Di., 01.11.2016

Zivilcourage Einmischen erfordert Mut

In einem Linienbus spielten Stefanie Steinbrink und Matthias Meffert von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück eine Szene, in die die Schüler sich einmischen sollten.

In einem Linienbus spielten Stefanie Steinbrink und Matthias Meffert von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück eine Szene, in die die Schüler sich einmischen sollten. Foto: Maxi Krähling

Havixbeck - 

Im theaterpädagogischen Projekt „Dreist“ befassten sich Siebtklässler der Anne-Frank-Gesamtschule gemeinsam mit Schauspielern der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück mit dem Thema Zivilcourage.

Von Maxi Krähling

Was hätten Sie getan? Im Bus wird eine junge Frau mit Kopftuch von zwei offenbar alkoholisierten Männern angesprochen, beschimpft und bedrängt. In einer anderen Situation pöbelt ein Mädchen einen Jungen aufs Heftigste an, nimmt ihm schließlich sein Handy ab. Vielleicht hätten Sie eingegriffen, aber wie?

Mit dieser Frage beschäftigten sich Siebtklässler der Anne-Frank-Gesamtschule ( AFG ). Es ging um Zivilcourage und darum, wie diese in angemessenem Maße in Gewaltsituationen einzusetzen ist – und das auf engstem Raum. Denn die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück , die mit den Schülern zum Thema Zivilcourage und Sich-Einmischen arbeitete, war mit ihrer Bühne direkt auf den Schulhof der AFG vorgefahren. Ausschließlich in einem Linienbus fand das theaterpädagogische Projekt „Dreist“ statt.

„Die Kinder steigen völlig unvorbereitet ein. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt. Wir spielen dann eine Szene und schauen uns die Reaktionen der Schüler an“, erklärte Markus Brockmeyer von der Theaterwerkstatt.

Am Anfang lachten die Schüler noch, als die betrunkenen Männer das Mädchen mit Kopftuch als „verpackten Döner“ titulierten. Es ist ja nur Theater. Aber je aggressiver die verbalen Attacken wurden, desto ernster und erschrockener wurden die Gesichter der Schüler. War das doch kein Theater? Richtig einzugreifen traute sich keiner. „Wir spielen so lange, bis die Kinder eingreifen. Passiert das nicht, gibt es eine Stopp-Szene. Danach besprechen wir mit den Schülern was passiert ist, warum keiner eingegriffen hat, was man tun kann“, sagte Brockmeyer.

Das Richtige zu tun in einer solchen Situation, erfordert Mut und ist nicht leicht. „Die dichte Atmosphäre im Bus unterstützt das oft noch“, sagte der Theaterpädagoge. Deshalb gab es den Tipp an die Schüler, sich um das Opfer zu kümmern, den Täter links liegen lassen. „Es bringt nichts, den starken Mann zu markieren und ein blaues Auge zu riskieren“, erklärte Brockmeyer. Denn die Täter seien bereits gewaltbereit.

Sich in einer solchen Situation verbal einzumischen und die Täter in ähnlicher Weise zu beleidigen, lenke höchstens von ihrem ersten Opfer ab. „Haltet immer mindestens eine Armlänge Abstand und kümmert euch zuerst um das Opfer. Bietet der Person zum Beispiel einen Platz neben euch an, damit sie aus der Situation herauskommt“, erläuterte Brockmeyer.

Als die Szene ein zweites Mal gespielt wurde, klappte das Eingreifen schon besser. Je nach der Art des Einmischens brachen Brockmeyer und seine Theaterkollegen Stefanie Steinbrink und Matthias Meffert die Szene an unterschiedlichen Stellen ab und sprachen die Reaktionen der Schüler durch.

„Zivilcourage ist für die Schüler kein Fremdwort. Nur die Vorstellung, wie zu helfen ist, ist ganz unterschiedlich“, resümierte Brockmeyer. Das theaterpädagogische Projekt „Dreist“ fand im Rahmen des „Kulturrucksackes NRW“ statt.

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