Besucherandrang zur ersten Veranstaltung ins neue Jahr gestartet.

Vor der Kirche steht der weiße Übertragungswagen mit dem blauen Logo des Westdeutschen Rundfunks (WDR), ein entsprechendes Banner flattert im Wind und im Kirchenschiff schlängeln sich dicke Kabel zu den zahlreichen Mikrofonständern, die in den Gängen und vor den Altarstufen verteilt sind. Mit Hüsteln und Räuspern versuchen die Besucher, vor Konzertbeginn noch schnell ein paar Frösche im Hals loszuwerden, um später nicht zu stören.

Die Profis an den Instrumenten nehmen es gelassen. Seit unzähligen Jahren sind die Trompeter Peter Mönkediek und Peter Roth sowie Organist Markus Lehnert beim Schöppinger Neujahrskonzert ein eingespieltes Team. Mal als Trio, mal in Begleitung. Waren es im vergangenen Jahr ein Streichorchester, mehrere Gesangskünstler und der hiesige Kirchenchor, die für einen musikalischen Jahresauftakt sorgten, ist es dieses Mal einer einzelnen Sängerin gelungen, das Publikum mit Gänsehautmomenten zu verzaubern.

Die junge Mezzosopranistin Lisa Wedekind kann bereits eine beachtliche Karriere vorweisen. Sie brilliert in der Oper und auf dem Konzertpodium gleichermaßen, ist seit 2012 als festes Ensemblemitglied im Münsteraner Theater engagiert und Gewinnerin zahlreicher Gesangspreise.

Mit berührend zarter und dennoch kraftvoller Stimme erfüllt ihr Gesang von der Empore zu Stücken von Henry Purcell, Maurice Duruflé und Georg Philipp Telemann die Kirche, begleitet von Trompeten- und Orgelklängen.

Das Programm ist eine musikalische Wanderung durch die Jahrhunderte vom Barock bis in die Moderne. Zum Auftakt: Georg Friedrich Händel. Beschwingte Töne eröffnen den Reigen für das begonnene Jahr und finden sich zusammen in einem harmonischen Instrumentalterzett. Jean Francaixs „Suite aus L’apocalypse selon Saint Jean“ beginnt mit der Vibration dumpfer Orgelklänge – melancholisch und getragen.

Bald schon begegnen sie den kraftvollen Trompetentönen und finden einander zu einem gewaltigen Klangreigen bis hin zu einem gemeinsamen bedächtigen Schreiten. Leiser und leiser werden die Töne. Verhalten. Stille.

Mitreißend und verspielt dagegen kommt Antonio Vivaldi daher: Wie der schnelle Flügelschlag zweier Vögelchen flattern die Klänge aufgeregt hin und her. Vom flinken Allegro zum nachdenklich ruhigen Largo zurück zum munteren Melodientanz. Ganz anders Alexandre Guilmants Marsch „Joy to the world“. Tiefe Töne schreiten erhaben vorweg, abgelöst vom beschwingten Verwirbeln der Takte bis hin zum Jubilieren der Klänge bis sie sich im selbstbewussten Gleichmarsch der Melodie wiederfinden.

Und noch ist das vergangene Weihnachtsfest präsent: in Hans-André Stamms Pavane, einem feierlich-langsamen Schreittanz, über ein provenzalisches Weihnachtslied. Die klaren hellen Fanfaren erzählen den rhythmischen Refrain im Wechsel mit dramatischen oder sanft-zärtlichen Passagen der Orgel.

Für die Zuhörer mehr Ohren-, denn Augenschmaus, denn die vier Künstler agieren dieses Mal bis auf die Zugabe ausschließlich von der Empore herab. Doch das Ende des Abends huldigt dann doch der Tradition: Stehende Ovationen und Begeisterung vom Publikum. Bis zum nächsten Jahr!

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