Mo., 29.11.2010

Kreis Coesfeld "Mogelpackung" oder Chance?

Kreis.Coesfeld. Der Kreis Coesfeld entwickelt sich zu einer Schwerpunktregion in der Geflügelhaltung. Wenn alle bereits genehmigten und noch beantragten neuen Großmastanlagen in Betrieb gehen sollten, werden schon im Laufe des nächsten Jahres 3,1 Millionen Hähnchen und Legehennen kreisweit in den Ställen gackern. Das ist eine Verdoppelung gegenüber April 2008, als 1,5...

Von Von Detlef Scherle

Kreis. Coesfeld . Der Kreis Coesfeld entwickelt sich zu einer Schwerpunktregion in der Geflügelhaltung . Wenn alle bereits genehmigten und noch beantragten neuen Großmastanlagen in Betrieb gehen sollten, werden schon im Laufe des nächsten Jahres 3,1 Millionen Hähnchen und Legehennen kreisweit in den Ställen gackern. Das ist eine Verdoppelung gegenüber April 2008, als 1,5 Millionen Geflügel-Mastplätze genehmigt waren. Ein Trend, der Protest in der Bevölkerung hervorgerufen hat (wir berichteten) - und bei dem jetzt auch der Kreistag auf die Bremse treten will. Nach einer emotional aufgeladenen Diskussion hat der Kreis-Umweltausschuss auf CDU-Antrag mit den Stimmen von CDU , SPD und FDP beschlossen, eine Kooperationsvereinbarung zum Bau von gewerblichen Stallanlagen mit der Landwirtschaft anzustreben. Ziel ist es, "die Konflikte zwischen wachsender Zahl der Mastbetriebe auf der einen und der städtebaulichen Entwicklung auf der anderen Seite abzumildern". Grüne (Ablehnung) und UWG (Enthaltung) halten das nicht für einen erfolgversprechenden Weg. "Ziel muss sein, dass die Kommunen Handlungsspielräume bekommen. Wenn das anderswo entschieden wird, brauchen wir das hier nicht", hob Dr. Kai Habersaat (UWG) hervor. "Wir können das Problem nicht an runden Tischen lösen", meinte auch Dr. Wilhelm Kraneburg (Grüne). Der Kreistag müsse jetzt "Druck machen", dass gesetzliche Bestimmungen geändert werden. Die freiwillige Vereinbarung, wie sie CDU, SPD und FDP befürworteten, soll nach dem Vorbild der Kooperation zum Schutz des Trinkwassers im Einzugsbereich des Halterner Stausees von Vertretern der Kommunen und der Landwirtschaft ausgehandelt werden. Gemeinsam eine Strategie zu entwickeln sei "die einzige Möglichkeit, die wir haben", bei diesem Thema weiterzukommen, begründete Ausschussvorsitzender Dr. Thomas Wenning (CDU) den Vorstoß seiner Fraktion. Neben Grünen und UWG wurde diese Alternativlosigkeit auch auf den Zuhörerrängen nicht so gesehen. "Das ist eine Mogelpackung", quittierten Vertreter der Bürgerinitiativen in Zwischenrufen die angestrebte Kooperationsvereinbarung. "Die Bürger gehören da rein!" war ein zentraler Vorwurf an die Politik. Die Bürger, wies Wenning die Kritik zurück, könnten sich "über ihre Abgeordneten einbringen". Einen Bürger, der eine Zwischenfrage stellen wollte, verwies er auf die nächste Kreistagssitzung: "Da können Sie offiziell Fragen stellen." Zu Beginn der Sitzung hatte die Kreisverwaltung noch einmal betont, dass man bereits auf verschiedenen Ebenen an einer Lösung arbeite. Zwei Drittel aller Verfahren fänden mittlerweile mit öffentlicher Beteiligung statt, informierte Kreis-Mitarbeiterin Henriette Sentis. Der Kreis hat nach ihrer Auffassung aber keinen Handlungsspielraum mehr, "wenn alle Rechtsvorschriften erfüllt werden - dann sind wir verpflichtet eine positive Entscheidung zu treffen". Dem widersprach Kraneburg: "Im Emsland gibt es einen Baustopp." Und zwar über den Hebel feuerschutzrechtlicher Bestimmungen. "Von einem generellen Baustopp dort ist uns nichts bekannt", konterte Fachbereichsleiter Dr. Ansgar Scheipers. In der Diskussion ging es dann hin und her. "Ich erwarte vom Kreistag, sich einmal klar zu positionieren, dass wir hier keine Massentierhaltung wollen", meinte Grünen-Abgeordnete Charlotte Ahrend-Prinz (Grüne). "Die Tiere leben relativ zufrieden in ihren Ställen", sah Norbert Kummann (CDU) keine Grundlage für eine Diskussion über Ethik. Dass über Großanlagen auch innerhalb der Landwirtschaft eine intensive Diskussion geführt werde, hob Kreislandwirt Anton Holz (CDU) hervor. Die Landwirtschaft, unterstrich er, habe ein großes Interesse daran, das Vertrauen der Verbraucher nicht zu verlieren: "Wir sind auch bereit Kritiker durch die Ställe zu führen." | Kommentar

Leserkommentare

Google-Anzeigen

immomarkt.ms Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/266388?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F697290%2F697292%2F