Havixbeck
Di., 24.08.2010
Freundschaften für das ganze Leben
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Havixbeck - Ameisen auf dem Barfußgang und Wespen um die Pflaumentorten im Café herum sind noch lange nicht die einzigen Tiere, die im Stift Tilbeck für Furore sorgen. Im Gegenteil. Neben den Quälgeistern gibt es einen ganzen Streichelzoo von liebenswerten Zwei- und Vierbeinern, die Bewohnern wie Betreuern unerhört viel Lebensfreude vermitteln. Dies geschieht nahezu unmerklich, weil langwierig, in therapeutischer Hilfe, aber auch mit spürbar beruhigender Liebe beim Streicheln.
Tiere in Tilbeck. Was in der Altenhilfe schon seit langem und erfolgreich Bestandteil unterschiedlichster pädagogischer Konzepte ist, nutzen die Verantwortlichen im Stift für Behinderte und Demenzkranke. Die Ergebnisse geben ihnen recht: „Tiere fördern soziale Kontakte, bringen Abwechslung und bereiten Freude“, so Svenja Schmidt, Assistentin der Geschäftsführung. „Besonders beeindruckend sind die Begegnungen zwischen demenzkranken Menschen und Tieren. Während Familienangehörige und Pflegepersonal oft keinen Zugang mehr zu den Betroffenen finden, die scheinbar versunken in ihrer eigenen Welt leben, sind Tiere so etwas wie „Türöffner“ in diese Welt.
„Anfang der Achtzigerjahre gab es im Stift Tilbeck ein Pony und ein paar Hühner“, erinnert sich Uwe Christmann, der ehemalige Leiter des Freizeitbereichs. Damals war es noch nicht möglich, dass die Bewohnerinnen und Bewohner Tiere in der Wohngruppe hielten. Somit wurde das Tiergehege genutzt, um die Menschen mit Behinderung in Kontakt mit Tieren zu bringen. Nicht nur das Streicheln und Füttern stand dabei im Mittelpunkt. Mit Brutapparaten gab es die Möglichkeit, beim Abendspaziergang zu schauen und mitzuerleben, wie Eier ausgebrütet wurden, Küken schlüpften und zu Hühnern heranwuchsen.
In den ersten Jahren wurde die Versorgung der Tiere noch ständig von den Bewohnerinnen und Bewohnern durchgeführt. Da ihnen altersbedingt die Arbeit zu schwer wurde, haben inzwischen Andreas und Claudia Rüther die tägliche Versorgung übernommen. Doch einmal im Monat trifft sich auch heute noch die Tierpflegegruppe, um unter Leitung von Marie Stiegemann das Großreinemachen der „Tilbeck-Arche“ mit etwa 20 Hühnern, zwei stattlichen Gockeln, sechs Gänsen, fünf Ziegen, etlichen Kaninchen, Meerschweinchen und diversen fliegenden Volieren-Bewohnern in Eigenregie zu erledigen.
„Die Versorgung der Tiere ist eine wichtige Erfahrung“, erläutert Mechthild Gausepohl. „Wer sich entscheidet, die Tiere mitzuversorgen, der geht eine Verpflichtung ein und muss Verantwortung tragen. Die Tiere müssen versorgt werden. Das ist anstrengend, aber sehr wichtig, sowohl für die Tiere als auch für die zuständigen Bewohnerinnen.“
Natürlich steht neben der Verantwortung der Spaß am gemeinsamen Tun im Mittelpunkt. Viele der Beteiligten sind bereits seit den Anfängen dabei, haben eine Beziehung zu den Tieren aufgebaut und schätzen den Kontakt in der Gemeinschaft.
Bereits seit einigen Jahren besteht im Stift die Möglichkeit, dass Mitarbeiter ihre Hunde mit zum Dienst bringen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner sind diese Erfahrungen mit einem Hund sehr positiv, sodass es ab September mit Lena Vehlow, einer professionellen Hundetherapeutin, zwei neue Vierergruppen geben wird, die sich regelmäßig mit den Hunden zu vertrauensbildenden Übungen treffen.
Seit 2004 hat Karin Haverkamp, Sozialpädagogin und Reitlehrerin, Kontakt zum Stift Tilbeck. Sie hilft rund 50 Menschen mit Behinderung durch therapeutisches Reiten auf ihrem Islandponyhof in Havixbeck und einer von ihr angemieteten Reitanlage bei Bösensell.
Was im Dorf Tilbeck aber grundsätzlich anders läuft, als in den übrigen Dörfern des Münsterlandes: Keins der heiß geliebten Viecher muss den Metzger fürchten. Hier bleiben Mensch wie Tier Freunde für das ganze Leben.
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