Chronik der Schützenbruderschaft St. Georg Hohenholte
Vermögen in Roggen angelegt

Hohenholte -

Der Gegensatz könnte nicht größer sein: Die Schützenbruderschaft St. Georg Hohenholte ist mit 125 Jahren richtig alt – und der (noch) amtierende König Christoph Brocks (22) ist der jüngste König in der langen Vereinsgeschichte. Aber dieser Gegensatz ist auch bezeichnend für die Bruderschaft.

Samstag, 01.06.2013, 11:06 Uhr

Der Gegensatz könnte nicht größer sein: Die Schützenbruderschaft St. Georg Hohenholte ist mit 125 Jahren richtig alt – und der (noch) amtierende König Christoph Brocks (22) ist der jüngste König in der langen Vereinsgeschichte. Aber dieser Gegensatz ist auch bezeichnend für die Bruderschaft. „Sich auf eine 125-jährige Tradition zu besinnen, ist gleichzeitig auch eine Verpflichtung, vorwärts zu blicken und für die Zukunft gerüstet zu sein“, schreibt Vorsitzender Georg Hustert in der Festschrift. Man müsse, „hin und wieder auch Dinge in Frage stellen und sich neu orientieren.“

Beim Blick in die Chronik der Bruderschaft sieht man, dass diese das immer wieder getan hat. Neue Angebote wie die Jahresfahrten oder das Preisschießen mit Partnerinnen wurden eingeführt oder auch mal ein eigener Toilettenwagen gebaut.

Begonnen hat alles vor 125 Jahren: Aus dem Jahr 1888 datiert die erste Nennung eines Schützenkönigs. Schriftführer Theodor Haarmann notierte Franz Wesseler als Schützenkönig. Ihm folgten Franz Döbbeler 1891 und Anton Wessendorf 1890. Und dann war erst mal Schluss – von 1891 bis 1921 haben wohl keine Schützenfeste stattgefunden, heißt es in der Chronik.

Erst 1922 gab es wieder Aufzeichnungen, die Bruderschaft wurde neu ins Leben gerufen, ihr erster Vorsitzender wurde Anton Kurtz. 50 Personen traten ihr bei. Die Vogelstange war damals noch in der Teltheide. Dort holte sich Hubert Kurtz den Königstitel und nahm „Fräulein Paula Austermann“ zur Königin.

Hübsch ist der Hinweis darauf, dass 1923 die Mitgliedsbeiträge rasant stiegen: auf 10 Millionen Mark! Aber keine Sorge, damals herrschte Hyperinflation. Dieser Betrag entsprach dem Preis von vier Glas Bier. Um das gesammelte Geld vor der Entwertung zu retten, wurde es wertbeständig in Roggen oder andere Waren angelegt.

1930 wechselte man den Platz für die Vogelstange, die ihre Heimat auf dem damaligen Hof Spital-Frenking fand, wo sie heute noch steht. Gastgeber ist aber inzwischen bekanntlich die Familie Schulze Tergeist.

Wichtiges Datum: 1932 beschloss die Bruderschaft den Kauf der Vereinsfahne, die bis zum vergangenen Jahr ihren Dienst getan hat und im jetzigen Jubeljahr durch eine neue ersetzt wird.

„Die unselige Nazizeit“, so heißt es in der Chronik, „hinterlässt deutliche Spuren in der Vereinsgeschichte.“ Aus der Schützenbruderschaft musste der „Schützenverein“ werden, der Vorsitzende wurde zum „Vereinsführer“. Und dann kam der Krieg. Von 1940 bis 1948 ruhte das Vereinsleben. 1948 schloss man sich der historischen Bruderschaft an – Schützenvereine waren noch verboten – und nannte sich wieder Schützenbruderschaft St. Georg Hohenholte.

Die Schützen beteiligten sich am Bau des Ehrenmals, das 1950 fertiggestellt wurde und an dem noch heute der Gestorbenen und Gefallenen gedacht wird. 1961 dann ein Problem: Angeblich waren Kutsche und Pferde schwer zu beschaffen. Sollte man ein Cabriolet für die Könige nehmen? Nein, Theodor Imhorst nahm die Sache in die Hand, und so „blieb es Gott sei Dank bei der alten Tradition“, meldet die Chronik.

Deren Autoren, Clemens-August Baumeister, Josef Steltenkamp, Georg Hustert, Thorsten Steltenkamp und Ulrich Daun, berichten noch von vielen Festen, Veranstaltungen und Veränderungen. Wertvolle Hilfe erhielten sie von Maria Außendorf, die sämtliche Protokolle von 1888 an aus Sütterlin in die heutige Schrift übertrug. „Dafür sind wir ihr sehr dankbar“, erklärt Schriftführer Dieter Berning.

Die Chronisten listen in der Festschrift Kaiser, Könige, Vorsitzende, Ehrenmitglieder und viele verdiente Mitglieder auf. Sie erzählen auch von den Königsketten, dem „Stolz der gesamten Bruderschaft“. Weil jeder König eine eigene Plakette mit einem Sinnspruch daran anbrachte („Das schönste Wappen in der Welt ist der Pflug im Ackerfeld“, Bernhard Bruns, 1948), wurden aus einer Kette inzwischen fünf.

Die Chronisten erzählen Anekdoten, zum Beispiel die von den Thekentauchern, die bei Oeding Erdel ausprobierten, wie lange sie im Spülbecken kopfunter die Luft anhalten konnten. Und sie erzählen vom Schützenfest 1997, bei dem Michael Kuhlage den Vogel von der Stange holte, „woraufhin seine Königin Johanna Walzak in Ohnmacht fiel – und ihn später trotzdem heiratete“.

»Das schönste Wappen in der Welt ist der Pflug im Ackerfeld.«

König Bernhard Bruns, 1948

»Man muss hin und wieder auch Dinge in Frage stellen und sich neu orientieren.«

Vorsitzender Georg Hustert
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