Kreis Coesfeld

Mi., 26.08.2009

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Vorgeschmack auf die heiße Phase

Auf dem Podium der KAB: v. l. Bernard Perrefort (Linke), Dr. Angelica Schwall-Düren (SPD), Eva Voß (Moderatorin), Jutta Bermoser (Grüne), Karl Schiewerling (CDU) und Daniel Fahr (FDP). (Foto: ds)
Von Detlef Scherle

Lette. Einen kleinen Vorgeschmack auf die in Kürze beginnende heiße Phase des Bundestagswahlkampfes bekamen rund 30 Zuhörer am Sonntagvormittag schon einmal bei einer von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) St. Johannes Lette veranstalteten Podiumsdiskussion mit den heimischen Bundestagskandidaten. Munter debattierten Karl Schiewerling (CDU) aus Nottuln, Dr. Angelica Schwall-Düren (SPD) aus Metelen, Jutta Bergmoser (Grüne) aus Havixbeck, Daniel Fahr (FDP) aus Dülmen und Bernard Perrefort (Linke) aus Havixbeck über aktuelle bundespolitische Themen, vom Atomausstieg bis zur Finanzkrise.

Für das Publikum gab es einige Überraschungen. Die erste, als Jutta Bergmoser auf die Frage von Moderatorin Eva Voß, warum sie in den Bundestag wolle, erklärte, dass sie das gar nicht vorhabe. „Ich möchte nicht so tun, als wäre das mein Ziel.“ Sie wolle um die für die Grünen wichtigeren Zweitstimmen werben. Die erste inhaltliche Runde drehte sich um die Finanz- und Wirtschaftskrise. „Wie kommen wir da heraus?“ wollte Voß wissen. „Das zarte Pflänzchen des Wachstums stärken“, will Karl Schiewerling. Seine SPD-Kollegin Schwall-Düren gestand offen ein, dass sie nicht wisse, wie schnell es wieder aufwärts gehen werde. Mit den Konjunkturprogrammen habe die Regierung aber die richtigen Signale zur Belebung der Wirtschaft gesetzt.

Daran hatte Bergmoser Zweifel. Ihr waren die Maßnahmen nicht nachhaltig genug. Stichwort: Abwrackprämie für Spritfresser. Aus dem Publikum kam da Protest: Müsse es jetzt nicht in erster Linie um Arbeitsplätze gehen und erst danach um Ökologie? „Wir dürfen das nicht gegeneinander ausspielen“, meinte Schwall-Düren. Anders herum werde ein Schuh draus: Durch die regenerativen Energien seien in Deutschland viele neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Der liberale Podiumsteilnehmer Fahr plädierte für „weniger Staat“ und mehr Freiheit, um die Krise zu meistern. Er räumte ein, dass es zwar richtig gewesen sei, dass der Staat sich auf dem Finanzmarkt engagiert habe – zum Beispiel bei der Rettung der Hypo-Real-Estate. Aber schon bald müsse er dort wieder aussteigen: „Die Banken sollten keine Staatsaufgaben haben.“

Ein Aufreger-Thema war die Energiepolitik. Während sich Schwall-Düren und Bergmoser zum Atomausstieg bekannten, erklärten Schiewerling und Fahr, dass diese als „Übergangstechnologie“ noch benötigt werde. „Wir schalten ab – und die Franzosen bauen linksrheinisch neue Atomkraftwerke. Das kann es doch nicht sein“, meinte Fahr. „Die Franzosen bauen keine neuen Atomkraftwerke“, korrigierte ihn Schwall-Düren. „Den Ausstiegsbeschluss 2020 werden wir nicht halten können“, prophezeite Schiewerling.

Dass die Familienpolitik ein Zankapfel im Wahlkampf werden könnte, deutete sich an. Alle wollen Familien mit Kindern mehr fördern. Aber die Wege sehen unterschiedlich aus: Schiewerling meinte, dass unter Ministerin von der Leyen „eine Kehrtwende in der Familienpolitik“ erreicht worden sei. Da schüttelte Schwall-Düren mit dem Kopf, reklamierte diese Wende für Rot-Grün. Von der Leyens Verdienst sei nur gewesen, das Elterngeld auch den CDU-Ministerpräsidenten schmackhaft gemacht zu machen.


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