Interview mit AFG-Schulleiter Dr. Torsten Habbel
Ohne Schulwechsel zum Abitur

Havixbeck -

Die fünf Infoveranstaltungen der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG) waren sehr gut besucht. Interessierte Eltern aus Havixbeck und Umgebung haben sich über die Schulform Gesamtschule informiert und sich mit ihren Kindern die Schule angesehen. In den letzten Jahren wurden deutlich mehr Schüler angemeldet, als die Schule aufnehmen kann. Schulleiter Dr. Torsten Habbel weist im Interview mit unserem Redakteur Klaus de Carné darauf hin, dass eine Anmeldung an einer anderen Schule aus dem Umland eine Einbahnstraße sei. Ständig habe die Schule Anfragen von Eltern und Schulleitern, Jugendliche später aufzunehmen. Dieser Weg sei dann meistens versperrt, weil sich kaum ein Schüler abmelde.

Freitag, 10.02.2012, 17:02 Uhr

Interview mit AFG-Schulleiter Dr. Torsten Habbel : Ohne Schulwechsel zum Abitur
Stehen bereit für die Anmeldewoche in der Anne-Frank-Gesamtschule (v.l.): Schulleiter Dr. Torsten Habbel, Marion Schigiol, Sylvia Dreger (beide Sekreatariat) und Abteilungsleiterin Vera Thomas. Foto: Klaus de Carné

Im Umkreis von Havixbeck werden neue Schulen gegründet: Gemeinschaftsschulen, Sekundarschulen und eine Gesamtschule . Was denken Sie dazu?

Dr. Habbel : Ich begrüße die Entscheidung, dass im Umkreis Schulen aufgebaut werden, die längeres gemeinsames Lernen ermöglichen. Auch die vielen Elternnachfragen nach einem Ganztag oder nach gesundem Essen, wie wir es schon seit vielen Jahren anbieten, belegen einen großen Nachholbedarf.

Welche Auswirkungen hat dies auf die AFG ?

Dr. Habbel: Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen. Aus Billerbeck haben wir im letzten Jahr vergleichbar viele Schüler aufgenommen, wie in der Vergangenheit auch schon. Die AFG genießt in Havixbeck und Umgebung einen guten Ruf! So kamen zu unseren Informationsveranstaltungen auch viele Eltern aus Roxel, Nottuln, Billerbeck, Münster und Umgebung. Manche waren verunsichert, ob wir ihre Kinder aufnehmen werden. Hier konnte ich beruhigen. Selbstverständlich können Eltern ihre Kinder hier anmelden. Alle Kinder sind hier herzlich willkommen.

Was bedeutet das für die Oberstufe?

Dr. Habbel: Auf Dauer wird sich die Ausbildung an den Sekundarschulen positiv auf unsere Oberstufe auswirken, denn die Gesamtschule ist der „natürliche“ Kooperationspartner der Sekundar- und Gemeinschaftsschule. Das Lernklima ist vertraut: Wir haben gemeinsam einen gebundenen Ganztag, ein vergleichbares Förderangebot und können konstruktiv mit einer heterogenen Schülerschaft umgehen. Ginge ein Schüler nach der 10. Klasse von der Sekundarschule auf ein Gymnasium, so würde er erneut in die 10. Klasse gehen, da dort die Einführungsphase ein Jahr früher beginnt. Die wechselnden Sekundarschüler wären also immer älter als ihre Klassenkameraden. Auch das macht den Übergang schwieriger.

Arbeitet die AFG mit den neuen Schulen zusammen?

Dr. Habbel: Die AFG ist grundsätzlich offen für die Kooperation mit andern Schulen. Dies bestätigt ein Schulkonferenzbeschluss aus dem letzten Jahr. Es liegt auch eine Anfrage von der Bezirksregierung vor, eine Sekundarschule als „Pate“ zu begleiten, erste Gespräche haben stattgefunden.

