Erwachsene empfangen das Sakrament der Firmung
Eine Entscheidung für den Glauben

Schöppingen -

Ein wenig irritiert und verstohlen schauten viele der 60 jugendlichen Firmlinge beim Übungsnachmittag in der Brictius-Kirche in Richtung der hinteren Bänke, in denen drei Erwachsene die Plätze einnehmen. „Die hab‘ ich vorher nicht gesehen“, flüstert ein Mädchen seiner Nachbarin zu.

Dienstag, 30.01.2018, 09:01 Uhr

Konzentriert verfolgen (v.l.) Meik und Ann-Christin Lawitzki sowie Matthias Rensing den Ablauf der Firm-Feierlichkeiten.
Konzentriert verfolgen (v.l.) Meik und Ann-Christin Lawitzki sowie Matthias Rensing den Ablauf der Firm-Feierlichkeiten. Foto: Susanne Menzel

„Nicht nur Jugendliche werden gefirmt, auch Erwachsene kommen manchmal mit dieser Bitte zu uns“, erklärt ihnen wenig später Pastor Thomas Diedershagen. „Es gibt verschiedene Gründe für solch eine Entscheidung. Manchmal kommt man erst im Erwachsenenalter zu dem Punkt, an dem man gerne nach der Taufe auch diesen Schritt gehen möchte“, fährt er fort.

Ann-Christin Lawitzki ist 27 Jahre, ihr Mann Meik 28. „Wir haben im vergangenen Jahr kirchlich geheiratet“, erzählt die Schöppingerin. „Am 7.7.2017“, ergänzt ihr Mann. „Für uns war es eine ganz normale Folge, dass wir auch die Firmung nachholen, zu der wir vorher aus verschiedenen Gründen nicht gekommen sind.“

Ann-Christin Lawitzki ist ein wenig aufgeregt. Halt suchend fasst sie den Arm ihres Mannes Meik. Man merkt der jungen Frau die Anspannung an. Konzentriert folgt sie den Erklärungen, die Pfarrer Diedershagen an die Gruppe richtet. Er erklärt den Ablauf, wie er unter der Leitung von Weihbischof Christoph Hegge stattfinden wird. Mahnt die Mädchen und Jungen zum langsam Gehen, bittet sie, für den Weg zum Altar ausschließlich den Mittelgang zu benutzen. Ann-Christin Lawitzki stellt sich auf die Zehenspitzen, um auch von Ferne genau mitverfolgen zu können, was von den Firmlingen erwartet wird. Die Erwachsenen – neben ihr und ihrem Mann ist es auch noch Matthias Rensing – bilden die letzte Gruppe.

Sie müssen sich auch nicht wie die anderen mit ihren Paten im Rücken im Halbkreis hinter dem Altar aufstellen. „Sie nehmen ihre Position vor dem Altarbild ein“, erklärt ihnen Pfarrer Diedershagen. Mit ihrem verletzten Fuß humpelt Ann-Christin Lawitzki die Stufen hoch. „Unsere Entscheidung ist eine für den Glauben“, versichert die 27-jährige Schöppingerin. „Wir wollen damit auch unserer elf Monate alten Tochter Pia ein Vorbild sein. Das ist uns sehr wichtig.“

Matthias Rensing konnte aus verschiedenen Gründen nicht im jugendlichen Alter an der Firmung teilnehmen: „Gebürtig in Münster, sind wir später nach Ahaus gezogen, bevor ich nun in Schöppingen meine Heimat gefunden habe“, verrät der 36-Jährige. Vor zwei Jahren hat er angefangen, sich intensiv mit dem christlichen Glauben auseinander zu setzen: „Hintergrund war ein Todesfall in der Familie. In dieser Situation ist mir die Zugehörigkeit zur kirchlichen Gemeinschaft wichtig geworden. Der christliche Zusammenhalt, den ich da erfahren durfte, hat mich überzeugt, diesen Schritt jetzt ganz bewusst zu gehen.“ Inzwischen steht er selbst vor der kirchlichen Trauung: „Das war, wie man so sagt, vielleicht die Initialzündung dazu.“

Dass die jüngeren Firmlinge die drei Erwachsenen in den letzten Monaten während der Vorbereitungsphase auf die Firmung nicht wahrgenommen haben, hat einen einfach Grund: „Wir haben nicht an den Gruppenstunden teilgenommen“, sagt Ann-Christin Lawitzki, „sondern ein persönliches Gespräch mit Pastor Diedershagen gehabt.“

Doch wenn man sie sowie ihre beiden männlichen Mit-Firmanden anschaut, erkennt man schnell: Das mag einer der Unterschiede zu den jungen Menschen sein. Eine Gemeinsamkeit allerdings fällt ebenso ins Auge: Aufgeregt vor dem Sonntag sind alle gleichermaßen. Groß und (nur noch ein wenig) Klein.

Die Katholische Kirche kennt in ihrer Lehre drei so genannte Grund- oder Initiations-Sakramente: Die Taufe, die Firmung sowie die Eucharistie. Die Taufe gliedert den jungen Menschen in die Glaubensgemeinschaft der Christen ein. Die Firmung verstärkt diese Bindung. Sie drückt die Sendung durch den Heiligen Geist aus, der in der Kirche wirksam ist und überträgt zudem die Verantwortung, den christlichen Glauben zu leben, auf den Firmling. Die Eucharistie letztlich versteht sich als ständige Kraftquelle, aus der der Glauben gespeist wird.

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