Konzert im Alten Rathaus
Kraftvolle schöne Müllerin

Schöppingen -

Eine kraftvolle Aufführung im Alten Rathaus erfuhr am Sonntagabend „Die schöne Müllerin“, der berühmte Liederzyklus für Singstimme und Klavier von Franz Schubert, komponiert nach der gleichnamigen Gedichtsammlung von Wilhelm Müller.

Dienstag, 22.05.2018, 16:05 Uhr

Bariton Maximilian Kramer und Pianist Michael Gees interpretierten am Sonntag im Alten Rathaus „Die schöne Müllerin“, den berühmten Liederzyklus von Franz Schubert.
Bariton Maximilian Kramer und Pianist Michael Gees interpretierten am Sonntag im Alten Rathaus „Die schöne Müllerin“, den berühmten Liederzyklus von Franz Schubert. Foto: Christa Teltenkötter

Bariton Maximilian Kramer, geboren 1964 in Münster, Kantor in St. Johannes Baptist Coesfeld-Lette sowie in St. Lamberti Coesfeld, überzeugte mit sehr guter Textverständlichkeit und guter Technik. Seine kräftige Stimme füllte das Alte Rathaus bis in den letzten Winkel. Michael Gees, international gefragter Pianist und Liedbegleiter, machte als Begleiter am Steinway-Flügel mit starker Dynamik und teilweise interessanter Ausschmückung des Schubert‘schen Klavierparts auf sich aufmerksam. Lediglich der Pedalgebrauch deckte hier und da die Schubert‘sche Stimmführung ein wenig zu.

Die Handlung des Liederzyklus ist vielen bekannt: Der junge blonde Müllerlehrling wandert entlang eines sprudelnden Baches, bis er zur Mühle gelangt. Dort darf er arbeiten, verliebt sich alsbald in die schöne Tochter des Müllers, doch diese reagiert eher zögerlich und abweisend. Die einseitige Liebe scheitert, die Müllerstochter verliebt sich in den maskulinen Jäger, dessen Beruf profitabler erscheint. Aus Verzweiflung ertränkt sich am Ende der unglückliche Müllerlehrling im Bach. So wird der Bach quasi zum Totenbett. Kein glückliches Ende also für diese Liebesgeschichte.

So beginnt der Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ zunächst fröhlich, wie ein Bach sprudelnd in Dur-Tonarten und schnellen 32tel-Läufen in der Klavierbegleitung, hoffnungsvoll, in heller Frühlingsstimmung, wie im Prolog schön von Kramer vorgetragen. Im zweiten Teil der 20 Liedkompositionen überwiegen Moll-Tonarten. So wird die wehmutige bis depressive und frustrierte Stimmung des Müllerlehrlings deutlich ausgedrückt. Parallelen zur depressiven Stimmung der berühmten „Winterreise“ Schuberts werden hörbar.

Franz Schubert (1797-1828) vertonte von den eigentlich 25 Müller‘schen Gedichten nur 20. Der Inhalt der 25 Gedichte bezieht sich offenbar autobiografisch auf Schuberts unerfüllte Liebe zu Luise Hensel und seine schwere Erkrankung. Schubert starb schon mit 28 Jahren. Die Interpreten des Kammermusikabends, Maximilian Kramer und Michael Gees, gestalteten die fehlenden Gedichte bis auf den „Epilog“ als Rezitation („Prolog“ als schöne Einstimmung auf das Konzert) oder freie Improvisation (drei Gedichte, die Schubert nicht vertonte). „

„Die schöne Müllerin“ erfuhr so eine Ausdehnung von fast eineinhalb Stunden. Das Programm, das eigentlich in einer Stunde aufgeführt wird, boten die Interpreten ohne Pause dar. Das verlangte dem Publikum durchaus eine sportliche Kondition ab. Eine Pause nach dem zwölften Lied mit dem passenden Titel „Pause“ wäre hingegen durchaus sinnvoll gewesen.

Nichtsdestotrotz bedankten sich die Zuschauer bei den Interpreten am Ende mit dankbarem Applaus für dieses so schöne klassische Liedprogramm.

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