Di., 18.10.2011

Ascheberg HammGas verzichtet auf Fracking

Herbern - Die HammGas GmbH wird bei der Gewinnung des heimischen Erdgases auf die umstrittene Fracking-Methode verzichten. Diese Zusage machte der Geschäftsführer des Unternehmens, Arnim Köhn, bei der Info-Veranstaltung zur Aufsuchung von Erdgas aus so genannten unkonventionellen Lagerstätten am Montagabend in der Hauptschule Herbern - sehr zur Überraschung der 45 Anwesenden.

„Können Sie hier und jetzt garantieren, dass Sie nicht fracken?“ Auf diese Frage antwortete Köhn kopfnickend mit „Ja“. BIST-Geschäftsführer Wilfried Voß, der Köhn die verbale Fracking-Verzichts-Erklärung abgerungen hatte, erhofft sich jetzt eine schriftliche Zusage. Die will er notariell hinterlegen lassen. Er fürchtet, dass es für HammGas kein Zurück mehr gibt, wenn das Unternehmen einmal Millionen für die Probebohrungen ausgegeben hat.

Die knapp zweieinhalbstündige Info-Veranstaltung begann mit kurzen Vorträgen von Vertretern der Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Behörde, der HammGas, der Herberner Bürgerinitiative für sauberes Trinkwasser BIST und der Gelsenwasser AG als örtlicher Trinkwasserversorger. Dass die Podiumsdiskussion und die Fragerunde sachlich, aber dennoch alles als nüchtern verliefen, daran hatte der Moderator des Abend, Aschebergs Bürgermeister Dr. Bert Risthaus, großen Anteil. Die Gemeinde liegt im Bereich des Erdgas-Feldes Rudolf, für das bereits eine so genannte Aufsuchungserlaubnis an die HammGas erteilt wurde, sowie des Feldes Donar, für das ein Antrag vorliegt.

Laut Dezernent Reinhard Bonsch hat die Bezirksregierung Arnsberg bis dato 20 Aufsuchungserlaubnisse erteilt, die aber keine „gestattende Wirkung“ hätten. Konkret bohren könnten Unternehmen nur mit einer Betriebserlaubnis. Mit der Bearbeitung derartiger Anträge werde aber bis zum Vorliegen eines von der Landesregierung in Auftrag gegebenen, frühestens bis zum Sommer erstelltes Grundsatzgutachtens gewartet.

Köhn erläuterte, dass HammGas in insgesamt sechs Feldern im östlichen Ruhrgebiet aktiv werden will - und zwar dort, wo das Erdgas in Kohlegestein gespeichert sei. Zum Lösen dieses so genannten „Coal Bed Methane“ sei Fracking und das damit verbundene Einbringen giftiger Chemikalien ins Erdreich weder nötig noch sinnvoll. Vielmehr suche sich der Rohstoff über natürliche Wegsamkeiten wie Risse und Sprünge automatisch den Weg an die Oberfläche, wenn der Druck im Erdreich verringert werde. Dies solle durch das Absaugen salzhaltigen Grubenwassers geschehen. Das Unternehmen will binnen drei Jahren mit Hilfe von drei bis fünf Probebohrungen klären, ob es überhaupt in die Erdgasgewinnung einsteigen will.

Für die BIST formulierte Vorsitzende Heike Wentland die Befürchtung, dass es auch bei Verzicht auf die Fracking-Methode zu gravierenden Umweltschäden kommen könnte, wenn zum Beispiel Gas unkontrolliert am Bohrloch vorbei nach oben und ins Grundwasser ströme. Sie stellte unter anderem die Forderung auf, den Gesundheitszustand der Bevölkerung kontinuierlich zu untersuchen, um die Auswirkungen der Erdgasgewinnung zu dokumentieren.

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