Mo., 16.12.2013

Stolpersteine erinnern an jüdische Familie Samson Mahnung zu Frieden und Toleranz

Der Künstler Gunter Demnig verlegte die Stolpersteine zum Gedenken an die Mitglieder der jüdischen Familie Samson ins Pflaster der Bernhardstraße. Schüler der Gruppe Nathan begleiteten danach die Zeremonie mit hebräischen Liedern.

Der Künstler Gunter Demnig verlegte die Stolpersteine zum Gedenken an die Mitglieder der jüdischen Familie Samson ins Pflaster der Bernhardstraße. Schüler der Gruppe Nathan begleiteten danach die Zeremonie mit hebräischen Liedern. Foto: sff

Herbern - 

An das Schicksal der jüdischen Familie Samson erinnern vier „Stolpersteine“, die der Künstler Gunter Demnig in den Gehweg der Bernhardstraße gepflastert hat. Sie sollen das Geschichtsbewusstsein wach halten, zu Frieden und Toleranz mahnen.

Von Sigmar Syffus

Es war kalt und zugig an der Kreuzung Merschstraße/Bernhardstraße – dort, wo einst die Schlosserei der jüdischen Familie Samson stand. Und auch der Verkehrslärm machte den Jugendlichen der Gruppe Nathan das Singen nicht gerade einfach. Trotzdem sangen sie, von Lehrerin Elisabeth Juhl auf der Gitarre begleitet, tapfer weiter. Lieder gegen das Vergessen der von den Nazis ermordeten Herberner Mitbürger, Lieder für Toleranz erklangen: „Hevenu shalom alechem – Wir wollen Frieden für alle“.

Bevor die Jugendlichen der Theodor-Fontane-Schule sangen und ein „Gespräch mit einem Überlebenden“ des Holocaust vortrugen, hatte der Künstler Gunter Demnig vier von ihm geschaffene „ Stolpersteine “ in den Gehweg gepflastert. Ihre glänzenden Messingtafeln stechen aus dem Grau hervor und erinnern an Ernst Samson und seine Frau Emma, die von den Nazis verschleppt und durch sie zu Tode kamen. Sie erinnern an die Töchter Margret und Gerda, die ebenfalls ins KZ deportiert wurden, den Holocaust zwar überlebten, doch entwurzelt wurden.

„Wir wollen mit den Stolpersteinen eine tägliche Erinnerung schaffen an die Opfer des Nationalsozialismus“, betonte Johannes Waldmann, Vorsitzender der SPD Ascheberg, die die Patenschaft für die Steine übernommen hat. Er hoffe, dass die Gedenktafeln für die Mitglieder der Familie Samson ein Auftakt seien, um auch in Ascheberg und Davensberg die Geschichte des Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Es sei denkbar, dass auch dort beispielsweise Menschen mit Behinderungen oder Deserteure in den letzten Kriegstagen Opfer der Nazis geworden seien. In der Gegenwart zeigten die NSU-Morde, „dass man bei dem Thema stetig am Ball bleiben muss“, hob Johannes Waldmann hervor. Die Stolpersteine seien Zeichen für Vielfalt in der Gesellschaft und gegen Diskriminierung.

„Erinnerung ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit“, zitierte Elisabeth Juhl den jüdischen Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und nannte damit gleichsam das Leitmotiv der Gruppe Nathan. Sie freue sich, dass sich jetzt auch die Profilschule an dem Projekt beteilige.

Einen kleinen Einblick in jüdische Bräuche und Religiosität gab der evangelische Pfarrer i.R. Wilfried Voß, der für die Familie Samson zwei jüdische Gebete sprach.

Monika Berg überbrachte Grußworte der Bürgerinitiative „Gesicht zeigen gegen Rechts in Dortmund-Eving“. Dort seien mittlerweile 13 Stolpersteine verlegt worden. Der Kampf gegen den menschenverachtenden Rechtsradikalismus dürfe nicht ruhen, sagte sie. Erst die Erinnerung an das Schicksal der einzelnen Opfer mache das Schrecklich wirklich nachempfindbar.

Ernst Samson war Träger des Eisernen Kreuzes und mit seiner Familie tief in Herbern verwurzelt. Der damals 42-Jährige, seine Frau Emma (39) sowie die Töchter Margret (18) und Gerda (16) wurden zunächst ins jüdische Ghetto in Riga und dann ins Konzentrationslager Stutthof (Danziger Bucht) verlegt. Dort wurde Ernst Samson getötet. Emma Samson starb nach der Befreiung 1945 auf dem Rücktransport in Berlin. Die Töchter kehrten zunächst nach Herbern zurück, fanden dort aber keine Heimat mehr und wanderten nach Amerika aus.

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