Euro-Skeptiker der ersten Stunde
Sa., 04.02.2012
Doppelkopfrunde ist immer noch mit Mark und Pfennig unterwegs
In den Erdnuss-Schälchen liegen Groschen, Mark- und 50-Pfennig-Stücke: Die Doppelkopfrunde ist der alten Währung treu geblieben.
Ascheberg -
Ascheberg - Sei sind Euro-Skeptiker der ersten Stunde. Mit der neuen Währung Doppelkopf spielen, das missfiel den Aschebergern vor zehn Jahren. Sie halten Mark und Pfennig weiter die Treue. Ein Punkt ist gleich einem Groschen.
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Heinz Schulze Tergeist klopft laut und deutlich auf den Tisch, seine Mitspieler kramen in den Münzen, die in einem Erdnuss-Schälchen liegen, und schieben ihm jeweils einen Groschen herüber. Das Klopfen heißt in dieser Runde „Kloppe“. Schulze Tergeist hat beide Kreuzdamen. Alfons Kleykamp holt den „ersten Fehl“ und spielt diese Runde mit ihm zusammen. Für Karl-Heinz Närdemann und Michael Kluge ist wenig zu holen. Sie machen gerade einen Stich und so rechnet Schulze Tergeist ab: „30, 60, 90, Zwölf, Reh, Fuchs, 60 Pfennig!“
Groschen, Pfennig, ein Doppelkopfabend aus dem vergangenen Jahrtausend in einer aktuellen Tageszeitung? Nein, es ist der 30. Januar 2012, kurz vor 20 Uhr. Und in den Schälchen im Haus am Böckentrup liegen auch 50-Pfennig- und Markstücke. Die Runde hat dem Euro schon misstraut als er noch gar nicht in der Krise war. Das Quintett, zu dem auch Willi Möller gehört, zahlt beim Doppelkopf immer noch mit Mark und Pfennig, die vor zehn Jahren abgeschafft worden sind.
Auf den ersten Blick sieht alles nach einer normalen Doppelkopfrunde aus. Fünf Männer, fünf Flaschen Bier, fünf Schnaps-Pinchen, ein Kartenspiel. Besonders wird es beim Geld. „Die Euro-Münzen haben uns nicht gefallen“, schüttelt sich Willi Möller. Die Runde hat es probiert und wieder aufgegeben. Jeder Mitspieler verfügt über ein kleines Geldsäckchen mit Mark- und Pfennig-Münzen. „Rund 20 Mark bringt jeder mit“, berichtet Hausherr Michael Kluge. Gerät ein Mitspieler auf die Verliererstraße. so dass sein Pfennig-Polster schwindet, löst er die Münzen bei den Kollegen mit besseren Blättern aus – mit Euros.
„Die Euro-Münzen haben uns nicht gefallen“
Das Festhalten an Mark und Pfennig passt zum Bild eines sturen Westfalen. Ob die Runde das war, bleibt dahingestellt. Zehn Jahre nach dem Ende der Mark ist sie über dieses Stadium auch hinausgekommen, neudeutsch ist diese Art des Zahlens Kult geworden.
Im Juli 1980 gehörten Willi Möller, Heinz Schulze Tergeist und Alfons Kleykamp mit Bernd Rottmann und Heiner Haverkamp zu den Gründern der Runde. Für Bernd Rottmann wurde Michael Kluge neu aufgenommen. Das war noch zu echten DM-Zeiten. Als Karl-Heinz Närdemann den Platz des verstorbenen Heiner Haverkamp übernahm, regierte im täglichen Leben der Euro. Närdemann war aus zwei Gründen gut geeignet. Er spielt gerne Doppelkopf. Und: „Ich hatte zu Hause noch einige Markstücke liegen. Die habe ich für die Vogelversteigerung bei der Schützenbruderschaft Berg und Tal gesammelt und sie sind liegengeblieben.“ Mit dem Geld erhöhte sich das Stammkapital der Runde auf gut 100 Mark.
Keine Chance für den kriselnden Euro? Nicht ganz: Nach zwei Stunden werden die Münzen ausgewechselt. „Dann kommen Euros und Cent auf den Tisch. Ab dann spielen wir Geld für die Ausflüge ein“, berichtet Willi Möller. Alle zwei Jahre geht das Quintett auf Tour. Berlin. Ottobrunn, Ibiza und Mallorca – die Liste der Ziele ist klassisch und auf den Urlaubsinseln kommt niemand auf die Idee Mark und Pfennig für einen Sangria zu verschwenden – im Alltag haben sich alle an den Euro gewöhnt. Deswegen bleibt die alte Währung bei Reisen auch in Ascheberg zurück.
