Auschwitz-Gedenktag
Erinnerungen an „Stille Helden“

Havixbeck -

Schüler und Schülerinnen der Anne-Frank-Gesamtschule Havixbeck beschäftigten sich mit dem Holocaust und präsentierten ihre Ergebnisse.

Montag, 29.01.2018, 19:01 Uhr

Erinnerten an „Stille Helden“:  die Schüler Eric Nettels und Beyza Caput (vorne) sowie (hinten v. l.) Kirsten Stenzel, Stefan Mühlenbeck, Lara Krug und Wiebke Holzberg.
Erinnerten an „Stille Helden“:  die Schüler Eric Nettels und Beyza Caput (vorne) sowie (hinten v. l.) Kirsten Stenzel, Stefan Mühlenbeck, Lara Krueg und Wiebke Holzberg. Foto: Ulla Wolanewitz

In den vergangenen Wochen widmete sich eine Schülergruppe der Anne-Frank-Gesamtschule den „Stillen Helden“, die sich dem Nazi-Regime widersetzten und dadurch viele Menschenleben retteten. Das eindrucksvolle Ergebnis präsentierten sie am Sonntag den 50 Gästen, die in die Schul- und Gemeindebibliothek gekommen waren.

Anlass war der Auschwitz-Gedenktag, den der damalige Bundespräsident Roman Herzog 1996 für den 27. Januar initiiert hat. „Wir sind mit Auschwitz verbunden über das Schicksal, das Havixbecker Bürgern widerfahren ist“, machte Dr. Christa Degemann-Lickes vom Friedenskreis der AFG in ihren Begrüßungsworten deutlich.

Der Pädagoge Henning Winter hatte zur Einstimmung einen Titel der Politrockband „ Ton Steine Scherben “ ausgewählt. „´Mein Name ist Mensch` ist ein Stück gegen Rassismus“, erklärte der Gitarrist.

Anschließend trug Stefan Mühlenbeck die Überlebensgeschichte von Marga Spiegel und ihrer Familie vor, die unter anderem 2009 unter dem Titel „Unter Bauern“ im Kino zu sehen war. Marga Spiegel war die Tante von Paul Spiegel, der in den 2000er-Jahren sechs Jahre Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland war. Mehrere Bauernfamilien im Münsterland versteckten Marga und Siegmund Spiegel mit ihrer Tochter von 1943 bis 1945 und bewahrten sie so vor der Deportation.

Nicht immer waren es nur christliche Beweggründe, aus denen heraus sich Menschen für ihre jüdischen Mitmenschen einsetzten. Bei Otto Weidt dürfte es sehr wohl auch eine politische Motivation gewesen sein. Die AFG-Schüler beleuchteten auch das Leben des gebürtigen Rostockers, der sich in jungen Jahren in der anarchistischen Arbeiterbewegung engagierte. Später als Unternehmer – mit einer Werkstatt für Bürsten und Besen – beschäftigte er blinde, gehörlose und taubstumme Juden in seiner Berliner Werkstatt. Otto Weidt gelang es oft, sich der Gestapo zu widersetzen und so seine Mitarbeiter vor Deportation und Tod zu retten.

Insgesamt – so die Recherche der Schülerinnen und Schüler – sind 3800 Personen und 20 000 Helfer bekannt, die ihre Handlungsspielräume nutzten und sich mit ihrem Leben für andere einsetzten.

Wenig bekannt sein dürfte, dass im Zweiten Weltkrieg 2000 Juden in Albanien Zuflucht fanden. Entscheidend dafür war „Besa“, ein Ehrenkodex, der das Versprechen beinhaltet, seinen Gast zu schützen. Und weil die Albaner das taten, gilt Albanien als das einzige von Deutschen besetzte Land in Europa, das nach 1945 mehr Juden hatte als vorher.

Auch gab es muslimische Menschenretter, die sich während des Holocaust für ihre Mitmenschen einsetzten. Dazu gehörten ein algerischer Geschäftsmann aus Paris sowie auch der damalige Leiter des iranischen Konsulats, Abdul Hassain Sarderi. Anders als Otto Weidt erhielten diese beiden Männer noch keine Ehrung aus dem Yad Vashem in Jerusalem, weil bislang zu wenig Beweise für ihr gutes Tun vorliegen. In ihrem „Garten der Gerechten unter den Völkern“ ehrt diese Gedenkstätte mit Namenstafeln die nicht jüdischen Märtyrer und Helden. Darunter sind auch 70 muslimische „Stille Helden“ zu finden.

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