Do., 05.11.2015

Profilschule, Klassenrat 45 Minuten Zeit für die Gemeinschaft

In der Runde des Klassenrates kommt zur Sprache, was die Klasse gemeinsam anfassen möchte, aber auch, was an Eingaben über die Zettelbox lösungsorientiert zu diskutieren ist.

In der Runde des Klassenrates kommt zur Sprache, was die Klasse gemeinsam anfassen möchte, aber auch, was an Eingaben über die Zettelbox lösungsorientiert zu diskutieren ist. Foto: hbm

Ascheberg - 

Ihre Eltern haben in der ersten Stunde mit dem Klassenlehrer zwei Klassensprecher gewählt. Das war‘s. Profilschülern werden in der Woche 45 Minuten für die Organisation ihrer Gemeinschaft eingeräumt.

Von Theo Heitbaum

Tessa von Ohlen hat eine Zettelbox vor sich liegen. Sie leitet für 45 Minuten den Klassenrat der 6c an der Profilschule . Einmal die Woche haben die Mädchen und Jungen der Klassen fünf bis acht für 45 Minuten die Gelegenheit, Klassendinge zu regeln. Zur Runde gehört auch Michael von Heesen. Der Schulsozialarbeiter hat sich eingereiht, redet nur, wenn Tessa ihm nach dem Aufzeigen das Wort erteilt.

Mit dem Protokoll der Vorwoche startet die Runde, prüft kurz, ob die vereinbarten Dinge umgesetzt wurden. Vor einer Woche war beschlossen worden, dass zoffende Mitglieder des Klassen-Chats ausgeschlossen werden. Davon wurde Gebrauch gemacht, weitere Redebedarf gibt es nicht.

In der Zettelbox liegen vier Eingaben, eine beschäftigt die Runde länger. Ein paar Jungen sollen in einer Innenpause im Differenzierungsraum zu laut gewesen sein. Dabei ist der Raum bei diesen Gelegenheiten tabu. Die Runde klärt die Vorwürfe, ruft die Regeln in Erinnerung und kommt schließlich zu zwei Lösungsmöglichkeiten. Die Alternative, ein Plakat mit den Regeln an der Tür zum Differenzierungsraum aufzuhängen, ist mit zwei Stimmen schnell aus dem Rennen. Die Mehrheit erlaubt Durchgehen, wenn man in den benachbarten Klassenraum möchte. Phil protokolliert das Ergebnis. In einer Woche kommt es wieder zur Sprache.

Geredet wird in der Runde über Dinge, die im Dialog nicht zu klären waren, denn erst dann dürfen Zettel in die Klassenrats-Box eingeworfen werden. Die Sechstklässler finden es gut, dass sie einmal die Woche Zeit haben, Fragen intern zu klären. Möglicherweise wird der Klassenrat von kontroversen Dingen künftig etwas entlastet, denn an der Profilschule sind gerade Streitschlichter ausgebildet worden. Nils, Phil, Jesse und Tessa berichten über den Lehrgang und das Angebot, das künftig in einem eigenen Raum anzutreffen ist. Wichtig: Die Streitschlichter müssen von beiden streitenden Seiten gefragt und zu Rate gezogen werden. Sie gehen nicht dazwischen, wenn Streit eskalieren sollte.

Der Klassenrat vermittelt, sucht Lösungen, bildet Regeln, aber er beschäftigt sich auch mit ganz anderen Dingen. Da wird die nächste Morning Assembly vorbereitet, über ein Klassenfest geredet und gearbeitet.

Die Aufgaben im Klassenrat wechseln nach vier bis sechs Wochen. Die Runde diszipliniert sich selbst. „Beobachter“ könnten eingreifen, müssen es beim WN-Besuch in den 45 Minuten aber nicht, weil alle konzentriert, ruhig und diszipliniert ihre Zeit für die Klasse und die Gemeinschaft nutzen.

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