Do., 17.05.2012

Thomas Großerichter trainierte für seine Radtour um die Welt drei Monate in Südamerika Irgendwo ins Nirgendwo

Ascheberg/Herbern - 

Der Schotterweg durch die kahlen Berge endet irgendwo im nirgendwo – hier hat Thomas Großerichter Körper und Geist für seine Radtour um die Welt trainiert. Jetzt sitzt der 26-jährige Herberner entspannt im Wohnzimmer des elterlichen Hofes in Horn, durchs Fenster schaut ein Bauerngarten herein.

Von Theo Heitbaum

„Es ist schön hier“, sagt Große-richter. Zuhause fühlt er sich aber in der Welt, die er nun mit dem Ziel „Guinness-Buch der Rekorde“ in weniger als 100 Tagen umrunden will. Dafür hat er vom 23. Januar bis 24. April in Brasilien, Chile und Argentinien etwa 7000 Kilometer in 90 Tagen absolviert. Drei Wochen war er in Höhen von 2000 bis 4800 Metern über dem Meeresspiegel unterwegs. Der Herberner hat die magische 300-Kilometer-Marke in Argentinien in 11,5 Stunden – davon sieben Stunden im Regen – mit 25 Kilogramm Gepäck auf dem Mountainbike geknackt.

Was ist das für ein Mensch, der über sich sagt: „Habe ich mich in eine Sache verbissen, verhalte ich mich wie ein tollwütiger Hund, der erst ablässt, wenn er am Ziel ist“? Der gelassen im Sessel hockende Weltenbummler wirkt im Radlerdress wie ein normaler Sportler. Doch Thomas Großerichter hat es auf dem normalen Weg probiert, in drei Studienrichtungen geschnuppert und ist jetzt zu dem Schluss gekommen: „Das, was ich jetzt mache, soll zu meinem Beruf werden. Ich möchte meine Reisen vermarkten, kann mir aber auch vorstellen als Motivationstrainer zu arbeiten. Ich bin offen für viele Möglichkeiten.“ Der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als Existenzgründung also.

Weil er dem deutschen Winter ausweichen wollte, hat Großerichter drei Monate in Südamerika („Da könnte ich eines Tages leben“) trainiert, ist er 1000 Kilometer über gottverlassene Schotterpisten gefahren, hat er in Patagonien kaum einen Tag ohne Regen erwischt, war es in Sao Paulo auch schon einmal 45 Grad heiß und die UV-Strahlung mörderisch. Körper und Geist sind gefordert - Thomas Großerichter übersteht die Herausforderung, indem er auf dem Fahrrad meditiert, wenig wahrnimmt, einfach nur ins nirgendwo radelt.

Auf der Panamericana von Buenes Aires nach Vancouver ist er von Juni 2008 bis Juli 2009 rund 16 000 Kilometer gefahren, im Himalaya von Peking über Tobet bis Kathmandu waren es 3500 Kilometer. Mit dem Menschen, die ihm begegnen, versteht Großerichter sich auch, ohne die Sprache zu sprechen: „Wenn mir eine Bauer seine Hand entgegenstreckt, sehe ich schon an den Schwielen, wie hart er arbeiten muss.“

Die große Tour um die Welt, die der Herberner nun in deutlich weniger Tagen schaffen muss als ursprünglich angenommen (WN berichteten), absolviert er nicht im Alleingang wie beim Training in den Anden. Großerichter weiß ein „großartiges Team“ hinter sich.

Heute fährt der Herberner zum Training ins Baltikum. Wenn er daheim in Horn ist, besucht das Fitness-Studio, joggt viel und sieht er das Rad nur selten: „Nach ein paar hundert Metern kommt eine Ampel, dann ein Dorf, da ist es schwer zu trainieren.“ Die Volksbank Ascheberg-Herbern wird sein Vorhaben unterstützen. Jede weitere Hilfe ist willkommen. Da Robert Cramer die Tour als Journalist begleitet, wird es DVDs, Bücher und mehr geben. Crowdfunding ist ein Thema. Bis zum Start heute in 122 Tagen hat Thomas Großerichter noch viel zu tun und zu berichten, die WN werden das Projekt begleiten.

| http://www.cyclingtheworld.de

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