Di., 18.10.2016

Brasilianischer Besuch Patenkind ist wieder präsent

Hartmut Lessin präsentiert die Erinnerungsstücke an das brasilianische Patenkind Angela de Lima Barbosa.

Hartmut Lessin präsentiert die Erinnerungsstücke an das brasilianische Patenkind Angela de Lima Barbosa. Foto: hbm

Ascheberg - 

Der Besuch einee Tanzgruppe aus Brasilien lässt in Hartmut Lessin Erinnerungen hochkochen. Seine Familie hat in den 70er Jahren ein Patenkind in Recife, der Heimat der Tanzgruppe, unterstützt.

Von Theo Heitbaum

Wenn der Ascheberger Seniorenbeirat der brasilianischen Tanzgruppe Saber Viver heute Mittag in der OJA im Burghof das Mittagessen serviert, brennt Hartmut Lessin eine Frage besonders unter den Nägeln: Kennt jemand aus der Gruppe zufällig Angela de Lima Barbosa?

„Als ich gehört habe, dass die Jugendlichen aus Recife kommen, hat es bei mir geklingelt“, erzählt Hartmut Lessin bei einem Besuch in der WN-Redaktion. Die Spurensuche in einer alten Fotokiste war erfolgreich: „Meine Frau und ich hatten in den 70er Jahren zwei Patenkinder, eins in Brasilien und eins in Indien. Das brasilianische Mädchen kam aus Recife. Ich habe noch alle Unterlagen gefunden.“

Die Kindernothilfe hatte den Lessins die kleine Angela de Lima Barbosa aus Recife als Patenkind vorgeschlagen. Die Familie sei verarmt, der Vater habe sich aus dem Staub gemacht. Nach den Unterlagen begann die Patenschaft im Juli 1974 als Angela in die Schule kam. Ihre Ausbildung dort unterstützten die Lessins mit 50 Mark im Monat. Dass es sich nicht um eine anonyme Hilfe gehandelt hat, dokumentieren Briefe auf Pergamentpapier. Die Lessins schickten etwa zum Geburtstag von Angela Geschenke nach Brasilien. Zurück kamen Dankesbriefe auf dünnem Papier. Im oberen Bereich hatte Angela auf portugiesisch geschrieben, darunter vor Ort jemand ins Deutsche übersetzt. So hatten die Empfänger in Deutschland Beides: Die Originalschrift ihres Patenkindes und den Text in ihrer Sprache. Über diesen Austausch hat Angela de Lima Barbosa einiges aus dem Leben der Lessins mitbekommen. Das Patenkind dankt beispielsweise für ein Bild des kleinen Julians, das die Lessins nach der Geburt des ersten Sohnes nach Recife geschickt haben. Die Post aus Brasilien kam nach Geburtstags- und Weihnachtsgeschenken, aber auch zum Muttertag. Acht Jahre begleiteten die Lessins Angela und teilten mit ihr das Leben. Mit dem Abgang von der Schule und dem Beginn der Ausbildung endete der Kontakt. Seit mehr als 30 Jahren gibt es keine Briefe mehr. Hartmut Lessin verweist auf die andere Zeit: „Es gab damals kein Internet für einen schnellen Austausch und Flüge waren richtig teuer. Heute würde man sein Patenkind vielleicht besuchen.“

Jahrelang schlummerten die Bilder und die Unterlagen in einer Bilderkiste. Durch den Besuch der brasilianischen Tanzgruppe sind die Erinnerungen wieder wach geworden. Auch wenn Lessin nicht daran glaubt, dass jemand aus der Gruppe zufällig sein Patenkind aus den 70er Jahren kennt, die Frage wird er trotzdem stellen, schließlich hält das Leben immer wieder Zufälle bereit. Möglicherweise kennt jemand die Brasilianerin, die im nächsten Jahr ihren 50. Geburtstag feiert. Beim Querlesen der Briefe fällt übrigens auf, dass Angela von Tänzen für eine Feier berichtet: Quadrilla, Cirauda und Coco wurden damals geboten.

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