Mi., 04.11.2015

Anne-Frank-Gesamtschule Havixbeck „Abgestempelt und aussortiert“

Zur Erinnerung an Paul Wulf steht in Münster eine Statue. Die AFG-Schülerinnen (v.l.) Leona Gawinski, Pia Schleicher, Marlena Grab und Paula Averkamp befassten sich mit seiner Biografie.

Zur Erinnerung an Paul Wulf steht in Münster eine Statue. Die AFG-Schülerinnen (v.l.) Leona Gawinski, Pia Schleicher, Marlena Grab und Paula Averkamp befassten sich mit seiner Biografie. Foto: AFG

Havixbeck - 

„Abgestempelt, aussortiert, ermordet“ – dies ist der Titel einer Facharbeit über Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus, die Marlena Grab, Leona Gawinski, Pia Schleicher und Paula Averkamp zum Geschichtswettbewerb des Deutschen Bundespräsidenten eingereicht haben.

„Abgestempelt, aussortiert, ermordet“ – dies ist der Titel einer Facharbeit über Menschen mit Behinderung im Nationalsozialismus , die Marlena Grab , Leona Gawinski, Pia Schleicher und Paula Averkamp zum Geschichtswettbewerb des Deutschen Bundespräsidenten eingereicht haben. Erfreut lasen die Mädchen jetzt in einem Brief, dass ihre Arbeit von der Jury ausgezeichnet und mit einem Geldpreis prämiert wurde.

Auch Schulleiter Dr. Torsten Habbel zeigte sich erfreut über diesen Erfolg: „In einer Zeit, in der alle selbstverständlich von Inklusion reden, ist es für Schüler der AFG genauso wichtig, sich mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen, als man in Deutschland völlig anders dachte und handelte.“

In der 30-seitigen Arbeit wird das Schicksal der Behinderten im Nationalsozialismus beschrieben. Sie waren anders, wurden Außenseiter und schließlich aussortiert und ermordet. Marlena Grab: „Heutzutage ist es normal, dass Behinderte zur Schule gehen. Man versucht die Menschen zu integrieren und sie so zu behandeln, dass sie in die Gesellschaft aufgenommen werden. Im Dritten Reich war dies komplett anders.“

Bis zur Machtergreifung Hitlers lebten Behinderte in ihren Familien oder in Wohneinrichtungen. Doch als die Zeit des Nationalsozialismus begann, änderten sich ihre Lebensumstände. Plötzlich galten Behinderte nicht mehr nur als anders, sie wurden zu Außenseitern, bis sie schließlich verfolgt, ausgeschlossen und sogar getötet wurden.

Pia Schleicher: „Sie waren ein Dorn im Auge, eine Störung beim Aufbau eines perfekten Volkes, beleidigt mit erniedrigenden Namen und bloßgestellt mit einer erbarmungslosen Propaganda.“ Viele hatten keine Überlebenschancen. Sie wurden aus ihren Familien gerissen und ihr Zuhause wurde ihnen für immer genommen.

„Wer anders war, wurde ausgegrenzt. Wer Außenseiter war, wurde misshandelt, zwangssterilisiert oder ermordet“, weiß Marlena Grab zu berichten. In der Arbeit wird das Thema zunächst allgemein und theoretisch bearbeitet. Die Rassenhygiene der Nationalsozialisten wird beschrieben, Zwangssterilisierungen und Vernichtungsaktionen werden erklärt – ein schockierendes Kapitel, wie die Schülerinnen selbst anmerken.

Die Arbeit bleibt nicht bei der Beschreibung der Fakten. Anhand von Menschen aus Münster lassen die AFG-Schülerinnen die damalige Zeit lebendig werden: Der Münsteraner Paul Wulf wurde ein Opfer der rassenhygienischen Aktion der Nationalsozialisten. Karl Wilhelm Jötten war Arzt und Täter, ein Anhänger der rassenhygienischen Politik. Und Clemens August Kardinal Graf von Galen, Bischof von Münster, klärte die Menschen über die Euthanasie auf, setzte sich für die Behinderten ein und konnte so Schlimmeres verhindern.

Das Fazit der Schülerinnen fällt eindeutig aus: „Wichtig ist unserer Meinung nach, dass die Grausamkeiten der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten. Menschen mit Behinderungen dürfen nie mehr so behandelt werden.“

Zum Thema

Die komplette Arbeit kann im Internet gelesen werden.

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