Sa., 23.07.2011

Lüdinghausen Patienten aus dem ganzen Land - Lüdinghauser Mediziner drei Wochen in Nepal

Von Reinhard Tumbrink

Lüdinghausen - „Ich habe Krankheitsbilder gesehen, die ich vorher nur aus dem Lehrbuch kannte“, berichtet Dr. Thomas Schumacher , Chefarzt der Inneren Abteilung des St.-Marien-Hospitals, von seinem dreiwöchigen Arbeitseinsatz in Nepal zum Beispiel von einem Tetanuserkrankten. Vom 28. Mai bis 17. Juni war der Lüdinghauser Mediziner im Rahmen des German Rotary Volunteer Doctors Programm (GRVD) im Dhulikhel Hospital, circa 30 Kilometer von der Landeshauptstadt Kathmandu entfernt gelegen, tätig gewesen. Dhulikhel, ist eine Stadt mit rund 14 000 Einwohnern, sie liegt 1650 Meter über dem Meeresspiegel am Arniko-High­way, der einzigen Verbindung von Kathmandu nach Tibet.

Im Einzugsgebiet des Hospitals leben circa 1,9 Millionen Menschen, der überwiegende Teil, gut 80 Prozent von ihnen, sind Hindus und rund zehn Prozent Buddhisten. Eines haben die meisten gemeinsam: Sie sind arbeitslos und daher sehr arm. Man ernährt sich vornehmlich durch den Anbau von Reis, Obst und Gemüse. Die nahe Hauptstadt Kathmandu bietet der ländlichen Umgebung kaum eine Chance auf einen dauerhaften Arbeitsplatz. In Dhulikhel selbst versuchen die Menschen, durch Kleingewerbe und Handwerk etwas Geld zu verdienen.

Das Hospital, so Schumacher, bezeichne sich als „non-profit, non-government community conceived and supported quality health services provider“. Es wurde auf Eigeninitiative des nepalesischen Chirurgen Prof. Dr. Ram Shrestha - er studierte in Innsbruck Medizin und kehrte danach wieder in sein Heimat zurück - geplant und 1996 mit Unterstützung des Fördervereins NepalMed, dem rund 300 Mitglieder aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Luxemburg angehören, fertiggestellt. Es ist aus ganz ärmlichen Verhältnissen stetig gewachsen und zählt heute aufgrund seiner medizinischen Leistungsfähigkeit zu den hervorragendsten Einrichtungen des Landes.

Anfang 2004 hat das Hospital den Status einer Uniklinik der Universität Kathmandu erhalten. Es verfügt derzeit über 160 Betten mit allen wesentlichen Stationen wie Chirurgie, Innere Abteilung oder Geburtshilfe. Behandelt werden jährlich circa 38 000 Patienten, davon gut 3600 stationär. Das Haus beschäftigt etwa 800 Mitarbeiter. Vom Equipment, was die medizinische Ausrüstung angehe, sei das Hospital in Dhulikhel mit den hiesigen Krankenhäusern vergleichbar, was abfalle, sei die Unterbringung der Patienten. „Da gibt es so an die 20 Patientenzimmer, in denen Männer und Frauen gemeinsam untergebracht werden“, berichtet Thomas Schumacher weiter.

Um sich behandeln zu lassen, würden viele Patienten ganze Tagesmärsche über Berge und durch Täler auf sich nehmen. Viele von ihnen seien oft schwer krank, wenn man ihnen aber sage, sie müssten stationär aufgenommen werden, lehnten sie ab, sie müssten ihre Familien weiterernähren, es würde eine Arbeitskraft ausfallen, das würden sie sich nicht leisten können.

Unabhängig davon, ob ein Patient über ausreichende Geldmittel verfüge oder nicht, aufgenommen und behandelt werde jeder Patient. Da das Hospital nicht gewinnorientiert arbeitet, gingen Behandlungen oftmals zu Lasten des Hauses. Das Hospital verfüge über Außenposten, kleine Stützpunkte, in den ein paar Medikamente und einige Untersuchungsgeräte gelagert seien. Einmal wöchentlich würden Ärzte diese Stationen anfahren, um Patienten zu behandeln. Ein Problem des Hospitals sei der Ärztemangel, da die Verdienstmöglichkeiten dort sehr eingeschränkt seien. Das Monatseinkommen eines Arztes läge dort bei circa 450 Euro, in der nahen Landeshauptstadt könnten sie oftmals das drei- bis vierfache verdienen. Als Volunteer Doctor wurde Dr. Thomas Schumacher im Dhulikhel Hospital in den normalen Arbeitsalltag integriert. Seine Aufgabe während des dreiwöchigen Aufenthalts war es, die endoskopischen Abteilung zu unterstützen und die Kollegen vor Ort weiterzubilden. „Es war mein erstes, aber sicherlich nicht mein letztes Mal“, kündigte Thomas Schumacher weitere Einsätze in Nepal an.

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