Do., 26.01.2017

Schlussstrich oder Erinnerung? „Havixbecker Heimatbriefe“

Zur Vorstellung der Arbeit „Havixbecker Heimatbriefe“ kamen zusammen (v.l.) AFG-Schulleiter Dr. Torsten Habbel, Verfasser Lukas Becker, Dr. Joachim Eichler (Archiv), Lehrerin Dagmar Wissel-Hingler und Friedhelm Brockhausen (Heimatverein).

Zur Vorstellung der Arbeit „Havixbecker Heimatbriefe“ kamen zusammen (v.l.) AFG-Schulleiter Dr. Torsten Habbel, Verfasser Lukas Becker, Dr. Joachim Eichler (Archiv), Lehrerin Dagmar Wissel-Hingler und Friedhelm Brockhausen (Heimatverein). Foto: Klaus de Carné

Havixbeck - 

Anlässlich des offiziellen internationalen Gedenktags für die Opfer des Holocausts, der am morgigen Freitag (27. Januar) stattfindet, stellte die Anne-Frank-Gesamtschule eine Facharbeit vor, die im Projektkursus „Schlussstrich oder Erinnerung – zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit unserer NS-Vergangenheit“ erstellt wurde.

Von Klaus de Carné

„Es ist das erste Mal, dass sich ein Schüler diese nicht ganz einfache Aufgabe ausgesucht hat, über die Havixbecker Heimatbriefe eine Facharbeit zu schreiben“, berichtet Fachlehrerin Dagmar Wissel-Hingler. Sowohl das Thema, als auch das Arbeiten im Archiv sei teilweise müßig gewesen, aber durch die Mithilfe von Dr. Joachim Eichler und Heimatvereinsvorsitzenden Friedhelm Brockhausen erfolgreich geworden.

„Ich habe dieses Thema gewählt, da die Heimatbriefe einen einzigartigen Einblick in die Geschichte Havixbecks während der Zeit des Nationalsozialismus bieten und auch die ideologische Gesinnung von Havixbeckern zu dieser Zeit offenbaren“, so Lukas Becker , der im letzten Jahr das Abitur an der AFG abgelegt hat. Ein weiterer großer Anreiz für den Schüler aus Laer war, dass es sich bei seiner Arbeit mit den Havixbecker Heimatbriefen um eine der ersten wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit dieser bedeutenden historischen Quelle handelt.

Worum geht es bei den „Havixbecker Heimatbriefen“? „Die Briefe wurden von den NSDAP-Ortsgruppen Havixbeck und Hohenholte herausgegeben und mit der Feldpost an die Soldaten zur Front verschickt“, erklärt Lukas Becker. Ihm lagen zur Begutachtung zwei Briefe und mehrere Ausgaben der Zeitungsheimatbriefe aus den Jahren 1940 bis 1944 vor. „Sie wurden wohl 1944 eingestellt, da gegen Ende des Krieges Papier extrem knapp wurde in Deutschland und Zeitungen und Bücher nicht mehr gedruckt wurden“, hat Lukas Becker während seiner Nachforschungen festgestellt. Dieses Schicksal habe wahrscheinlich auch die Heimatbriefe ereilt, da es keinerlei Hinweise mehr auf weitere Heimatbriefe nach Nummer 31 gegeben habe.

Die Heimatbriefe beinhalteten Berichte über das alltägliche Leben im Dorf, Veranstaltungen der Ortsgruppe, Gefallenen-Meldungen, Kurzgeschichten auf Plattdeutsch und nationalsozialistische Propaganda. „Oftmals handelte es sich um Durchhalteparolen von zu Hause“, erzählt Dagmar Wissel-Hingler, die mit großem Interesse die Ausarbeitungen ihres Schülers gelesen hat.

Auch Soldaten an der Front kamen in den kleinen Briefen und wie Zeitungen aufgemachte Blätter zu Wort. „Soeben konnte ich den ersehnten Heimatbrief in Empfang nehmen. Für uns Soldaten ist der Brief doch immer noch die beste Nachricht, die uns über alles in der Heimat unterrichtet. Man hört von Schulkameraden, die man seit Monaten oder Jahren nicht mehr gesehen hat“, schreibt ein Havixbecker Soldat unter der Rubrik „Hier spricht die Front“.

„Die Heimatbriefe sind für die Erinnerung an den Nationalsozialismus in Havixbeck von unschätzbarem Wert“, hat Lukas Becker festgestellt. Viele Informationen über das Leben in Havixbeck aus der Zeit seien dort zu bekommen. Man könne gut nachvollziehen, wie die Ideologie der NSDAP in Havixbeck und unter den Soldaten verbreitet worden sei. „Zudem machen die Briefe deutlich, wie anfällig die Menschen in kleineren Gemeinden wie Havixbeck für die Nazipropaganda waren“, verdeutlicht Becker.

Die Erinnerung an die Zeit sei deshalb so wichtig, damit Faschismus heute keine Chancen mehr haben sollte. Gleichzeitig hat sich Lukas Becker gefragt, ob es in der heutigen Zeit möglich sei, durch Propaganda andere Menschen zu beeinflussen. „Wir müssen aus den Fehlern lernen und heute propagierte Meinungen und Ideen immer wieder kritisch hinterfragen“, meint Lukas Becker.

► Die komplette Arbeit wird in Kürze in der Schul- und Gemeindebibliothek für die Ausleihe bereitgestellt.

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