Ist es Ihrer Einschätzung nach unbedeutend, ob ein Schüler auf die Sekundarschule oder auf die Gesamtschule geht?

Dr. Habbel: Nein! Nur die Gesamtschule hat eine Oberstufe. Und: Wir blicken stolz auf eine über zwanzigjährige Erfahrung im Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft zurück und haben nachgewiesen, dass über die Hälfte unserer Schüler Abitur machen kann. Bei uns ist das gymnasiale Niveau seit Jahren integraler Bestandteil unserer Arbeit. Das wird auf Dauer so bleiben, da unsere Oberstufenlehrer ihre Schüler teilweise schon seit der fünften Klasse kennen und aus Erfahrung wissen, worauf es ankommt. Das schafft Vertrauen, das wir darüber hinaus strukturell unterstützen: durch Jahrgangsteams, durch den Einsatz von Oberstufenlehrern in der Unter- und Mittelstufe, durch ein aufeinander abgestimmtes Fremdsprachenangebot. Mit unserer Schullaufbahnberatung erhalten auch „Spätentwickler“ eine realistische Chance, in die Oberstufe zu kommen und dort erfolgreich zu sein.

Gibt es noch einen weiteren Vorteil?

Dr. Habbel: Wer hier in der fünften Klasse startet, kann in vertrauten Bahnen bis zum Abitur geführt werden – ohne Schulwechsel . Viele Eltern und Schüler finden diese Perspektive, alle Schulabschlüsse an einer Schule erreichen zu können, wichtig – und das kann ich gut nachvollziehen. Sind die Schüler in unserer Oberstufe angekommen, so erwarten sie dort in der Einführungsphase Stammgruppen. Wir ermöglichen überschaubare Kursgrößen und eine persönliche Betreuung durch qualifizierte Lehrer. Selbstverständlich bereiten wir unsere Schüler durch mehrstufige Einführungsveranstaltungen am Ende der 10 auf ihre Zeit bei uns in der Oberstufe vor. In dieser Bündelung von Qualitätsmerkmalen kann dies keine Sekundarschule ermöglichen.

Zum Thema

In der kommenden Woche können Eltern ihre Kinder an der Anne-Frank-Gesamtschule anmelden. Von Montag bis Freitag (13. bis 17. Februar) ist das Sekretariat jeweils von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der eigentliche Anmeldetag hat keine Auswirkungen auf die Annahme des Kindes. Für die Anmeldung werden folgende Unterlagen benötigt: das Zeugnis der Grundschule mit der Empfehlung für die weiterführende Schulform, der Original-Anmeldeschein und das Familienstammbuch beziehungsweise die Geburtsurkunde. Die entsprechenden Anmeldeformulare können von der Homepage der Schule heruntergeladen werden und sollten möglichst ausgefüllt mitgebracht werden. Ansonsten sind sie auch über das Sekretariat zu beziehen. Die Sekretärinnen werden die Anmeldung entgegennehmen. Aber auch der Schulleiter und die Abteilungsleiterin für den neuen fünften Jahrgang, Vera Thomas, stehen den Eltern für Fragen zur Verfügung. Wegen des großen Erfolges bietet die AFG erneut eine Bläserklasse an. Zwei Jahre erlernen die Schüler der „Bläserklasse“ ein Orchesterblasinstrument im Klassenverband. Für die neuen fünften Klassen gibt das Schulgesetz die Auswahlkriterien vor, nach denen der Schulleiter entscheiden muss: So wird neben Geschwisterkindern und dem ausgewogenen Verhältnis von Jungen und Mädchen vor allem berücksichtigt, dass Schüler unterschiedlicher Leistungsfähigkeit aufgenommen werden. „Das ist die bewährte Idee der Gesamtschule: Kinder und Jugendliche lernen am besten, wenn die Lerngruppe heterogen ist“, so Dr. Torsten Habbel.

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