Mi., 22.04.2015

Ruth Weiss in der AFG Engagiert gegen Rassismus

Als Zeitzeugin wurde Ruth Weiss (Mitte) von den Englischlehrerinnen Katharina Karsch (l.) und Bärbel Zimmer (r.) zu einer Schulstunde in der Anne-Frank-Gesamtschule begrüßt.

Als Zeitzeugin wurde Ruth Weiss (Mitte) von den Englischlehrerinnen Katharina Karsch (l.) und Bärbel Zimmer (r.) zu einer Schulstunde in der Anne-Frank-Gesamtschule begrüßt. Foto: Niklas Bilk

Havixbeck - 

Ruth Weiss war zu Gast an der Anne-Frank-Gesamtschule. Die 90-Jährige berichtete von ihrem Kampf gegen Apartheid und Rassismus.

Mit auf eine Zeitreise nahm die aus Fürth bei Nürnberg stammende Ruth Weiss (90) rund 50 Schülerinnen und Schüler der Leistungskurse Englisch des zwölften Jahrgangs der Anne-Frank-Gesamtschule ( AFG ). Inzwischen ist es fast 80 Jahre her, dass der Vater von Ruth Weiss die Notwendigkeit sah, so schnell wie möglich das judenfeindliche Deutsche Reich zu verlassen und nach Südafrika auszuwandern. Was Ruth Weiss dort im Alter von zwölf Jahren erlebte, welche Formen von Diskriminierung in der Apartheidspolitik sie kennenlernte und wie sie den Kampf gegen den Rassismus in der Zeit des British Commonwealth, Nachfolger des British Empire, angegangen ist, davon berichtete sie in zwei Schulstunden. Der Englischunterricht mit einer Zeitzeugin war der Höhepunkt der Unterrichtsreihe der abiturrelevanten Themen „British Empire“ und Kolonialismus und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Schulleiter Dr. Torsten Habbel sowie die Lehrerinnen Bärbel Zimmer und Katharina Karsch begrüßten Ruth Weiss an der Schule. Aus dem Unterricht sei den angehenden Abiturienten der Kolonialismus vertraut, erläuterte Karsch. Doch aus erster Quelle Informationen zu bekommen, das sei immer noch etwas anderes.

Gespannt hörten die Oberstufenschüler der Zeitzeugin zu. Bereits mit zwölf Jahren lernte sie in Südafrika an einer Schule die Sprache Afrikaans, die Sprache der Buren, und Englisch, die Sprache der Kolonialherren, die sich im Jahr 1910 darauf einigten, zwei Burenrepubliken und zwei britische Kolonien zusammenzuführen, um die Union – ab 1961 die Republik – von Südafrika zu gründen. Bald schon machte Ruth Weiss erste Erfahrungen mit der rechtsgerichteten „National Party“ der Buren und deren Apartheidspolitik, der gesetzlichen Rassentrennung.

Ruth Weiss wollte nicht wegschauen. Sie schrieb gegen das Unrechtsregime an – nicht ungestraft. In Südrhodesien, heute Zimbabwe, wurde sie als „persona non grata“ deklariert, in Südafrika wurde sie auf eine schwarze Liste gesetzt. Doch das hinderte sie nicht daran, ihren Kampf gegen Rassismus und Apartheid fortzusetzen, „aus Liebe“, wie sie sagte, „zu den Menschen in Afrika“. Schwarzafrikanische Frauen sahen sie als „Schwester“ an.

Ihre Eindrücke und Erlebnisse hielt Ruth Weiss später in ihrem Roman „Meine Schwester Sara“ fest, ein Buch, das noch heute in vielen Schulen gelesen wird.

Zum Thema

Dieser Bericht wurde von Niklas Bilk und Leonie Reckers, Schüler des Pressekurses der Anne-Frank-Gesamtschule, in Zusammenarbeit mit unserer Zeitung verfasst.

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Das Thema Kolonialismus ist den angehenden Abiturienten vertraut. Aber Informationen aus erster Quelle zu bekommen, das ist immer noch etwas anderes.

Lehrerin Katharina Karsch

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