Amateurtheater begeistert Zuschauer mit „Spätlese“
So., 05.02.2012
Senioren-Residenz auf den Kopf gestellt
Die Darsteller des Amateurtheaters überzeugten bei den zwei Aufführungen der Komödie „Spätlese“ in ihren Rollen.
Havixbeck -
Schade, dass moderne Theaterautoren glauben, aus allem immer unbedingt eine Komödie stricken zu müssen, vor allem, wenn das Stück in einer „Senioren-Residenz“ spielt. So verhält es sich auch mit „Spätlese“, einer Komödie von Folke Braband, die am Wochenende im Forum für Begeisterung sorgte. Und zwar weniger wegen der eingebauten Clownerien, sondern eher wegen der großartigen Darstellung der drei alten Damen Agnes, Maria und Josefine durch Karin Berghaus, Angelika Bettmer und Charlotte Schulz.
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Schade, dass moderne Theaterautoren glauben, aus allem immer unbedingt eine Komödie stricken zu müssen, vor allem, wenn das Stück in einer „Senioren-Residenz“ spielt. So verhält es sich auch mit „Spätlese“, einer Komödie von Folke Braband, die am Wochenende im Forum für Begeisterung sorgte. Und zwar weniger wegen der eingebauten Clownerien, sondern eher wegen der großartigen Darstellung der drei alten Damen Agnes, Maria und Josefine durch Karin Berghaus, Angelika Bettmer und Charlotte Schulz.
Mit den drei Darstellerinnen des Amateurtheaters Havixbeck hatte Regisseurin Maria Selker ein großartiges Ensemble zusammengestellt. Auch wenn die Typisierung einzelner Charaktere und deren Bedeutung in einem Mehr-Personen-Stück unfair erscheint, kann es nicht ausbleiben, dass es auch in „Spätlese“ eine beeindruckende Hauptperson gibt, die von Karin Berghaus mit schauspielerischer Großartigkeit gespielt wurde.
Karin Berghaus, die sich schon als „Mersche von Tilbeck“ ein unauslöschbares Denkmal gesetzt hat, bewies auf völlig neue Weise ihre vielfältige Wandelbarkeit als Laienschauspielerin, die unter der feinfühligen Hand einer sehr geschickten Regie gleich von Beginn ganze Facetten von Spielcharakter eröffnete und damit das dankbare Publikum trotz aller Situationstragik zu Begeisterung hinriss.
Die besteht darin, dass Josefine, einst ein gefeierter Bühnenstar, nun ausschließlich eine „alte Dame“ spielen darf. Ihrem Gegenpart, Maria, sieht man an, dass sie keineswegs unter Realitätsverlust leidet, sondern allenfalls ihre nimmer endende Tristesse in ganzen Zügen zum Ausdruck bringt. Da ist es die demente Agnes, die mimisch wie in ihrer ganzen Körpersprache den grauen Alltag mit Trauerfeiern, Bridgepartien und kleineren Sticheleien nur noch durch die rosarote Brille der Vergangenheit erlebt. Noch liebenswerter macht sie, dass sie sich trotz aller schauspielerischen Vorteile nie in den Vordergrund drängt, auch nicht, als ein neuer, junger Pfleger namens Patrick (Marvin Rickermann) den Tag in der Residenz „Abendrot“ völlig auf den Kopf stellt.
Ihm zur Seite steht Bruno (Martin Beck), angeblich ein charmanter Witwentröster, in Wirklichkeit ein schwuler Herr mit Ambitionen auf knackige Männer. Schließlich findet dort noch die mysteriöse Natalie Voigt (Lisa Müthing) ihre Mutter wieder, die sie einst abgeschoben hat.
Im Ganzen war es dank großartiger Besetzung und feinsinniger Regie ein wunderbares Stück bester Unterhaltung, das auch die miserable, längst überholte Technik im Forum nicht erschüttern konnte.
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