Sa., 21.06.2014

Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien Gemischte Gefühle beim Zuschauen

Havixbeck - 

Es ist unglaublich, was dort gerade in diesen Tagen geschieht. Die Polizei geht sehr brutal gegen Demonstranten vor. Viele junge Menschen wurden in den letzten Tagen bei normalen Versammlungen in Recife durch Gummigeschosse der Polizei schwer verletzt.

Von Klaus de Carné

Wenn die deutsche Fußballmannschaft am heutigen Samstag ihr zweites Spiel bei der WM in Brasilien bestreitet, dann sieht die Havixbeckerin Marianne Möller das mit gemischten Gefühlen. Seit über zehn Jahren kümmert sie sich mit einem Projekt um Straßenkinder in der brasilianischen Stadt Recife . Auch dort wurde extra ein Fußballstadion für die Weltmeisterschaft gebaut.

„Es ist unglaublich, was dort gerade in diesen Tagen geschieht. Die Polizei geht sehr brutal gegen Demonstranten vor. Viele junge Menschen wurden in den letzten Tagen bei normalen Versammlungen in Recife durch Gummigeschosse der Polizei schwer verletzt. Die Polizei kennt kein Erbarmen“, erzählt Marianne Möller auf Nachfrage der WN. Sie telefonierte in den vergangenen Tagen mit Demetrius Demetrio , dem Leiter der Einrichtung. Am Mittwoch bekam sie zusätzlich eine E-Mail von einem Freund aus Recife, der auch Bilder mitschickte, die sie aber keinem in Havixbeck zumuten möchte. Der Freund schrieb: „Gestern war ein sehr trauriger Tag für Recife!“

Fußball spielen in Brasilien alle Kinder und Jugendlichen gerne. Das weiß Marianne Möller von ihren Besuchen in Recife. „Aber wer hat denn Zugang zu den Stadien bei diesen Begegnungen der Welt?“, fragt sie sich. Die arme Bevölkerung wohl nicht. Immerhin seien zwölf Stadien gebaut oder umgebaut worden. Viel mehr als von der FIFA vorgegeben worden sei. Schon jetzt stehe fest, dass vier davon später überhaupt nicht mehr benötigt würden. Aber die Regierung des Landes wolle dick auftragen und habe zusätzliche Millionen dafür verbaut. Insgesamt sind mehrere Milliarden für die Stadien ausgegeben worden.

„Die Menschen sehen das nicht ein und demonstrieren deshalb. Es ist kein Geld für Bildung und Förderung von Kindern vorhanden“, so Marianne Möller. Es sei auch nur die Mittelschicht, die demonstriere. Das bildungsferne Volk wisse noch nicht einmal, was da wirklich los sei. Es seien vor einigen Tagen viele Panzer in Recife aufgefahren, um die Menschen zu verängstigen. Die Touristenzentren müssten „sauber“ bleiben, alles andere sei egal.

Auch Kinder aus dem Projekt „Comunidade dos Pequenos Profetas“ (Gemeinschaft der kleinen Propheten) wurden von der Polizei in Recife gejagt. Sie mussten sich verstecken, hat die Havixbeckerin erfahren. Die Mordrate war in Brasilien 1980 sehr hoch, dies sei jetzt wieder so. „Dies führen meine Kontaktpersonen in Brasilien auf die ‚Säuberungsaktionen‘ der letzten Monate zurück“, ist Marianne Möller selber total erschrocken, was alles geschieht während der Fußball-Weltmeisterschaft.

Dabei sei die brasilianische Fußballkultur doch so von Fröhlichkeit begleitet. Die Freude der Menschen sei in Mitten ihrer Armut immer sehr groß gewesen. Im Fernsehen schauen sie sich die Spiele an, die in den großen Stadien ihres Landes stattfinden.

Gegründet wurde das Straßenkinderprojekt 1988. Heute kommen täglich bis zu 100 Kinder in das Haus, um dort Geborgenheit zu spüren und ein Essen zu erhalten. Inzwischen gibt es zwei weitere Häuser auf einem Bauernhof am Rande der Stadt. Dort werden junge Erwachsene beschäftigt, die an einem Drogenausstiegsprogramm teilnehmen. Fußball gehört zur Ablenkung und sportlichen Ertüchtigung der jungen Menschen. „Ich möchte niemandem in Deutschland die WM madig machen, aber die traurige Seite der Medaille dürfen wir nicht vergessen. Diese Fußballweltmeisterschaft wird auf dem Rücken der armen Kinder und Jugendlichen ausgetragen“, gibt die Havixbeckerin zu bedenken.

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