Kreis Coesfeld

Mo., 14.09.2009

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Der Marathon-Mann

Daniel Fahr vor der Agentur für Arbeit in Dülmen. (Foto: ul)

Von Ulla Wolanewitz

Dülmen. „Ich bin ein bisschen angeschlagen“, gesteht Daniel Fahr gestern Morgen beim Treffen an der Agentur für Arbeit (AfA) und lacht. Der Grund: Muskelkater in jeder Zelle. Der junge FDP-Bundestagskandidat zählte am Sonntag zu den 7000 Läufern, die beim Münster Marathon starteten. Eigentlich wollte er „nur“ die dritte Etappe in der FDP-Staffel übernehmen. Parteikollege Daniel Bahr (MdB), der ihm vom Namen und Statur verblüffend ähnelt, war für den vierten Part vorgesehen. „Wir haben uns unglücklicherweise nicht gefunden“, sagt der Betriebswirt, der die letzte Etappe dann auch noch meisterte. „Insgesamt lagen wir aber noch unter vier Stunden. Anders geplant. Aber okay.“

Die AfA hat er als Ort für das Treffen mit unserer Zeitung gewählt, weil „es auf dem Sektor Arbeit viel Änderungsbedarf gibt.“ Er nennt Begriffe wie Entbürokratisierung, will Änderungen im Kündigungsschutzrecht und keine Einführung eines Mindestlohnes.

Knapp vierzehn Tage muss er sich jetzt noch dem Wahlkampf-Marathon stellen. Klasse findet er es, dass er von vielen Schulen zu Podiumsdiskussionen eingeladen ist. „Ich möchte gerne die überzeugen, die sich überzeugen lassen“, schmunzelt der 32-Jährige, der aus einer sozialdemokratischen Familie stammt. „Mein Opa war in der Gewerkschaft. Der wird mir seine Stimme nie geben.“ Um seine Wähler zu erreichen nutzt der mit Abstand jüngste Bundestagskandidat viele Internetplattformen zum Austausch – „wie Obama eben auch.“

Im Flur der AfA sitzen nur wenige Wartende, was auch damit zusammenhängt, dass die Langzeitarbeitslosen im Kreis Coesfeld vom kommunalen Zentrum für Arbeit betreut werden. Fahr hält das für positiv: „Zuvor begegneten sich Kurzzeit- und Langzeitarbeitslose auf einem Flur. Das war für alle Beteiligten oft unangenehm.“

Stichwort: Arbeitslosigkeit? Ja, davon sei er auch schon mal betroffen gewesen. Glücklicherweise nur drei Monate, auf dem Weg von einem Job zum nächsten. Beste Erfahrungen habe er mit der örtlichen Agentur für Arbeit gemacht. Ehrlicherweise gibt er zu, dass die auch nicht viel Arbeit mit ihm hatten, weil sie ihn „nicht großartig beraten mussten, da ich selber sehr motiviert war und bin.“ Mit Unterstützung des Bildungschecks nutzte er seine Überbrückungszeit zur Weiterbildung in „Business English“, denn „Rumsitzen ist nicht mein Ding“.

Jetzt arbeitet Fahr als Geschäftsführer für ein Münsteraner Medienunternehmen. „Wir sind vom Niedriglohnsektor stark betroffen. Der Mindestlohn würde uns das Genick brechen“, erklärt er seine Position. Für Langzeitarbeitslose und Hartz IV-Empfänger sei der Mindestlohn auch keine Rettung.

Sein „Fahr“plan lautet: Steuersenkungen, insgesamt mehr Netto vom Brutto. Und: Bessere Anreize schaffen. Denn: „Wer arbeitet, kann ja nicht der Dumme sein.“

Was sein härtester Job war? Das Mülltonnenreinigen bei einem Tierkadaverentsorger in den Semesterferien. Ob er so etwas auch für 3,50 Euro die Stunde gemacht hätte? Die Antwort ist ein ganz klares „Nein“. „Der Stundenlohn lag höher und es gab Nachtschichtzuschläge, alles tariflich festgelegt.“ So richtig ins Zeug gelegt habe er sich selbst erst im Studium. „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss“, flachst er.


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