Mi., 01.01.2014

Peer-to-Peer-Guides der Anne-Frank-Gesamtschule Führung auf Augenhöhe

Der AFG-Schüler Maurice Richter (stehend) aus Havixbeck hat sich zum Peer-to-Peer-Guide für die Ausstellung „Deine Anne“ ausbilden lassen, die im Haus der Niederlande gezeigt wird.

Der AFG-Schüler Maurice Richter (stehend) aus Havixbeck hat sich zum Peer-to-Peer-Guide für die Ausstellung „Deine Anne“ ausbilden lassen, die im Haus der Niederlande gezeigt wird. Foto: Angelika Fliegner

Havixbeck - 

Für die Anne-Frank-Ausstellung, die im Krameramtshaus in Münster zu sehen ist, haben sich rund 40 junge Menschen zwischen zwölf und 22 Jahren zu sogenannten Peer-to-Peer-Guides ausbilden lassen. Auch vier Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule waren dabei.

Von Angelika Fliegner

Für die Anne-Frank-Ausstellung, die zurzeit im Krameramtshaus in Münster zu sehen ist, haben sich rund 40 junge Menschen zwischen zwölf und 22 Jahren zu sogenannten Peer-to-Peer-Guides ausbilden lassen. Auch vier Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule ( AFG ) Havixbeck führten Gleichaltrige durch die Ausstellung, die sich der Namensgeberin ihrer Schule widmet.

Einer von ihnen ist Maurice Richter . „Hier hat sich Anne Frank mit ihrer Familie und ein paar anderen vor den Nazis versteckt“, erklärt er seinen Mitschülern und bleibt vor der Querschnittszeichnung des Amsterdamer Hinterhauses stehen. „Das waren vielleicht gerade mal 30 Quadratmeter für acht Leute.“ Der Schüler, der die neunte Klasse an der AFG besucht, führt Gleichaltrige durch die Ausstellung „Deine Anne“ im Haus der Niederlande in Münster. Beinahe Ehrensache, wenn es um die Namensgeberin der eigenen Schule geht.

Das Konzept der Ausstellung zielt darauf ab, jugendlichen Besuchern die Geschichte Anne Franks durch gleichaltrige Guides auf Augenhöhe zu vermitteln. „Peer“ ist das Englische Wort für Gleichgestellter. Von der AFG haben sich drei Schüler und eine Schülerin in einem Workshop des Anne-Frank- Zentrums in Berlin zum Ausstellungsführer für Jugendliche ausbilden lassen.

„Das waren zwei Tage von 8 bis 16 Uhr“, so Maurice. „Es war ein bisschen wie Unterricht, aber anders. Man hat freiwillig aufgepasst.“ Der Neuntklässler, der erst nach sanftem Drängen durch seinen Klassenlehrer Peer-to-Peer-Guide wurde, ist nun sichtlich stolz auf seine Vermittlerrolle. Souverän führt er die anderen herum, erklärt, stellt Fragen, gibt Aufgaben und mahnt, wenn es sein muss, seine Mitschüler zur Ruhe. Vertauschte Rollen.

Nils Adolf, ebenfalls Neuntklässler, hat sich freiwillig für die Ausbildung gemeldet, weil ihn das Thema interessierte. Dabei komme das Thema Anne Frank erst nächstes Jahr im Unterricht dran. Nils hat schon ein paar Führungen hinter sich. Manche Klassen seien einfacher durch die Ausstellung zu führen, andere wiederum schwieriger. „Die wissen dann weniger.“

Florian Dechering, der neben Nils am Tisch sitzt und die Ausstellungsbroschüre durchblättert, ergänzt: „Vor der eigenen Klasse ist es einfacher. Da kennt man die Namen und kann jemanden aufrufen.“

Neben den gleichaltrigen Guides sollen viele Fotos, einige Videos und vergleichsweise kurze Texte dazu beitragen, das Thema den Teenagern näherzubringen. Anne Frank, das jüdische Mädchen, das mit der Familie vor den Nazis in die Niederlande floh, dort untertauchte, letztlich verraten wurde und im Konzentrationslager starb, ist den meisten AFG-Schülern ein Begriff. Doch die Ausstellung, die vom Anne-Frank-Zentrum Berlin und dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam konzipiert wurde, ist nicht nur historisch ausgerichtet. Der zweite Bereich ist in der Gegenwart verortet und soll einen Bezug zum Leben der Jugendlichen herstellen. Die Ausstellungsmacher wollen bei den jungen Besuchern ein Bewusstsein dafür schaffen, was Schubladendenken ist, wie Diskriminierung geschieht und was jeder Einzelne dagegen tun kann.

Deshalb steht Irem Karaagac jetzt mit ihrer Gruppe vor dem Modul „Wer bin ich?“ und erklärt: „Ein Mensch hat immer mehrere Eigenschaften. Anne Frank war Jüdin, Deutsche, Jugendliche, Schülerin, Mädchen und Freundin.“ Die Jugendlichen sollen selbst erfahren, was es heißt, aufgrund einer einzelnen Eigenschaft zu Gruppen zugeordnet oder gar ausgeschlossen zu werden. Deshalb bittet Irem sie jetzt, sich nach Alter zu sortieren. „15!“, ruft ein blondes Mädchen, und alle drängen sich um sie. Nur ein Mädchen bleibt außen vor, sie ist schon ein Jahr älter. „Ich möchte hier nicht so alleine rumstehen“, klagt sie. Bei der nächsten Sortierung nach Wohnort gehört sie wieder dazu.

► Die Ausstellung „Deine Anne“ ist noch bis Sonntag (5. Januar) im Haus der Niederlande, Alter Steinweg 6/7 in Münster, zu sehen.

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