Lehrerfortbildung in Mathematik
Rechenschwäche oft Tabuthema

havixbeck -

40 Lehrerinnen und Lehrer aus Gymnasien, Gesamt-, Sekundar-, Real- und Hauptschulen der ganzen Bezirksregierung Münster trafen sich über ein Jahr in der Anne-Frank-Gesamtschule in Havixbeck und konnten nun als Ansprechpartner für das Thema Rechenschwäche zertifiziert werden.

Donnerstag, 25.01.2018, 19:00 Uhr

Nur knapp die Hälfte der Mathematiklehrer konnten beim Sturm am vergangenen Donnerstag zur Zertifikatsübergabe nach Havixbeck kommen. Beatrix Hieber (r.) vom Kompetenzteam Coesfeld, Prof. Dr. Sebastian Wartha und Hans Bröskamp neben Bettina Schwenker als Moderatoren des Kurses.
Nur knapp die Hälfte der Mathematiklehrer konnten beim Sturm am vergangenen Donnerstag zur Zertifikatsübergabe nach Havixbeck kommen. Beatrix Hieber (r.) vom Kompetenzteam Coesfeld, Prof. Dr. Sebastian Wartha und Hans Bröskamp neben Bettina Schwenker als Moderatoren des Kurses. Foto: AFG

Erstaunlich hoch, nämlich 40 Prozent, ist der Anteil aller Schüler und Schülerinnen in Deutschland, die die Schule nach der zehnten Klasse verlassen und auf dem Niveau eines Fünftklässlers rechnen. Die Hälfte dieser Schüler kommt über das Grundschulniveau in Mathematik nicht hinaus. Diesem oftmals tabuisierten Problem stellte sich eine Fortbildungsreihe zur „Förderung rechenschwacher Schüler“, die von Prof. Dr. Sebastian Wartha von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe geleitet und vom Kompetenzteam Kreis Coesfeld begleitet wurde. Das Kompetenzteam Kreis Coesfeld berät und unterstützt Schulen und bietet bedarfsorientiert Fortbildung in den Programmen der Fortbildungsinitiative an.

Grundlage für die Förderung von Schülern mit Rechenschwäche bildet eine fundierte Diagnose. „Viele vermuten“, beobachtet Prof. Wartha, „dass Schüler nur die richtige Technik lernen müssten, um beim Rechnen keine Fehler mehr zu machen. Das stimmt jedoch so nicht!“ So könnten die betroffenen Schüler vielleicht mit viel Mühe 59 minus 13 rechnen, aber sie könnten das Subtraktionsverfahren nicht auf die Aufgabe 59 minus 17 übertragen.

„Schülern mit Rechenschwäche fehlt ein Gefühl für den Umgang mit Zahlen, weil sie über keinen ausreichenden Zahlbegriff verfügen. Sie kennen drei Äpfel, aber die Zahl 3 ist zu abstrakt. Folglich haben sie keine notwendige Grundvorstellung zum Umgang mit Zahlen ausgebildet“, so Prof. Wartha. Daher helfe den Schülern das alleinige Ergebnis nicht weiter. „Die Aufgabe der Lehrkräfte besteht darin, Mathematik verstehens- und prozessorientiert zu vermitteln, denn Mathematik lässt sich nicht auf eine Anwendung technischer Verfahren reduzieren“, bringt der Wissenschaftler die Problematik auf den Punkt.

Die Fortbildungsreihe setzte sich zur Aufgabe, Lehrerinnen und Lehrer für diesen Zugang fit zu machen. In drei Bausteinen an zwölf über das Jahr verteilten Tagen wurde den Lehrern der Zusammenhang zwischen Rechenstörungen und den zugehörigen mathematischen Inhalten verdeutlicht.

Begleitend zu diesen theoretischen Inputs arbeiteten alle Lehrer an ihren Schulen wöchentlich in Kleingruppen mit maximal vier betroffenen Kindern. So konnten die Lehrer ihre erworbenen Kompetenzen direkt anwenden und diese mit anderen Kursteilnehmern in regionalen Treffen austauschen. Die Vor- und Nachbereitungen des Förderunterrichts wurden dokumentiert und reflektiert. Die wissenschaftliche Begleitung der Zertifizierungsreihe übernahm die pädagogische Hochschule Karlsruhe unter der Leitung von Prof. Wartha.

Der außerordentliche Stellenwert dieser Fortbildung wurde auch bei Übergabe der Zertifizierungsurkunden deutlich. So war neben den Moderatoren Bettina Schwenker und Hans Bröskamp auch die Co-Leiterin des Kompetenzteams Coesfeld, Beatrix Hieber, zugegen. Leider wütete das Sturmtief Friederike über NRW und so schafften nur einige Absolventen am vergangenen Donnerstag den Weg nach Havixbeck.

„Auch wenn der Zertifizierungskurs hochkarätig akademisch besetzt ist, so findet er nicht in der Universität statt, sondern in der Schule. Denn hier ist Ihr Ort, hier erleben Sie täglich Ihre Schüler“, begründete Schulleiter Dr. Torsten Habbel die Ortswahl.

Mit der Zertifizierung in der Tasche kehren nun die Lehrer in ihre Schulen zurück, können qualifizierten Förderunterricht erteilen aber auch als Multiplikatoren andere Kollegen unterstützen.

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