Do., 03.03.2011

Ascheberg BIST will das Grundwasser schützen

Von Lena Stratmann

Herbern - Das Ehepaar Lutz und Heike Wentland ist erschüttert über den derzeitigen „Erdgas-Rausch“ in NRW und die Gefahren der unkonventionellen Förderungen. „Wir tragen eine Gesamtverantwortung, sowohl für die Region, als auch für die Menschen. Doch alleine können wir nichts auf die Beine stellen“, erklärte Lutz Wentland. Daher holte sich das Herberner Ehepaar am Dienstagabend im Jochen-Klepper-Haus 17 weitere Bürger mit ins Boot und gründete eine Bürgerinitiative, die den Namen „Bürgerinitiative Sauberes Trinkwasser“ - kurz BIST - trägt. Das Hauptziel der Gruppe lässt sich dem Titel direkt entnehmen. „Unser Grund- und Trinkwasser ist extrem gefährdet“, spricht Heike Wentland die größte Gefahr des sogenannten „ Fracking “ an.

Bei dieser unkonventionellen Fördermethode muss das Gestein, in dem das Gas gebunden lagert, hydraulisch gesprengt werden. Dafür sind vier bis sechs Bohrungen pro Quadratkilometer notwendig. Mit einem Druck von ungefähr 1000 bar werden bei jedem Frackvorgang rund vier Millionen Liter Wasser in horizontale Flöze gepumpt. „Das Wasser ist mit Sand und einem riesigen Chemikaliencocktail vermengt. Pro Vorgang werden bis zu 8000 Tonnen, teils krebserregende Chemikalien benötigt“, erzählt Heike Wentland den rund 70 erschienenen Bürgern von den Dimensionen des Fracking. Als weitere Gefahren nannte die Herbernerin die Radioaktivität, die Verunreinigung durch Quecksilber, Spätschäden durch die in der Tiefe verbleibende Flüssigkeit, Erdbeben sowie den extremen Wasserverbrauch.

Die Explorationsrechte für die 105,6 Quadratkilometer große Fläche „Herbern-Gas“ besitzt die Evonik-Tochter Mingas-Power GmbH, die 52 Quadratkilometer große Fläche „Rudolf“ im Norden bis zur Autobahnbrücke zwischen Ascheberg und Herbern hat sich die Gesellschaft HammGas gesichert.

„In den USA wurden auf diese Weise viele Trinkwasservorkommen vergiftet. Wir betreiben Umweltschutz über der Erde, aber verschmutzen sie dafür unter der Erde“, so einer der Teilnehmer, der sogar von brennenden Wasserhähnen in Amerika berichtete.

Kräftige Unterstützung bei der Gründung der Bürgerinitiative erhielt das Ehepaar Wentland von Vertretern umliegender Initiativen wie der gerade in Hamm gegründeten. Einen Tipp hielt auch der Rechtsanwalt Klaus Friedrichs bereit, der Vorstandssprecher des Landesverbandes der Bergbaubetroffenen in Nordrhein-Westfalen ist. „Ihr dürft euch keiner Partei verschreiben, sondern erreicht am meisten, wenn ihr überparteilich bleibt“, so der Friedrichs. Neben Harald Kastner (SPD) äußerte sich auch Ludger Wobbe (CDU). „Eine vernünftige Verzahnung ist wichtig, damit wir es auch politisch verhindern können“, so Wobbe.

Zu den Planungen der BIST gehört nun das Verteilen von Flyern, der Aufbau einer Internetseite, Aktionen in Schulen und Unterschriftensammlungen.

„Grundwasser kennt keine Stadt- oder Regionalgrenzen. Das Ausmaß der Vergiftung im Störfall ist somit überhaupt nicht einschätzbar“, forderten die Wentlands noch einmal auf, sich an dem Protest zu beteiligen.

Das nächste Treffen der Beteiligten findet am 16. März um 19 Uhr bei Antica Fattoria statt.

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