Sa., 10.01.2015

Anne-Frank-Gesamtschule Havixbeck Gymnasialschüler auf die Gesamtschule?

Pragmatisch geht es an der AFG häufiger zu: Während der letzten Projektwoche haben Schüler mit dem Institut für Geoinformatik der Uni Münster ein Modell für die „smarte City“ Havixbeck gebaut.

Pragmatisch geht es an der AFG häufiger zu: Während der letzten Projektwoche haben Schüler mit dem Institut für Geoinformatik der Uni Münster ein Modell für die „smarte City“ Havixbeck gebaut. Foto: Klaus de Carné

Havixbeck - 

Viertklässler und ihre Eltern machen sich in diesen Wochen wieder Gedanken, wie es mit der Schullaufbahn weitergehen soll. Die Frage, welche Schule es sein könnte, ist nicht immer einfach zu beantworten. WN-Redakteur Klaus de Carné sprach mit dem Schulleiter der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG), Dr. Torsten Habbel, über die Havixbecker Gesamtschule.

Dr. Habbel , in vier Wochen beginnen die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen. Viele Eltern sind unsicher, wo sie ihr Kind anmelden sollen. Was antworten Sie ihnen?

Habbel: Melden Sie ihr Kind an der richtigen Schule an, am besten an der AFG .

Wie begründen Sie Ihre Empfehlung?

Habbel: Die Schullandschaft in der Baumberge-Region verändert sich. Real- und Hauptschulen lösen sich weitgehend auf. Kinder mit entsprechenden Empfehlungen können an der Gemeinschaftsschule, an den Sekundarschulen oder an unserer Gesamtschule angemeldet werden. Eltern entscheiden sich in den letzten Jahren zunehmend für die Schule des jeweiligen Heimatortes. So ersparen sie ihren Kindern lange Busfahrten, Freundschaften können so leichter erhalten bleiben. Ich bestärke Eltern in dieser Entscheidung.

Und bei Kindern mit einer Empfehlung für das Gymnasium? Was raten Sie ihnen?

Habbel: Das Gleiche!

Aber die AFG steht in Konkurrenz zu den Gymnasien in Münster und einige Eltern melden ihr Kind dort an. Es scheint so, dass manche Havixbecker Eltern dem Gymnasium den Vorzug geben.

Habbel: Eltern wollen die beste Schulbildung für ihr Kind, das ist selbstverständlich. Viele Havixbecker arbeiten in Münster oder sind selbst in Münster zu Schule gegangen. Daran knüpfen einige an und wählen für ihr Kind eine Schule in Münster.

Dennoch werben Sie auch um diese Jungen und Mädchen. Warum sollen Kinder mit einer Gymnasialempfehlung zur AFG gehen?

Habbel: Weil die Gesamtschule selbstverständlich ebenfalls das Abitur ermöglicht. Unsere Oberstufe ist größer als die vieler Gymnasien und in den letzten Jahren konnten wir einigen Schülern das Abiturzeugnis mit der Spitzennote von 1,0 überreichen.

Das Abitur ist für die jungen Schüler aber noch weit weg?

Habbel: Zum Glück! An unserer Schule sogar 9 Jahre und nicht, wie beim Gymnasium, „nur“ 8 Jahre. Dies ist übrigens auch ein entscheidender Grund für Eltern, ihre Kinder mit einer Gymnasialempfehlung bei uns anzumelden. Diese Eltern gönnen ihren Kindern mehr Zeit zum Lernen. Mit G8 haben vor allem Jungen ein Problem, da sie mit 17 Jahren vielleicht das Abitur in der Tasche haben, aber nicht wissen, was sie damit machen sollen. Zum Studium fühlen sich viele zu jung und für ein Jahr im Ausland sind sie noch nicht volljährig und daher eingeschränkt in ihren Möglichkeiten.

Sie sprechen mögliche Probleme an, die Kinder am Gymnasium haben können. Aber was spricht für eine Anmeldung an der Gesamtschule? Ist es nicht besser, wenn Kinder, die leichter lernen können, in einer möglichst homogenen Klasse im Gymnasium gemeinsam unterrichtet werden?

Habbel: Die Frage ist mir vertraut. Zum einen: Mehr als die Hälfte unserer Schüler können das Abitur erreichen und mit zunehmendem Alter fassen wir diese Schüler auch zusammen. Aber die Heterogenität, also die Verschiedenheit, hat auch entscheidende Vorteile.

Das müssten Sie mal genauer erläutern!

Habbel: Der Unterricht ändert sich. Bis Pisa ging es vor allem darum, Schülern Unterrichtsinhalte zu vermitteln. Die neuen Kernlernpläne, die es auch an Gymnasien gibt, verlangen jedoch weitaus mehr. Ich verdeutliche dies am Fach Mathematik: Das Rechnen rückt mehr und mehr in den Hintergrund, dies übernehmen Taschenrechner und Computer. Heute müssen Schüler verschiedene Lösungswege entdecken und die Unterschiede diskutieren. Sie sollen begründen können, warum ein bestimmtes mathematisches Modell die Wirklichkeit besser darstellt als ein anderes. Wenn nun alle Schüler gleich begabt sind, fehlt ihnen die Motivation, sich dieser Mühe zu stellen. Der Mitschüler hat es ja bereits verstanden. In heterogenen Lerngruppen fragen die schwächeren Schüler jedoch genau nach und die besseren Schüler sind quasi gezwungen, mathematisch sauber zu argumentieren, zu erläutern und zu überzeugen. Und genau diese Fähigkeit verlangt jeder moderne, kompetenzorientierte Unterricht.

Wie garantieren Sie, dass die AFG auch gymnasiales Niveau erreicht?

Habbel: Zum einen ist natürlich jedes Gymnasium verpflichtet, auch seinen Schülern das Wissen von Haupt- und Realschulen zu vermitteln. Es geht hier also um das Mehr einer gymnasialen Schulbildung. Zum anderen: Mehr als die Hälfte meiner Kollegen unterrichtet auch in der gymnasialen Oberstufe, nicht wenige kommen vom Gymnasium. Sie wissen, wohin sie ihre Schüler führen müssen und dies gelingt ihnen mit großem Erfolg. Dies zeigt das Abschneiden unserer Schüler bei allen zentralen Prüfungen. Zudem sorge ich als Schulleiter dafür, dass unsere Oberstufenlehrer gemeinsam mit Kollegen aus der Unter- und Mittelstufe in jedem Jahrgang alle Schulabschlüsse im Blick haben. Diese Durchmischung hat sich als sehr sinnvoll erwiesen. Als ein weiteres Argument für eine Förderung der Schüler, die sich mit dem Lernen leichter tun, spricht das breite Angebot an Wettbewerben, an denen unsere Schüler teilnehmen.

Was spricht noch für die Gesamtschule, was ein Gymnasium nicht so leicht bieten kann?

Habbel: Zwei Aspekte möchte ich ergänzend nennen: G9 ermöglicht ein erweitertes Fächerangebot. An der AFG unterrichten wir Hauswirtschaft und Technik, die Schüler lernen also auch mit den Händen, mit Kopf, Herz und Verstand. Wer das Abitur anstrebt, will oftmals studieren. Akademiker besetzen häufig Führungspositionen, in denen sie mit Menschen zusammenarbeiten, die nicht studiert haben, die einen anderen Zugang zu Problemen haben. An der AFG erwerben Schüler von Anfang an Sozialkompetenzen, die ihnen den Umgang mit verschieden begabten Mitarbeitern erleichtern können.

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